Analyse bestätigt: Hausärzte-Mangel im MKK wird stark zunehmen

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Die Sicherstellung der Versorgung durch HausärztInnen im Main-Kinzig-Kreis wird in den nächsten Jahren immer problematischer. Das ist das wenig überraschende Ergebnis einer Analyse der hausärztlichen Versorgung im Kreisgebiet. „Besonders in einigen ländlichen Kommunen ist die Versorgungssituation bereits heute nicht ausreichend und wird sich in den nächsten zehn Jahren deutlich verschlechtern“, heißt es in dem Bericht, der dem Kreistag vorgelegt wurde.

ÄrztInnen, die aktuell in Einzelpraxen tätig sind, haben demnach die größten Sorgen, keine NachfolgerInnen zu finden. Diejenigen, die in ländlichen Regionen, also in Kommunen unter 20.000 Einwohner ihre Praxis haben, gaben häufig an, dass der Standort für die Suche nach NachfolgerInnen nachteilig sei. Im Rahmen einer kreisweiten Analyse wurden alle HausärztInnen im Zeitraum von September 2020 bis Mai 2021 zur Ist-Situation der Versorgung sowie zu den persönlichen Vorstellungen und Perspektiven in Bezug auf Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung befragt. Ziele der Analyse waren einen Überblick über die Versorgungssituation auf kleinräumiger Ebene zu erhalten, bevorstehende regionale Versorgungsengpässe zu identifizieren und zukünftige Entwicklungsperspektiven abzuleiten. 175 HausärztInnen haben an der Befragung teilgenommen. Dies entspricht einer Teilnahmequote von 68 Prozent.

Die meisten HausärztInnen arbeiten in Vollzeit, im Durchschnitt etwa 52 Stunden pro Woche. Etwas mehr als 40 Prozent arbeiten in einer Einzelpraxis und fast genauso viele HausärztInnen in einer Kooperationsform. 70 Prozent der HausärztInnen sind 50 Jahre oder älter. Im Durchschnitt sind die HausärztInnen 54 Jahre alt, wobei es ortsbedingt deutliche Unterschiede gibt. Im Bereich Bad Orb sind die HausärztInnen am ältesten, im Bereich Bad Soden-Salmünster/Wächtersbach am jüngsten. In den nächsten drei Jahren werden 25 HausärztInnen und in den nächsten vier bis zehn Jahren 59 HausärztInnen ihre Tätigkeiten aufgeben.

Laut Analyse ist es zu erwarten, dass fast 50 Prozent der Befragten in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Besonders im Bereich Schlüchtern sowie Bad Orb werden die meisten HausärztInnen ihre Tätigkeit in den nächsten zehn Jahren aufgeben. Die meisten ÄrztInnen schätzen die Schwierigkeit als hoch ein, NachfolgerInnen zu finden. Jedoch sehen nicht in allen Kommunen die HausärztInnen die Versorgung als gefährdet an. Zu den Hinderungsgründen NachfolgerInnen zu finden, nannten die HausärztInnen überwiegend das Unternehmertum und die fehlende Bereitschaft in Selbständigkeit zu arbeiten. Auch Gründe wie zunehmende Arbeitsbelastung, die Bürokratie oder die fehlende Attraktivität einer Einzelpraxis sowie allgemeine Standortfaktoren sahen die Befragten bei der Suche nach NachfolgerInnen als hinderlich an.

Insgesamt ist die Bereitschaft zu Veränderungen da, um die Versorgung sicherzustellen, variiert jedoch in Abhängigkeit vom jeweiligen Vorhaben. Kooperationsformen einzugehen, wie Berufsausübungsgemeinschaften, Praxisgemeinschaften oder Medizinische Versorgungszentren, können sich etwas mehr als 50 Prozent der Befragten vorstellen, genauso wie die Nutzung von digitalen Anwendungen. Über 60 Prozent können sich vorstellen, weitere ÄrztInnen anzustellen oder mithilfe von
Delegation an nicht-ärztliches Personal entlastet zu werden. Jedoch beschäftigen etwas weniger als die Hälfte der HausärztInnen Nicht-ärztliche PraxisassistentInnen (=Näpas). Etwas mehr als 30 Prozent können sich sogar vorstellen, in Anstellung zu arbeiten, eine Zweigpraxis zu gründen, die eigenen Räumlichkeiten umzubauen oder in ein Ärztehaus umzuziehen, um NachfolgerInnen zu finden. Bei der Suche nach NachfolgerInnen halten über 70 % der Befragten das Engagement im Bereich der Weiterbildung als geeignet. Jedoch hatten im Befragungszeitraum nur wenige HausärztInnen angegeben, WeiterbildungsassistentInnen zu beschäftigen.

„Die hohe Teilnahmequote verdeutlich, dass die Sicherstellung der Versorgung den HausärztInnen sehr wichtig, das Problembewusstsein vorhanden ist und ein hoher Handlungsdruck besteht, die Versorgung langfristig aufrecht zu erhalten. Es besteht die Bereitschaft, alternative Versorgungsformen einzugehen. Daher sollte der Main-Kinzig-Kreis dabei unterstützen, gemeinsam mit den ÄrztInnen die Gesundheitsversorgungsstrukturen aufzubauen, die geeignet sind, neue ÄrztInnen für den Main-Kinzig-Kreis zu gewinnen“, heißt es in der Zusammenfassung der Analyse.

Die Ergebnisse der Analyse sollen nun Grundlagen für die strategische Ausrichtung der weiteren Tätigkeit der Koordinationsstelle für die ärztliche Versorgung beim Main-Kinzig-Kreis sein. So wurden aus der Befragung folgende vier Handlungsfelder definiert, in denen zukünftig konkrete Handlungsempfehlungen und Folgeprojekte angestoßen werden sollen: Nachwuchsförderung, Attraktive Arbeitsbedingungen für junge ÄrztInnen, Innovative Versorgungsstrukturen und Strategien, um den steigenden Versorgungsaufwand zu begegnen. Das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr mit der Fachstelle „Koordination für die ärztliche Versorgung“ wird dazu das Institut für Allgemeinmedizin sowie die Firma Quaestio beauftragen, bei der Erarbeitung geeigneter Vorgehensweisen in allen vier Handlungsfeldern zu beraten und bei der Umsetzung von Gesprächsforen mit der Ärzteschaft zu unterstützen. Es liegt ein Angebot des Instituts für Allgemeinmedizin für Beratungsleistungen im Projektzeitraum Juli 2022 bis Juli 2023 vor. Die Kosten belaufen sich auf circa 13.000 Euro. Weitere Kosten sind von der Firma Quaestio für die Durchführung von Gesprächsforen mit ÄrztInnen zu erwarten. Hierzu liegt noch kein Angebot vor, wird jedoch im weiteren Verlauf bei Bedarf eingeholt. Insgesamt werden bis Juli 2023 voraussichtlich Kosten in Höhe von 25.000 € netto erwartet. Die hierfür erforderlichen Finanzmittel sind im laufenden Haushalt 2022 eingestellt und für den Doppelhaushalt 2023/24 angemeldet.


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