Todesmarsch: Ort der Erinnerung gefordert

Politik
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Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Main-Kinzig, Horst Koch-Panzner, im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ hielt Franz Coy, Lokalhistoriker aus Gelnhausen, vor kurzem den Vortrag mit dem Titel „Ein fast unbekanntes Verbrechen“, der den Todesmarsch der Zwangsarbeiter der Adlerwerke von Frankfurt durch das Kinzigtal über Fulda nach Hünfeld zum Gegenstand hatte.

In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 begann für die letzten etwa 350 Häftlinge des KZ Katzbach in den Adlerwerken ein Marsch, den nur 50 von ihnen überlebten. Ende August 1944 war in den Frankfurter Adlerwerken ein Konzentrationsaußenlager eingerichtet worden, in dem insgesamt 1616 Häftlinge Halbkettenfahrzeuge und andere Rüstungsgüter herstellten. Mit dem unaufhaltsamen Vorrücken der US-Armee wurde das Lager in mehreren Etappen aufgelöst. Am Ende stand der hier vorgestellte Todesmarsch, der zunächst im KZ Buchenwald endete.

Drei Erzählstränge strukturierten den Vortrag. Der Todesmarsch, ein kaum vorstellbarer Leidensweg, wurde mit den Worten überlebender KZ-Häftlinge – Widerstandskämpfer aus Warschau – in sehr eindrucksvoller Sprache dargestellt. Die Ergänzung dieser Erzählung um nüchterne Fakten wie Strecke, Opfer, Zahlen basierte auf zahlreichen Dokumenten, denn abgesehen von den nur notdürftig verscharrten Leichen am Straßenrand sind fast keine Spuren überkommen. Der Umgang mit dem Verbrechen auf offener Straße mündete im privaten Vergessen und im öffentlichen Verschweigen bzw. Verschleiern durch den Landrat und bei Einrichtung des Kriegsgräberfriedhofs in Schlüchtern auch des Regierungspräsidenten.
Dieses Verhalten führte dazu, dass die Verbrechen, die zwischen dem 24. und 29. März 1945 entlang der R40 und der R27 über 70 Menschen das Leben gekostet haben, fast in totale Vergessenheit gerieten. 

"Bei den Zuhörern stieß der Vortrag auf hohes Interesse, was zu einem intensiven einstündigen Gespräch im Anschluss führte. Darin wurde weiteres Informationsbedürfnis befriedigt, Unverständnis über das gerade dargestellte Verhalten geäußert aber auch Interesse an den Reaktionen bei den aktuellen Forschungen gezeigt. Dieser Abend machte auf die Teilnehmenden offensichtlich tiefen Eindruck und hat zum Weiterdenken über den Umgang mit unserer Vergangenheit angeregt. Wir würden uns freuen, wenn der Main-Kinzig-Kreis die Thematik aufnehmen würde und einen Ort der Erinnerung möglich machen würde", so Horst Koch-Panzner abschließend.


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