Trotz Wahlschlappen: Leikert will CDU-Kreisvorsitzende bleiben

Politik

Mit Langenselbold hat die CDU am Sonntag ihre letzte Hochburg verloren, nun hütet mit Wolfram Zimmer, der allerdings als unabhängiger Kandidat angetreten war,  im beschaulichen Brachttal noch ein einziger CDU-Vertreter ein Rathaus im Main-Kinzig-Kreis. „Für einen Wahlsieg muss alles passen“, sagt die CDU-Kreisvorsitzende Dr. Katja Leikert, die die Partei im Mai 2018 in turbulenten Zeiten übernommen hatte. In wenigen Wochen stehen nun wieder Vorstandswahlen bei der Kreis-CDU an und die 44-Jährige erklärt in diesem Interview, dass sie erneut kandidieren wird.

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Frau Dr. Leikert, warum kann Ihr Kreisverband keine Rathäuser mehr erobern?
Dr. Katja Leikert: „Darauf gibt es keine pauschale Antwort. In jeder Kommune gab es ganz unterschiedliche Gründe für das nicht zufriedenstellende Abschneiden der CDU-Kandidaten. Dennoch ist es natürlich unser Ziel, auch auf Kreisebene wieder erfolgreicher zu sein. Das geht aber nicht von heute auf morgen und kann auch nicht von oben ‚herabverordnet‘ werden. Der Kreisverband unterstützt die Bewerber nach Kräften, dennoch ist eine Bürgermeisterwahl in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. Hinzu kommt eine gewisse Parteienverdrossenheit. Unabhängige Kandidaten haben in den vergangenen Jahren oft mehr Erfolg gehabt. Für einen Wahlsieg muss alles passen. Der Kandidat, die Stimmung vor Ort, die Wahlkampagne und natürlich auch die politische Großwetterlage. Es nutzt aber nichts, wenn wir uns gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Stattdessen müssen wir aus Fehlern lernen und gemeinsam daran arbeiten, besser zu werden.“

Bei ihrer Wahl zur Kreisvorsitzenden vor zwei Jahren hatten Sie unter anderem die Personalgewinnung für wichtige Ämter als Schwachpunkt ausgemacht. Welche Maßnahmen haben Sie unternommen, damit sich daran etwas ändert?
Leikert: „Ich bin seit rund 20 Monaten im Amt – in dieser Zeit kann man Projekte anschieben, aber nicht die Welt verändern. Grundsätzlich ist das Thema Personalgewinnung schwieriger geworden. Ging es in den vergangenen Jahren in erster Linie um das Thema ‚Work-Life-Balance‘ beziehungsweise die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Mandat, sehen sich mittlerweile auch Kommunalpolitiker vermehrt Hass und Hetze ausgesetzt. Das macht die Jobbeschreibung eines Politikers nicht unbedingt attraktiver. Dennoch bemühen wir uns aktiv um passende Kandidaten. Das umfasst die persönliche Ansprache von potenziellen Bewerbern ebenso wie organisatorische Unterstützung im Wahlkampf. Nicht jeder Verband muss das Rad im Wahlkampf neu erfinden. Hier versuchen wir gezielt Unterstützung zu leisten. Auf Kreisebene haben wir zudem einen ‚AK Bürgermeisterwahlen‘ eingerichtet, auch ein ‚Mentoring-Programm‘ mit erfahrenen Kommunalpolitikern wurde angeschoben.“

Sie haben auch gesagt: „Wenn ihr mich wählt, wählt ihr das Gesamtpaket.“ Konnten Sie Familie, Bundestagsmandat und den CDU-Kreisvorsitz so miteinander vereinbaren, wie Sie sich das vorgestellt hatten?
Leikert: „Ja. Natürlich ist das nicht immer einfach und manche Terminüberschneidungen lassen sich aufgrund der Sitzungswochen des Deutschen Bundestages nicht vermeiden. Ich habe aber von Anfang an mit offenen Karten gespielt und klar gemacht, dass ich als Kreisvorsitzende keine ‚One Woman‘-Show bieten kann und werde. Stattdessen setze ich auf Teamwork. Der Kreisvorstand besteht aus vielen engagierten Mitgliedern, die alle ihren Beitrag leisten. Hervorheben möchte ich auch die Junge Union, die personell eine Bank und auch inhaltlich eine unglaublich wichtige Stütze für unsere Arbeit ist. Um den politischen Nachwuchs mache ich mir keine Sorgen. Auch das Thema Vernetzung ist mir sehr wichtig – insbesondere bei den Hauptamtlichen. Die CDU Main-Kinzig hat mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie Wahlen gewinnen kann. Wir haben sowohl 2013 als auch bei der Bundestagswahl 2017 und der Landtagswahl 2018 alle Direktmandate geholt, sind mit mir als Spitzenkandidatin nach der Kommunalwahl am Ende in die Kreisregierung zurückgekehrt. Michael Reul ist haushaltspolitischer, Heiko Kasseckert wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. Max Schad hat sich als unglaublich fleißiger, stets ansprechbarer und kompetenter Abgeordneter bereits in seiner ersten Legislaturperiode etabliert. Hinzu kommen Peter Tauber als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundeministerin der Verteidigung und ich als stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Stärker war die CDU Main-Kinzig auf Landes- und Bundesebene auf diesen Schlüsselpositionen noch nie vertreten. Darüber hinaus stellen wir mit Winfried Ottmann einen hauptamtlichen Kreisbeigeordneten. Dieses Netzwerk nutzen wir, um unseren Kreis bestmöglich sowohl in Berlin als auch in Wiesbaden zu positionieren. Wir wollen Spitzenleistungen in allen Bereichen erzielen.“

Auch die Themensetzung hatten Sie im Mai 2018 angesprochen, wollten unter anderem Schulen, Kinderbetreuung und die Pflegesituation mehr in den Blickpunkt rücken, zudem sollte die Öffentlichkeitsarbeit verbessert werden. Ist Ihnen das gelungen?
Leikert: „Ja. Die von Ihnen genannten Themen habe ich versucht, durch gezielte Pressearbeit in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Besonders erwähnen möchte ich hierbei die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit unserem Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann. Die Schulen sind bei ihm in guten Händen, was nicht zuletzt die Fortschritte bei der Digitalisierung zeigen, aber auch im Bereich der Kinderbetreuung hat sich einiges getan – beispielhaft seien hier nur der ‚Pakt für den Nachmittag‘ oder die im Main-Kinzig-Kreis sehr erfolgreich eingeführte praxisintegrierte Erzieherinnenausbildung genannt. Schwerpunkte haben wir auch im Bereich Infrastruktur/Mobilität gesetzt. Wir haben finanzielle Mittel für das Aufstellen von E-Ladesäulen im Main-Kinzig-Kreis im Kreishaushalt verankert und den Bau der Nordmainischen S-Bahn und der Bahnstrecke Hanau – Gelnhausen/Fulda vorangetrieben. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit haben wir neben der klassischen Pressearbeit die Social Media-Kanäle überarbeitet und neu aufgestellt; auch die Homepage wurde generalüberholt. Weitere Neuerungen, auf die ich mich sehr freue, sind in Planung. Auch eine Mitgliederwerbeaktion ist in Vorbereitung.“

Und wie sind die Rückmeldungen aus Ihrem Kreisverband: Ist der Optimismus nach der turbulenten Zeit bis zu ihrem Amtsantritt wieder zurückgekehrt?
Leikert: „So kurz nach dem Verlust des Rathauses in Langenselbold von Optimismus zu sprechen, halte ich für vermessen. Dennoch erlebe ich den Kreisverband als äußerst lebendig. Da sind Menschen, die Lust haben, ihre Heimat aktiv zu gestalten. Als Kreisvorsitzende habe ich mitgliederoffene Kreiskonferenzen eingeführt; in dieser Woche steht bereits die siebte Auflage an. Zu jeder Veranstaltung kamen rund 60 Mitglieder, um sich zu informieren, zu diskutieren und sich einzubringen. Jedes Mitglied ist eingeladen, mitzumachen. Derzeit erarbeiten wir gemeinsam die Grundlagen für unser Kommunalwahlprogramm. Auch die Mitgliederzahlen sind erfreulich. Im vergangenen Jahr konnten wir – dem Bundestrend der großen Parteien zum Trotz – sogar ein leichtes Plus verzeichnen. Das macht mir Mut, dass es uns künftig noch besser gelingt, Menschen für aktives politisches Engagement zu begeistern.“

Im März steht nun der nächste Parteitag an: Werden Sie wieder als Kreisvorsitzende der CDU Main-Kinzig kandidieren?
Leikert: „Ja.“


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