Kulturpreis 2022: Arbeiten strahlen weit über Main-Kinzig-Kreis hinaus

Von links: Jury-Vorsitzende Ingrid Sonntag-Ramirez-Ponce, Andrea Sandow, Leiterin Fachbereich Kultur, Beate Funck, Stadtverordnetenvorsteherin Hanau sowie vom Theater der Vielfalt Annalena Lins, Christian Buschmann, Lena May und Florian Hofmann sowie Landrat Thorsten Stolz.

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Sie alle sind Leuchttürme in unserer Kulturlandschaft, sie alle strahlen weit über den Main-Kinzig-Kreis hinaus: Die Kulturpreisträger des Main-Kinzig-Kreises für 2022 haben ihre Auszeichnungen erhalten: Landrat Thorsten Stolz (SPD) überreichte die Pokale während einer Feierstunde im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums. Die Künstler Professor Thomas Bayrle (Frankfurt) und Michael Millard (Mainz) sind die diesjährigen Kulturpreisträger.

Das Theater der Vielfalt (Hanau) erhielt den Nachwuchsförderpreis. Marlies und Klaus Keßler wurden für ihr Engagement für das Kulturgut der Waechtersbacher Keramik und den Aufbau des Keramikmuseums mit dem Sonderpreis des Kreises gewürdigt – wenige Tage vor dem Tod des 87-Jährigen. Stellvertretend für das Ehepaar nahm Ludwig Naumann die Würdigung entgegen.

„Es ist mir eine besondere Freude, Kunst- und Kulturschaffende zu würdigen, die sich in besonderer Weise im kulturellen Bereich engagieren und die mit ihrer Arbeit weit über den Main-Kinzig-Kreis hinaus Beachtung finden und viel für die Kulturlandschaft in unserem Kreis tun“, sagte Landrat Stolz. Der Kulturpreis wird seit 1977 vergeben, als Zeichen des Dankes, der Anerkennung und des Respekts. Der Kulturpreis-Jury sei die diesjährige Auswahl nicht leichtgefallen, es standen 23 Vorschläge zur Entscheidung. In kleinen Filmen würdigten die Laudatoren und Mitglieder der Jury  – die Künstlerin Ingrid Sonntag-Ramirez-Ponce (Thomas Bayrle), Harry Wenz, Leiter der Musikschule Main-Kinzig (Michael Millard), Jakob Mähler, Kreistagsmitglied der Grünen (Theater der Vielfalt) und Landrat Thorsten Stolz (Marlies und Klaus Keßler) die Geehrten.

Professor Thomas Bayrle wurde 1937 in Berlin geboren und lebt in Frankfurt. Seine Kindheit und Jugend verlebte er im Main-Kinzig-Kreis, im Jossgrund. Diese Zeit hat ihn künstlerisch immer wieder beschäftigt und auch geprägt. Er ist einer der namhaftesten deutschen Objektkünstler, Maler, Grafiker und Videokünstler. Nach seiner Lehre zum Musterzeichner und Weber studierte er an der Werkkunstschule Offenbach, Schwerpunkt Druckgrafik. Seinem Studium schlossen sich beeindruckende Ausstellungen an, so nahm er mehrfach an der documenta in Kassel teil. Auch die Sammlung des Städel-Museums in Frankfurt beherbergt Werke von ihm. Ab 1972 war Thomas Bayrle als Professor tätig an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main. Mit seiner Mutter und den Geschwistern war er 1940 in den Jossgrund evakuiert worden. Bayrle hat insbesondere in den vergangenen Jahren auf den Jossgrund als eine der Hauptquellen seiner künstlerischen Entwicklung verwiesen. Immer wieder war er im Verlauf seines Lebens dort, um Inspirationen zu bekommen und Erinnerungen aufzufrischen. Der Main-Kinzig-Kreis und seine Landschaft wird durch ihn einer größeren Öffentlichkeit näher gebracht.

Der Musiker Michael Millard, geboren 1959 in Leeds, kam 1987 aus England nach Bad Orb zur ersten Produktion der dortigen Opernakademie: „Die Hochzeit des Figaro“. Von der Konzerthalle und den vorhandenen Möglichkeiten für die Mitwirkenden war er von Anfang an begeistert und vom Wunsch beseelt, sich einzubringen. Davor war er musikalischer Leiter des renommierten Mayer-Lismann-Opern-Studios in London. Direkt nach der ersten Opern-Produktion in Bad Orb fing er als Pianist und Dirigent am Mainzer Staatstheater an, wo er immer noch tätig ist. Im Jahr 1998 kam er  zu Lortzings „Wildschütz“ erneut nach Bad Orb, dieses Mal als musikalischer Leiter der Opernakademie in Zusammenarbeit mit Regisseur Carlos Krause. Mit ihm baute Millard die Opernakademie zu einer weltbekannten Institution auf. Insgesamt 24 Jahre lang hat er, der mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, mit Leidenschaft seinen Jahresurlaub für die musikalischen Projekte der Opernakademie investiert. Ihm ging es stets darum, Musikstücke auf die Bühne zu bringen, die das Publikum wirklich ansprechen. Millard hat wesentlichen Anteil daran, dass die Opernakademie europa- beziehungsweise weltweit bekannt zu machen, denn die Bewerbungen kommen aus allen Ländern der Welt.

Das Theater der Vielfalt aus Hanau wurde von jungen Menschen gegründet - als Reaktion auf die Erfahrungen mit Ausgrenzung und Hass, insbesondere trugen dazu die Ereignisse vom rassistisch motivierten Amoklauf am 19. Februar 2020 in Hanau bei. Theater sehen sie als Mittel der Verständigung und Auseinandersetzung. Die jungen Akteure und Akteurinnen verstehen sich als Darstellende und Multiplikatoren, deren gemeinsame künstlerische Arbeit darin besteht, verschiedene Ansätze und Aktivitäten zusammenzuführen und einen Raum für künstlerische Arbeit zu schaffen. Ausdrücklich wird zur Reflexion und kritischen Auseinandersetzung aufgefordert.

Das Ehepaar Marlies und Klaus Keßler hat 1993 ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus mit Scheune in Brachttal-Streitberg in der Nähe der Wächtersbacher Keramikfabrik gekauft und fachgerecht restauriert. In dem alten Silo haben sie ein privates Museum eingerichtet, um einmalige Kollektionen der Wächtersbacher Keramik zeigen zu können. Seit dieser Zeit ist das Lindenhofmuseum ein Ort umfangreicher Keramikausstellungen und damit auch ein Stück Heimatgeschichte, das weit über den Main-Kinzig-Kreis hinaus Beachtung findet. Marlies und Klaus Keßler haben mit ihrem Lebenswerk einen vielbeachteten Leuchtturm im Main-Kinzig-Kreis geschaffen. Ihre Leidenschaft für die Geschichte der Steingutfabrik und ihr Verantwortungsgefühl, das eigene Wissen und die private Sammlung öffentlich zugänglich zu machen, sprechen für ein herausragendes Engagement auch in kultureller Hinsicht. Die in Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung ist in Umfang, Größe und vor allem Qualität ohne Vergleich. Nur im Lindenhof Keramik-Museum sind Einzelstücke zu sehen, die bereits im 19. Jahrhundert international auf den Weltausstellungen in Chicago, St. Louis, Paris und London gezeigt wurden. Landrat Thorsten Stolz würdigte die kulturelle Leistung des Ehepaars, das den Preis nicht selbst entgegennehmen konnte, sich jedoch sehr über diese Auszeichnung freute und dies auch als Anerkennung ihrer Arbeit verstand. Klaus Keßler ist wenige Tage nach der Preisverleihung nach schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben.

Für die Organisation des Abends dankte Thorsten Stolz dem Fachbereich Kultur im Amt für Kultur, Sport, Ehrenamt und Regionalgeschichte. Er würdigte auch das Engagement der Sparkassen-Kulturstiftungen der Sparkassen in Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern, die wieder insgesamt 15.000 Euro zur Verfügung gestellt haben. „Ohne sie wäre es nicht möglich, unsere Kunst- und Kulturschaffenden in dieser Weise für das große Engagement, das Herzblut und die Leidenschaft, die sie in ihre Arbeit fließen lassen, zu würdigen“, sagte der Landrat. Der Kulturpreis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert, der Nachwuchsförderpreis mit 2.000 Euro und 3.000 Euro entfallen auf den Sonderpreis.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte einer der Preisträger selbst: Zusammen mit der Mezzosopranistin Karina Repova präsentierte Michael Millard am Piano Stücke von Georges Bizet die Carmen-Arie Séguedille „Près des remparts de Séville“ und von Franz Lehár die Giuditta-Arie „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ - zur großen Freude des Publikums.

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Von links: Bürgermeister Rainer Schreiber (Jossgrund), Landrat Thorsten Stolz, Kulturpreisträger Thomas Bayrle, Jury-Vorsitzende Ingrid Sonntag-Ramirez-Ponce und Andrea Sandow, Leiterin Fachbereich Kultur.

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Von links: Landrat Thorsten Stolz, Kulturpreisträger Michael Millard, Andrea Sandow, Leiterin Fachbereich Kultur, Bürgermeister Tobias Weisbecker (Bad Orb) und Ingrid Sonntag-Ramirez-Ponce, Vorsitzende Kulturpreis-Jury.

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Von links: Jury-Vorsitzende Ingrid Sonntag-Ramirez-Ponce, Andrea Sandow, Leiterin Fachbereich Kultur, Beate Funck, Stadtverordnetenvorsteherin Hanau sowie vom Theater der Vielfalt Annalena Lins, Christian Buschmann, Lena May und Florian Hofmann sowie Landrat Thorsten Stolz.

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Von links: Bürgermeister Wolfram Zimmer (Brachttal), Ludwig Naumann, der den Preis stellvertretend für das Ehepaar Marlies und Klaus Keßler in Empfang nahm, Landrat Thorsten Stolz, Andrea Sandow, Leiterin Fachbereich Kultur, und Jury-Vorsitzende Ingrid Sonntag-Ramirez-Ponce.


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