Weniger Geflüchtete: Wächtersbacher Halle vorerst im Stand-by-Modus

Politik
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Die Schulsporthalle der Friedrich-August-Genth-Schule in Wächtersbach soll weiterhin auf Stand-by stehen, um kurzfristig als Unterkunft für Vertriebene aus der Ukraine nutzbar zu sein. Tatsächlich in Betrieb gehen muss sie in diesen Tagen jedoch nicht, wie der Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises am Donnerstag (21.4.) festgelegt hat. Landrat Thorsten Stolz (SPD) begründete den Schritt damit, „dass die Zahl der Flüchtlinge, die dem Main-Kinzig-Kreis zugeteilt wird, derzeit etwas geringer ausfällt und gleichzeitig die Fortschritte bei der Vermittlung in Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünfte für neue Kapazitäten in den bestehenden Notunterkünften sorgen“.

Ein Ende der Notunterkünfte sieht der Verwaltungsstab indes nicht gekommen. „Wir brauchen noch eine Zeitlang diese großen Unterkünfte, solange innerhalb Europas dieser Krieg herrscht und sich jeden Tag aufs Neue viele tausend Menschen auf die Flucht in die Nachbarländer begeben müssen. Niemand weiß, wie viele das sein werden und wo sie Zuflucht suchen“, erklärt Thorsten Stolz. Die Nutzung der Hallen als Unterbringung für Geflüchtete bedeute zwar auf der einen Seite Einschränkungen, gerade für den Schulsport und die Vereine, die im Moment in Birstein, Bruchköbel, Hanau-Mittelbuchen, Langenselbold und eben auch in Wächtersbach ihre angestammte Halle nicht nutzen könnten. „Wir müssen aber kurzfristig in der Lage bleiben, vielen Menschen auf einmal eine Bleibe und eine Versorgung zu ermöglichen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen. Der Rückbau einer fertig eingerichteten und nutzbaren Notunterkunft ist im Moment noch nicht möglich.“

Die Inbetriebnahme der Wächtersbacher Unterkunft an der FAG-Schule wird in dieser und wahrscheinlich auch in der kommenden Woche jedoch nicht nötig sein. Wo es geht, nutzt der Main-Kinzig-Kreis bestehende Kapazitäten in den vier Hallen, die schon im Betrieb sind. Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) erinnert dabei neben der finanziellen Dimension an den nötigen Aufwand für die Hilfs-, Rettungsverbände und weiteren Ehrenamtlichen. „Es ist nicht sinnvoll, eine Halle nur halb zu belegen, wenn für die gleiche Zahl an Vertriebenen andernorts noch Platz ist. Denn auch eine halb belegte Halle erfordert den vollen Einsatz aller Beteiligten, bei der Ankunft, der Betreuung, der medizinischen Versorgung, der Beratung, und das eben für die Zeit ab dem Start“, so Simmler.

Die Vorbereitungen in der Wächtersbacher Schulsporthalle hatte der Main-Kinzig-Kreis mit dem Betreiber sowie vielen ehrenamtlichen Kräften schon in den Tagen vor Ostern abgeschlossen. Um den Zeitplan einzuhalten, musste die Halle sogar einige Tage vor den Osterferien bereits gesperrt werden. „Wir mussten anhand unserer Erfahrungen davon ausgehen, dass auch über die Osterzeit hinweg wöchentlich weit mehr als 200 Menschen neu in den Main-Kinzig-Kreis kommen, die vorher in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen untergebracht waren. Im Moment sind es etwa halb so viele Personen. Aber das könnte nur eine Momentaufnahme sein“, erläutert Susanne Simmler.

Den Rückgang bei der Zahl der neu Ankommenden führt der Main-Kinzig-Kreis unter anderem auf einen statistischen Ausgleichseffekt im System des Königsteiner Schlüssels zurück. „Im Main-Kinzig-Kreis und den vielen weiteren hessischen Kreisen wurden in den vergangenen Wochen große Kraftanstrengungen unternommen, um die Vertriebenen unterzubringen und zu versorgen“, sagt Landrat Thorsten Stolz. „Hessen hat da einen starken humanitären Beitrag geleistet, und das zeitweise über den Anteil hinaus, den das Bundesland qua Bevölkerungsanteil zu leisten hatte. Das kann sich natürlich in kurzer Zeit wieder verändern und ausgleichen. Die weitere Entwicklung hängt eben eng zusammen mit dem Fortgang des grausamen Angriffskriegs Russlands und wie viele Menschen ihre Heimat in der Ukraine verlassen müssen.“

Auch die Vermittlung von Personen aus den Notunterkünften in eine dauerhafte Unterkunft kommt voran und schafft Kapazitäten in den bestehenden Unterkünften. In den Tagen vor Ostern konnte der Main-Kinzig-Kreis beispielsweise den Umzug von gleich 90 Personen in Gemeinschaftseinrichtungen ermöglichen. In den vergangenen Wochen lag die Zahl der neu ankommenden Geflüchteten aber zumeist über der, die in Wohnungen weitervermittelt werden konnte. Gerade diese Tatsache machte den sukzessiven Aufbau der mittlerweile vier Notunterkünfte in Hallen nötig, plus einer fünften in Wächtersbach, die nun noch eine Weile im Stand-by-Modus verbleibt.


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