Streit auf Parteitag: CDU Main-Kinzig tief gespalten

Politik

Die CDU Main-Kinzig glänzte am Samstag gleich mit zwei Neuheiten: Zum ersten fanden hintereinander an einem Tag zwei Parteitage statt und zum ersten Mal erhielt die alte und neue Parteivorsitzende mit knapp 60 Prozent weniger Stimmen als anderen Vorstandsmitglieder (wir berichteten).

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Wirklich überrascht wirkte die Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert darüber nicht, nach bisher zwei Jahren Amtszeit weiß sie anscheinend schon ganz genau, dass sich der Frust bei vielen Parteimitgliedern längst nicht nur in ihrem Wahlergebnis wiederspiegelt.

Denn während Parteitag Nummer eins und somit die Wahl von Leikert und dem restlichen CDU-Kreisvorstand ohne Diskussionen über die Bühne ging, wurde es nach der Mittagspause doch noch turbulent in der Konzerthalle in Bad Orb. Die Klänge, die dann angestimmt wurden, waren keinesfalls mehr harmonisch oder gar freundschaftlich, sondern zeigten eine tiefe Spaltung in der Partei auf. Die hatte sich schon zu Beginn des Jahres angekündigt, als der bisherige Vize Christian Litzinger überraschend seine Kandidatur für den Parteivorsitz ankündigte und dann im Juni – mindestens genauso überraschend – wieder einen Rückzieher machte. Auf einem Foto demonstrierten Leikert und Litzinger zum Sommeranfang eine neue Einigkeit, die allerdings auf die bis dato neuen Anhänger von Litzinger wie ein Schock wirkte. Zumindest lässt sich das aus manchen Stellungnahmen auf dem Parteitag deutlich ablesen.

Den Anfang machte Uwe Sachs aus dem CDU-Ortsverband Jossgrund, der von den Treffen berichtet, auf denen die Ablösung von Leikert vorbereitet wurde und Litzinger eine Mannschaft um sich formierte. „Er ist zu vielen Ortsverbänden gegangen und hat um Unterstützung gebeten. Und er hat diese Unterstützung auch bekommen“, sei es dann umso enttäuschter gewesen, dass nicht von Litzinger persönlich, sondern aus der Presse erfahren habe, dass er nicht kandidiere. Dass Litzinger danach dennoch auf Platz drei der Kreistagsliste kandidierte, bezeichnete Sachs als „unehrenhaft“. Der Jossgründer probierte, Litzinger diese gute Platzierung streitig zu machen, verlor allerdings bei der Abstimmung.

Auch Carola Gärtner aus Wächtersbach gehörte einst zum Team Litzinger: „Die Enttäuschung war sehr, sehr groß“, berichtete sie sogar von drei oder vier Treffen im kleinen Kreis, bei denen die Kandidatur von Litzinger und damit natürlich auch die Ablösung von Leikert geplant worden sei. Die Quittung hätten jetzt alle Unterstützer mit schlechten Listenplätzen erhalten. „Es darf nicht alles tot geschwiegen werden. Ich weiß, dass es vielen hier so geht, aber keiner traut sich, was  zu sagen“, so die CDU-Fraktionsvorsitzende im Wächtersbacher Stadtparlament.

Allerdings gefiel nicht allen, wie auf dem Parteitag miteinander umgegangen wurde. „Ich bin zutiefst enttäuscht, was hier für schmutzige Wäsche gewaschen wird“, erklärte Erich Lauer aus Nidderau. Die Mehrheit hielt sich allerdings ganz raus aus den Diskussionen und ließ die Stimmzettel sprechen.

Foto: Leikert und Litzinger im Juni 2020. Quelle: CDU


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