Am 27. März feiert die Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ ihren fünften Geburtstag. Für ihr bisheriges Wirken für eine vernünftige Energiepolitik und gegen die Erweiterung des Kohlekraftwerks in Großkrotzenburg erhielt die engagierte Vereinigung jetzt den Umweltpreis 2011 des Main-Kinzig-Kreises.
Kreisbeigeordneter Matthias Zach überreichte die Auszeichnung stellvertretend für Landrat Erich Pipa am Donnerstagabend (1. März) in der Hanauer Reinhardskirche an den Sprecher der Gruppe, Winfried Schwab-Posselt. In seiner Rede ging Zach unter anderem auf die vor 40 Jahren gestartete internationale Umweltpolitik ein. Mit der ersten Umweltkonferenz der Vereinten Nationen 1972 in Stockholm sei ein entscheidender Prozess eingeleitet worden. Es wuchs die Erkenntnis in weiten teilen der Bevölkerung, dass mit den natürlichen Ressourcen Luft, Wasser, Boden sowie mit den Rohstoffreserven nicht wie bisher sorglos umgegangen werden könne.
„Doch trotz der bisherigen Erfolge bleibt festzustellen, dass die Stickstoffdioxid- und Feinstaubimmissionen nicht spürbar abgenommen haben“, betonte der Kreisbeigeordnete. Und auch das Ozonloch über der Antarktis und die globale Erwärmung mit „Jahrhundertwetterereignissen“ seien klare Signale, dass weitere Anstrengungen erforderlich seien, um für nachfolgende Generationen eine lebenswerte Umwelt zu schaffen und zu erhalten.
Dieser Aufgabe habe sich die Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ gestellt. Und zwar schon lange vor der Umweltkatastrophe rund um die Atomanlage von Fukushima und die folgende Energiewende. „Hierfür gebührt der Bürgerinitiative unser aller Dank und Anerkennung, die mit der Überreichung des diesjährigen Umweltpreises zum Ausdruck kommen soll“, sagte Zach unter dem Beifall der zahlreichen Gäste. Hinter der Bewegung stehe die grundsätzliche Erkenntnis, dass ein Festhalten an Kohle- und Atomstrom den zügigen, ökologisch notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien behindere.
Hinzu komme die begründete Befürchtung, dass ein kohlebefeuerter Block 6 die bisherigen Erfolge zur Luftreinhaltung im Ballungsraum Rhein-Main zunichte machen würden. Vor diesem Hintergrund organisierten sich 2007 etwa 150 Bürgerinnen und Bürger zur Initiative „Stopp Staudinger“, schilderte Zach die Anfänge der breit angelegten Protestbewegung.
Mit zahlreichen kreativen Aktionen habe die Gruppe ihre Position deutlich gemacht. Dazu gehörte das Fangen vergifteter Fische anlässlich des wasserrechtlichen Erörterungsverfahrens. Es gab eine Unterschriftensammlung mit über 30.000 Unterzeichnern, Beteiligung an Großdemonstrationen, Organisation von Protestkundgebungen sowie ungezählte Infostände und Presseartikel zur Schädlichkeit der Ausbaupläne. Neben der Auseinandersetzung mit Betreibern, Politik und Behörden gab es die formalen Einwände sowie die Beteiligung an Erörterungsterminen.
Wie Zach deutlich machte, sei diese aufwändige Arbeit für ehrenamtlich engagierte Menschen nebenbei eigentlich kaum zu leisten. Zudem stehe auf der anderen Seite ein Großkonzern, der über enormen Einfluss und eine gut ausgestattete PR-Maschinerie verfüge. Dennoch fand die Bürgerinitiative Stopp Staudinger noch die Zeit, sich auch an Demonstrationen gegen Fluglärm und zum Atomausstieg zu beteiligen. Außerdem habe die Gruppe keine Berührungsängste gezeigt und zahlreiche prominente Politiker mit ihrem Anliegen konfrontiert.
Besonders beeindruckend zeigte sich der Kreisbeigeordnete von der Kooperation mit kolumbianischen Kohlearbeitern. Die Bürgerinitiative hatte zwei südamerikanische Gewerkschaftsvertreter eingeladen, um auf die schlechten sozialen und ökologisch negativen Umstände hinzuweisen. Denn im Kraftwerk Staudinger wird ausschließlich die Kohle aus dem Land verfeuert.
Sämtliche Anstrengungen haben offensichtlich ein Umdenken beim Kraftwerksbetreiber EON eingeleitet. „Ohne unseren Widerstand wäre dort schon das Richtfest für den neuen Block gefiert worden“, ist Winfried Schwab-Posselt überzeugt. Der Sprecher der Initiative erwartet noch bis zum Sommer ein klares Signal, wie es am Standort weiter gehen wird. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass der Stromkonzern dieses Bauprojekt nicht weiter verfolgen werde, zeigte er sich in seiner Dankesrede optimistisch.
Abschließend durfte er sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern nicht nur über die 2.500 Euro des Main-Kinzig-Kreises freuen, sondern auch noch über Grußworte der Stadt Hanau sowie mehrerer befreundeter Umweltorganisationen und Initiativen.