Kreisspitze denkt um: 1.000 Luftfiltergeräte für Schulen

Politik
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Jetzt also doch: Die Kreisspitze hat sich dazu entschlossen, deutlich mehr mobile Luftfiltergeräte für die Schulen im Main-Kinzig-Kreis anzuschaffen, als bisher geplant. Landrat Thorsten Stolz (SPD) kündigte auf der Kreistagssitzung am Freitag an, dass circa 1.000 Geräte bestellt und damit die Klassenräume für die Schuljahrgänge 1 bis 6 ausgestattet werden sollen. Eine Woche zuvor bei der Vorstellung des Koalitionsvertrages von SPD und CDU hatte Stolz noch einen Testbetrieb mit nur circa 100 Geräten angekündigt. FDP, Grüne und AfD hätten indes gerne alle Klassenräume mit Luftfiltergeräten ausgestattet.

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Das Umschwenken bei der Kreisspitze hängt wohl vor allem mit einer neuen Einschätzung des Umweltbundesamtes zusammen. Von dort kam vor über einer Woche das Signal, dass Luftfiltergeräte in Schulen nun doch zur Pandemiebekämpfung beitragen können, wenn es sich um geprüfte Geräte handele und sie richtig in den Klassenräumen aufgestellt werden würden. Darauf verwies auch der Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Winfried Ottmann (CDU): „Das Lüften ersetzen diese Geräte nicht“, aber immerhin könnten die letzten zehn Prozent der Raumluft von den Geräte gereinigt werden. Deshalb habe der Kreis schon im vergangenen Jahr Luftfiltergeräte in Klassenräumen aufgestellt, wo eine Belüftung nicht oder nicht ausreichend möglich sei. Zum Einsatz kommen sie demnach bereits unter anderem in Schulen in Bruchköbel, Brachttal, Nidderau und Freigericht. Einige Räume wurden laut Ottmann sogar komplett aus der Nutzung herausgenommen. Ottmann war mit einem dicken Aktenordner als Rednerpult gekommen, der belegen sollte, dass sich sein Amt bereits seit Monaten mit dem Thema beschäftigt. Ganz überzeugt von der neuen Vorgehensweise schien er allerdings nicht: „Wir setzen hier vielleicht ein politisches Zeichen, aber ob das auch was mit Vernunft zu hat, wird sich erst noch zeigen.“ Auch aus dem Kreiselternbeirat habe er unterschiedliche Auffassungen wahrgenommen, aus den Schulen sogar gehört "mir kommen die Dinger nicht in die Klassenräume".

Die Begrenzung auf die Grundschulen und die Räume für die Schuljahrgänge 5 und 6 begründete Landrat Stolz mit der Impfmöglichkeit für Schülerinnen und Schüler ab dem 12. Lebensjahr. „Wir brauchen leistungsstarke Geräte, die vernünftig aufgestellt sowie auch gewartet und betreut werden“, sei ein dauerhafter Support notwendig. Bei der Anschaffung kalkuliert die Kreisspitze mit einmaligen Kosten in Höhe von circa 1,1 Millionen Euro, für die Wartung sind weitere 900.000 Euro pro Jahr eingeplant. Am Dienstag soll der Kreisausschuss eine verkürzte Ausschreibung auf den Weg bringen, wann die Geräte in den circa 100 Schulen im Main-Kinzig-Kreis eintreffen werden, ist allerdings völlig ungewiss.

Ein Mandat durch den Kreistag für die Investition von zunächst circa 2 Millionen Euro hielt die SPD/CDU-Koalition nicht für nötig, ein Antrag der FDP sowie auch Ergänzungen von Grünen und AfD wurden allesamt abgelehnt. „Schluss mit Sonntagsreden oder machtpolitischen Spielchen“, so die Aufforderung der FDP-Fraktionsvorsitzenden Anke Pfeil. Die Liberalen blieben bei ihrer Forderung, kurzfristig für alle Klassenräume mobile Luftfiltergeräte zu bestellen. Ihr Fraktionskollege Daniel Protzmann verwies zudem darauf, dass die Schuljahrgänge 7 bis 10 während der Corona-Pandemie bislang am längsten zu Hause bleiben mussten und jetzt wieder vergessen werden würden.

Für Matthias Zach (Grüne), ehemaliger Schuldezernent des Main-Kinzig-Kreises, kommt das von Landrat angekündigte „Wir starten jetzt“ viel zu spät. Seine Fraktion forderte als Ergänzung zum FDP-Antrag, dass bei zukünftigen Schulneubaten immer der Passivhausstandard angewendet werde, der einen Ausbau mit Lüftungssystemen vorsehe. In einem weiteren Ergänzungsantrag forderte die AfD-Fraktion, auch die Kindertagesstätten bei der Ausstattung mit mobilen Luftfiltergeräten zu berücksichtigen. „Ich freue mich, dass die AfD-Fraktion das Lager der Corona-Leugner verlassen hat“, wollte Andreas Müller (DIE LINKE), dessen Fraktion die Anschaffung für die Schulen unterstützte, seine Reaktion diesmal nicht als Häme verstanden wissen. Allerdings hätte er gerne einen Beschluss des Kreistages gehabt: „Ich will mich nicht darauf verlassen, dass der Kreisausschuss am Dienstag einen Beschluss fasst. Hier braucht es einen klaren Auftrag.“

Die Kosten für die Luftfiltergeräte brachte der CDU-Fraktionsvorsitzende Heiko Kasseckert ins Spiel: „Diese Anschaffung bedeutet auf der anderen Seite auch Verzicht“, kündigte er bereits eine Erhöhung der Schulumlage an, die von den Kommunen und somit von den Bürgerinnen und Bürgern an den Kreis gezahlt wird. Auch Ottmann hatte zuvor deutlich gemacht, dass es keine Fördermittel für die Anschaffung von mobilen Luftfiltergeräten für Klassenräume mit öffnungsbaren Fenstern gebe. SPD-Fraktionschef Klaus Schejna verwies auf die bisher weitgehende Einigkeit im Kreistag bei der Pandemiebekämpfung: „Sachlich bleiben, wir sind auf dem Weg.“ Die Kreisspitze will parallel zur Ausschreibung mit den Lieferanten der bereits genutzten Luftfiltergeräte Kontakt aufnehmen, um die aktuellen Liefermöglichkeiten abzuklären.



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