Kreisspitze würdigt verstorbenen Landrat a.D. Hans Rüger

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Er war sechs Jahre der Landrat im damaligen Landkreis Gelnhausen, 1974 wählten ihn die Bürgerinnen und Bürger an die Spitze des neugebildeten Main-Kinzig-Kreises.

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Am Freitag (15. Januar) ist Hans Rüger (CDU) im Alter von 95 Jahren gestorben. Die Kreisspitze mit Landrat Thorsten Stolz (SPD), der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler (SPD) und dem Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann (CDU) sowie langjährige Wegbegleiter und politische Zeitzeugen würdigen diese herausragende Persönlichkeit.

Landrat Thorsten Stolz erinnert sich an seine Zeit als junger Bürgermeister von Gelnhausen und spontane Besuche von Hans Rüger im Rathaus. „Wie laufen die Geschäfte“ lautete meistens die Eingangsfrage, bevor der Altlandrat dann einige Anekdoten aus seiner bewegten politischen Vergangenheit berichtete. Bis ins hohe Alter hat er die Vorgänge im Main-Kinzig-Kreis aufmerksam verfolgt und war selten um einen hintergründigen Kommentar verlegen. Gemeinsam mit dem Kreistagsvorsitzenden Carsten Ullrich gedenkt die Kreisspitze an einen verdienten und außergewöhnlichen Menschen, dem der Main-Kinzig-Kreis sein Gesicht verdankt. „Wir würdigen heute in gleichem Maße einen vorbildlichen Politikstil und einen respektvollen Umgang miteinander sowie eine Lebensleistung mit den Merkmalen Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein und einem ganz besonderen Humor“, so die gemeinsame Würdigung. In bester Erinnerung ist auch Rügers Auftritt anlässlich der großen Feierlichkeiten zum vierzigjährigen Bestehen des Main-Kinzig-Kreises. „Hans Rüger hat als leidenschaftlicher Kommunalpolitiker, als Landrat und als Mensch den Main-Kinzig-Kreis nachhaltig geprägt und wird als Mann der ersten Stunde unvergessen bleiben“, sagt Thorsten Stolz.

Dabei war ein Wahlsieg 1974 für nahezu alle fachkundigen Beobachter „eine echte Überraschung“, galt der damalige Landrat aus Gelnhausen nicht unbedingt als Freund der aus Wiesbaden aufgesetzten Gebietsreform. Doch der bürgernahe, authentische und pragmatische Kandidat Hans Rüger überzeugte die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler und trat damit an die Spitze des ungeliebten „Kunstgebildes“. Obwohl er eigentlich der Landwirtschaft treu bleiben wollte, begann seine politische Laufbahn bereits  in seiner Heimatgemeinde Hilmes bei Bad Hersfeld, wo er 1925 geboren wurde. Nach der Schulzeit musste er zunächst zum Militär, kam in Gefangenschaft. Als er dann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Hessen zurückkehrte, übernahm er mit gerade 20 Jahren die elterliche Landwirtschaft. Wie er einmal zurückblickend erzählte, weckten die Situation des zerstörten Landes, das 13,5 Millionen Flüchtlinge aufnehmen musste, sowie die persönliche Begegnung mit Überlebenden eines Konzentrationslagers und die weitreichenden Folgen des Krieges sein politisches Bewusstsein.

Einige Jahre später gründete er zunächst eine Familie, pachtete einen eigenen 600-Morgen-Hof in Linsengericht-Altenhaßlau und engagierte sich vor Ort politisch, wurde 1965 Fraktionschef der CDU im Gelnhäuser Kreistag. Am 21. Dezember 1967 wählte der Kreistag den damals 42-jährigen zum Nachfolger von Landrat Heinrich Kreß. Bis 1987 stand er schließlich an der Spitze des Main-Kinzig-Kreises, bis er vom damaligen SPD-Oppositionsführer Karl Eyerkaufer abgelöst wurde. Der Nachfolger von Hans Rüger erinnert sich bis heute an „die harten Auseinandersetzungen in der Sache und die gleichzeitige Freundschaft unter engagierten Menschen, die eigentlich alle das Gleiche wollen – Wohlergehen für die Bürgerinnen und Bürger“. Durch diese klare Haltung habe Hans Rüger sich den Respekt über alle politischen Grenzen hinweg verdient, schildert Eyerkaufer.

Geschätzt wurde Hans Rüger auch wegen seines pragmatischen Handelns. Als Mitte der achtziger Jahre der Maschinenbauer WIBAU mit Sitz in Gründau spektakulär in Konkurs ging, fragte der Landrat und Sozialdezernent nicht lange nach Zuständigkeiten und Paragraphen. Er gründete stattdessen kurzerhand eine Beschäftigungsgesellschaft, um von der Firmenpleite betroffenen Auszubildenden ihren Abschluss zu ermöglichen. Daraus ging das Berufsbildungs- und Beschäftigungszentrum (BBZ) hervor, das später zur kreiseigenen Gesellschaft für Arbeit, Ausbildung und Qualifizierung AQA) wurde.

Als Landrat besetzte Hans Rüger auch eine Schlüsselfunktionen im Hessischen Sparkassen- und Giroverband, ab 1983 als dessen Präsident. Zudem gründete er unter anderem 1985 die Sparkassen-Sportstiftung. Für seine Verdienste erhielt er die Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille, die höchste Auszeichnung, die der Verband zu vergeben hat. 1987 erhielt er zudem das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sein „unkonventionelles Handeln bei politischen Vorhaben“ als damaliger Landrat hat Hans Rüger sehr gern mit dem Hinweis auf das „Gelnhäuser Landrecht“ begründet, wie sich Erich Pipa (SPD) an die „Tatkraft seines Vor-Vorgängers“ anlässlich dessen 90. Geburtstages erinnerte. Die Formulierung aus der Ansprache vom Dezember 2015 beschreibt zutreffend das Andenken an eine besondere Persönlichkeit: „Ganz gleich, ob wir über seine politische Arbeit als Christdemokrat, seine Amtsführung als Landrat, seine Tätigkeit im Sparkassenwesen oder über den Privatmann reden: Hans Rüger war immer Hans Rüger. Und seine Handschrift war einzigartig.“

Damit die Bürgerinnen und Bürger ihre Anteilnahme ausdrücken können, hat der Main-Kinzig-Kreis im Eingangsbereich des Landratsamtes sowie in digitaler Form auf der Homepage (Rubrik Aktuelles) ein Kondolenzbuch ausgelegt.

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