Der ehemalige Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Matthias Zach (Grüne) nimmt zu der von einigen Ortsverbänden der CDU und der Kreis-FDP aufgeworfenen Debatte um ein nach deren Ansicht fehlenden Gymnasium im Westkreis Stellung.
Der ehemalige Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Matthias Zach (Grüne) nimmt zu der von einigen Ortsverbänden der CDU und der Kreis-FDP aufgeworfenen Debatte um ein nach deren Ansicht fehlenden Gymnasium im Westkreis Stellung.
"Mit Besorgnis und wachsendem Unmut verfolge ich als ehemaliger Schuldezernent die von FDP und Teilen der CDU losgetretene Diskussion über ein zukünftiges Gymnasialangebot im Westteil des Main-Kinzig-Kreises. Alles können unsere Schulen in Coronazeiten brauchen, aber keine von politischen Lokalgrößen und solchen, die sich dafür halten, in die Schulen hineingetragene Unruhe. Sie haben wahrlich andere Sorgen und benötigen jede Hilfe, die sie bekommen können, um den Unterricht für ihre Schülerinnen und Schüler sicher zu stellen, sei es im Klassenzimmer oder digital. Sie brauchen klare Haltungen zu Schließungen, Wechselunterricht oder digitalen Angeboten. Dass sich Politiker in solchen Zeiten anmaßen, Standortdiskussionen für Schulen anzuzetteln - und das aus rein wahltaktischen Gründen – entzieht sich meinem Verständnis völlig. Ich habe selten in der Politik einen derartig mangelhaften Einblick in die aktuellen Probleme und einen derartigen Mangel an Empathie gesehen wie jetzt bei der Kreis-FDP und bei Ortsverbänden der CDU“, konstatiert der ehemalige Schuldezernent.
Als Ursache der wirren und von Standortegoismen geprägten Diskussionen sieht Zach die Ablehnung des von Dezernent Ottmann vorgelegten Schulentwicklungsplans durch den Kreistag des Main-Kinzig-Kreises und seine Rücküberweisung in den zuständigen Ausschuss. Dort hat zunächst die Fraktion der Grünen Ottmann in Bezug auf die Notwendigkeit gymnasialer Angebote im Westkreis eine „Laisser-Faire-Haltung“ im vorgelegten Schulentwicklungsplan vorgeworfen und vorwärtsweisende und nachhaltige Lösungsansätze eingefordert. Dieser Kritik am Schulentwicklungsplan hatte sich der Kreistag ohne Gegenstimmen, also auch die eigene Fraktion des Schuldezernenten, angeschlossen.
"Meine Haltung ist deshalb auch eindeutig", so Zach weiter: “Der mangelhafte Schulentwicklungsplan ist nicht nur die Ursache des derzeitigen Kuddelmuddels, für den der Dezernent die Verantwortung trägt. Dezernent Ottmann trägt auch die Verantwortung für die Schulen des Kreises. Und diese Verantwortung schließt die Fürsorge für die Schulen, ihre Eltern und Lehrer und für die Schüler mit ein. Ich erwarte, dass der in Ortsverbänden der CDU entstandenen Diskussion auch von der SPD in der Großen Koalition einige deutliche Worte entgegensetzt werden. Unter Umständen ist hier auch Landrat Thorsten Stolz gefordert. Denn inzwischen ist die Unruhe weit über ihren Entstehungsort Bruchköbel hinausgegangen. Eines ist für mich auf jeden Fall klar: Die Lösung für die Nachfrage nach Gymnasialplätzen im Westkreis kann nicht darin liegen, Schulangebote gegeneinander auszuspielen – hier bitte ich doch einmal deutlich den Erlass des Kultusministeriums von 2013 zu lesen und letztlich die Integrierten Gesamtschulen zu schädigen. Vielmehr gilt es, auf die Auswirkungen auf andere Schulen zu achten und eher vorhandene Strukturen zu stärken und kreativ weiter zu entwickeln, statt sie zu schwächen, gegeneinander auszuspielen und im Grunde genommen, einen Schulkampf der Vergangenheit wieder herauf zu beschwören. Zuallererst aber erwarte ich von meinem Nachfolger, aber auch vom Landrat, unverzüglich weitere Gespräche mit der Stadt Hanau zu suchen, und zwar unabhängig davon, ob Hanau den Kreis verlasse oder in ihm verbleibe. Die Lektüre des seit kurzem vorliegenden Schulentwicklungsplan der Stadt Hanau legt nämlich aus meiner Sicht keineswegs den Schluss nahe, dass Hanau nach 2024 - dem Jahr, in dem der derzeitige Vertrag mit dem Main-Kinzig-Kreis ausläuft - nicht mehr bereit ist, Gymnasialschüler aus dem Kreis aufzunehmen. Längerfristige Lösungen müssen angestrebt werden. Verträge für nur die nächsten vier Jahre sind weder der Stadt Hanau noch dem Kreis noch der Elternschaft zumutbar. Zudem, mit diesen Vorschlägen aus der Mottenkiste der CDU wird sich die Diskussion um den Schulentwicklungsplan des Kreises hinziehen. Hinzu kommt möglicherweise die Zeit der Realisierung einer baulichen Lösung, die Geld und notfalls Umschichtungen und dadurch weitere Diskussionen mit anderen Schulen benötigt."
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de