Volker Kauder: „Wir sind keine christliche Partei...“

Politik

Die beste Geschichte hat sich Volker Kauder für den Schluss aufgehoben. „Wir sind keine christliche Partei, wir machen Politik auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes“, erzählt der CDU/CSU-Fraktionschef im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, von einem gemeinsamen Besuch mit Angela Merkel bei Kardinal Ratzinger in Rom, der später Papst Benedikt wurde.

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Während in der Heiligen Stadt die Begrüßung vor einigen Jahren scheinbar noch relativ frostig ausfiel, zieht Kauder die über 100 Zuhörer in der Kirche des Nazareners in Gelnhausen schnell in seinen Bann. Der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Tauber hatte „seinen“ Fraktionschef bereits vor einem Jahr eingeladen, nach dem dieser das Buch „Verfolgte Christen: Einsatz für die Religionsfreiheit“ veröffentlicht hatte. „Bei diesem Thema gilt es, die Stimme zu erheben, auch wenn es mal unbequem ist“, hat sich inzwischen auch Tauber der Aufklärung über die weltweite Christenverfolgung angenommen.

Schon nach der Begrüßung durch Tauber, den CDU-Landtagskandidaten Michael Reul und Pastor Hans-Günter Mohn als Hausherr wird deutlich, dass Volker Kauder seine Qualitäten als Bundespolitiker mit in die Barbarossastadt gebracht hat. Fast eine Stunde lang spricht der 63-jährige ohne Manuskript über die Christenverfolgung und die Situation in vielen Ländern. Und den Wahlkampf vergisst er dabei dennoch nicht: „Wir brauchen so junge Männer wie sie für unsere Arbeit“, hat sich für Tauber schon nach diesem Satz die Einladung von Kauder gelohnt.

Aber zurück nach Rom und zum Besuch bei Ratzinger: „Der hat gleich den ganzen Eimer über uns ausgeschüttet“, seien er und Merkel, damals noch nicht Kanzlerin, heftig kritisiert worden, weil sie das „C“ in ihrem Parteinamen nicht mehr pflegen würden. Aber der künftige Papst biss sich beim gläubigen Protestanten die Zähne aus: „Ich habe ihm gesagt, dass ich einst an einem Marktstand in die Fänge der Jungen Union geraten bin und die erst mal aus mir einen Christ gemacht haben“, sei diese Kritik bei den Kirchenvertretern in der Heiligen Stadt angekommen. Kauder: „Wir sind keine Religionsgemeinschaft, wir sind eine Partei. Wenn die Kirche keine Christen mehr produziert, dann haben wir auch keine mehr. Wir machen in der CDU niemanden zum Christen.“ Und man muss es Kauder einfach glauben, dass es auch Ratzinger von ihm genau so erklärt bekommen hat.

In seinem umfangreichen Buch über die Christenverfolgung spart der gebürtige Hoffenheimer ebenfalls nicht mit Kritik und stellt dabei sogar die eigene Politik in Frage, wenn es um die Abwägung zwischen Interessenvertretung und Menschenrechten gehe. „Da kommen sie in eine Situation, in der sie wissen, dass sie schuldig werden“, sei dies beispielsweise im Fall von Saudi-Arabien nicht zu vermeiden, wenn diese trotz der Christenverfolgung im Land unterstützt werden, um in der Region ein Gegenpol zum Iran zu bilden. Besonders dramatisch sei die Situation für die Christen auch in Nordkorea und im afrikanischen Eritrea. Einladungen von dort hat Kauder bislang ausgeschlagen, „weil ich dort mit den Betroffenen entweder nicht reden kann oder darf“.

Verantwortlich für die Christenverfolgung in den meisten Ländern seien die Muslime, die Überleitung zum angestrebten Beitritt der Türkei zur Europäischen Union fällt Kauder daher nicht schwer: „Wir verlangen gar nicht viel: So wie die Muslime in Deutschland ihre Moscheen bauen können, solle die Christen in der Türkei Kirchen bauen dürfen.“ Ein Land mit dem Islam als Staatsreligion in der „Werte- und Schicksalsgemeinschaft Europa“ lehnt er daher weiterhin ab, die Anhänger dieser Religion seien in Deutschland dagegen willkommen. Kauder: „Die Muslime gehören zu Deutschland, so wäre das Satz von Wulff damals richtig gewesen.“

Und da er gerne die Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, scheut er auch vor weiteren markanten Aussagen nicht zurück: „Es gibt kein Land auf der Erde, in dem Muslime oder andere Religionsgruppen von Christen verfolgt werden. Das muss auch ausgesprochen werden dürfen.“ Oder dieser Art: „Die Religionsfreiheit ist das bedeutendste und wichtigste Menschenrecht überhaupt und steht sogar noch über der Freiheit. Denn überall dort, wo es keine Religionsfreiheit gibt, gibt es auch keine Freiheit.“ Und noch einmal Kauder zum Dritten: „Das Unglück im Dritten Reich hat auch damit begonnen, weil man Gott immer mehr aus der Mitte der Gesellschaft verdrängt hat.“

Aber so ganz ohne kernige Wahlkampfaussage wollte er dann doch nicht Gelnhausen verlassen und knüpfte sich den Vorschlag der Grünen vor, einen fleischlosen Tag in den deutschen Kantinen einzuführen. „Ich bin es leid, dass die Politiker ständig für erwachsene Menschen Erziehungsregeln aufstellen“, gab’s dafür eine klare Absage. Kauder unmissverständlich: „Die Grünen sollen sich von meinem Esstisch fernhalten!“ Ob dies auch für den Koalitionstisch gilt, wird sich nach der Wahl am 22. September zeigen.

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