Biosphärenreservat RheinMainSpessart: Appell nach Bayern

Politik
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Zur Planung eines möglichen Biosphärenreservates RheinMainSpessart ist der Main-Kinzig-Kreis weiterhin an einer engen Kooperation mit den bayerischen Nachbarn interessiert, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD).

Auch der kürzlich vom Kreistag eingesetzte Beirat mit Expertinnen und Experten verschiedener Organisationen vertritt die mehrheitliche Auffassung, dass „„nur ein gemeinsamer ergebnisoffener Machbarkeitsprozess in dieser frühen Phase der richtige Schritt ist und die Chance bietet überhaupt einen Schritt weiter zu kommen“.

Die bayerischen Landkreise Main-Spessart, Aschaffenburg und Miltenberg haben aber indessen offiziell mitgeteilt, dass sie „ein separates Vorgehen der beiden Bundesländer als zielführender erachten“. Ein länderübergreifendes Szenario soll in der bayrischen Studie zwar „mit beleuchtet werden“, sieht aber keine gemeinsame Erarbeitung oder einen intensiven Einbezug von Akteuren auch von hessischer Seite mit vor. Offenbar werden in der Planung zudem „zwei Teilbiosphärenreservate favorisiert, die finanziell und organisatorisch unabhängig sein sollen“, so Simmler.

Noch im Dezember hatte sich der Kreistag des Main-Kinzig-Kreises – wie mit den bayerischen Gebietskörperschaften diskutiert und vereinbart – „den ergebnisoffenen Vorüberlegungen zu einer ersten Untersuchung eines gemeinsamen Biosphärenreservates Spessart der Landkreise Main-Spessart, Aschaffenburg, Miltenberg grundsätzlich angeschlossen“. Diese Entscheidung wurde Anfang Januar den bayerischen Nachbarn mitgeteilt. Die ernüchternde Antwort erfolgte rund zwei Wochen später in Form einer Absage mit der Begründung, dass es als „erfolgversprechender“ angesehen werde, „den aus eigener Betrachtung heraus gut laufenden Prozess auf bayerischer Seite wie begonnen und ohne weiteren Einbezug der hessischen Gruppen fortzuführen“. Aber sollte sich im Main-Kinzig-Kreis „das Interesse an einem Biosphärenreservat konkretisieren, steht einer späteren Angleichung nichts im Wege“, so die Mitteilung aus Bayern.

„Eine überraschende Entwicklung, die auf der Seite des Main-Kinzig-Kreises auf gewisse Unverständnis stößt und weiterhin einige Fragezeichen aufwirft“, wie die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler erklärt. „Mal ganz praktisch: Wie soll eine Studie für ein länderübergreifendes Projekt erstellt werden ohne intensive Beteiligung und Begleitung des Main-Kinzig-Kreises, seiner gesellschaftlichen Akteure und Verbände im Hessischen Spessart und vor allem, wie sollte ein solches Ergebnis überhaupt Akzeptanz finden“, zeigt sich die zuständige Dezernentin weiterhin verwundert und wirbt dennoch für ein gemeinsames Vorgehen. „Ein Biosphärenreservat ist nicht einfach mal mir nichts dir nichts vorbereitet und umgesetzt. Das ist ein jahrelanger Prozess, an dessen Ende eine Anerkennung der UNESCO stehen kann und auch ein Prozess, der mit der gesamten Region diskutiert werden muss, denn an einigen Stellen können durchaus Einschränkungen vorhanden sein. Es geht darum, möglichst alle Fragen und Belange wie zum Beispiel die der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft zu klären. Denn da geht es schnell auch um Existenzen. Ein Biosphärenreservat ist aber eben auch kein Verhinderungsprozess zum Beispiel von regenerativen Energieformen wie Windrädern, sondern genau das Gegenteil ist Kern der Idee: in einer Region das Zusammenspiel zwischen Natur und Mensch zu erproben, Modelle auszuprobieren und dann übertragen zu können auch in andere Regionen der Welt“, so Simmler weiter.

Aber ein gemeinsam getragener Prozess könne nur funktionieren, wenn er auch von Beginn an gleichberechtigt zusammen erarbeitet wird, um einerseits einen inhaltlichen Gleichklang und andererseits eine möglichst breite Akzeptanz zu realisieren. Auch das Gremium der Expertinnen und Experten ist mehrheitlich an einem länderübergreifenden Prozess der bayerischen Gebietskörperschaften Landkreis Main-Spessart, Landkreis Aschaffenburg, Landkreis Miltenberg und dem Main-Kinzig-Kreis interessiert.

Aus Sicht der Fachleute sei ein bayerischer Alleingang für das Projekt wenig zielführend. Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler verweist auf das Biosphärenreservat Rhön, wo mit Hessen, Thüringen und Bayern sogar drei Bundesländer erfolgreich kooperieren. In ähnlicher Weise sei auch für den Spessart nur ein länderübergreifender Ansatz vorstellbar.

Expertenrat des Main-Kinzig-Kreis spricht sich für länderübergreifenden Prozess aus

„Wenn im Sommer ein Auftrag für eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden soll, dann ist es für eine tragfähige Kooperation noch nicht zu spät“, betont Simmler mit Blick auf die bayerischen Planungen. Es sei vielmehr zu befürchten, dass man die Zeit, die man jetzt zu gewinnen glaubt, bei der im Nachhinein mühevollen Anpassung wieder verlieren wird. Zudem seien die künftigen Partner aktuell bei der grundsätzlichen Bewertung der Projektidee gar nicht so weit auseinander.

So hat der Expertenrat für ein länderübergreifendes Biosphärenreservat als UNESCO-Projekt das verträgliche, verantwortungsvolle und nachhaltig positive Miteinander von Mensch und Natur in den Vordergrund gestellt. In einer entsprechenden Resolution wurde mehrheitlich beschlossen, dass die jeweiligen Nutzerinteressen in dem künftigen Gebiet abzuwägen und zu berücksichtigen sind.

Eine gemeinsame Machbarkeitsstudie unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit und Institutionen muss Basis des Prozesses sein und die unterschiedlichen Fragestellungen deutlich auf- und herausarbeiten. Diese dient als Grundlage für den Entscheidungsprozess und ein mögliches Konzept. Der Expertenrat wirbt nachdringlich für Transparenz sowie einen einheitlichen Wissensstand und Informationsfluss. Diese sind Grundpfeiler eines gemeinsamen Prozesses, daher spricht sich der Expertenrat für ein länderübergreifendes Begleitgremium aus.

Der Expertenrat appelliert an die bayrischen Landkreise, den Dialogprozess ernsthaft zu starten und nach gemeinsamen Möglichkeiten zu suchen. Zudem wird das Land Hessen aufgefordert, sich aktiv in den Prozess einzubringen und den Main-Kinzig-Kreis in seinem Ansinnen nach einer länderübergreifenden Machbarkeitsstudie zu unterstützen. „Es spricht vieles dafür, den Weg zum Biosphärenreservat RheinMainSpessart gemeinsam zu gehen und schon jetzt den noch engeren Austausch zu suchen“, fasst die Erste Kreisbeigeordnete die Situation zusammen. Der Main-Kinzig-Kreis sei weiterhin bereit, die Arbeit und die Kosten anteilig zu übernehmen und seine Expertise einzubringen.

„Für alle Beteiligten auf hessischer Seite ist das der einzig sinnvolle Weg. Schon aus dem Blickwinkel der Vorgaben für Gebietsgröße und der Einhaltung von Mindestanforderungen ist unser Landkreis mit seiner ausgeprägten wirtschaftlichen Entwicklung alleine nicht geschaffen für einen einseitig hessischen Prozess. Daran würde auch eine eigene Machbarkeitsuntersuchung für viel Geld nichts ändern. Durch unsere Besonderheit, dass wir ein Teil der engeren Rhein-Main-Region sind und dass zum Beispiel auch die Stadt Hanau ihr Interesse an einer Beteiligung signalisiert hat, können wir einen immensen Alleinstellungsfaktor in den Prozess mit einbringen“, erklärt Simmler.

Mit der Beschlusslage des Expertenrates wird nun letztmalig der Versuch unternommen, auf die bayerischen Kollegen zuzugehen. Sollte es hier keine Änderungen geben und weiterhin an einem abgekoppelten Prozess festgehalten werden, müsse die hessische Seite hieraus ihre Schlüsse ziehen. Dies soll erneut im Rahmen des Expertenrates passieren.


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