Zach: Hochwasserschutz eine Daueraufgabe im MKK

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Ein Foto von Gelnhausen aus dem Jahr 1924 begrüßte die Teilnehmer der Fachkonferenz „Hochwasserschutz in Hessen“ in der Stadthalle.

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fachwasserfachwasser1fachwasser2fachwasser3Allerdings wurde auf der großen Leinwand nicht die idyllische Altstadt gezeigt, sondern eine unter Wasser stehende Burg in der Barbarossastadt. 90 Jahre sind seitdem vergangen, nasse Füße bekamen die Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt auch danach immer wieder. „Hochwasserschutz ist eine Daueraufgabe für den Main-Kinzig-Kreis“, erklärte der Kreisbeigeordnete Matthias Zach den Experten, die über neue Möglichkeiten diskutierten, um vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen in Zukunft zu verhindern. Darunter war auch ein Vertreter der Landesverwaltung Sachsen, der über die Erfahrungen mit dem Jahrhundert-Hochwasser an der Elbe berichtete.

Eröffnet wurde die Fachtagung von Hessens Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser. „Die hessische Landesregierung nimmt den Hochwasserschutz sehr ernst: Im Umweltministerium ist deshalb der Hochwasserschutz von den Einsparungsbemühungen der letzten Jahre fast völlig ausgeklammert worden“, versicherte sie, dass das Land alle Hochwasserschutzmaßnahmen umsetze, die finanziell möglich sind. Jährlich würden zirka 23 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Neben den jährlich zehn Millionen Euro für die Sanierung der zirka 120 Kilometer Winterdeiche des Landes Hessen an Rhein und Main fallen auch auf den Bereich der Förderung des kommunalen Hochwasserschutzes etwa zehn Millionen Euro Landesmitteln jährlich an.

Dr. Tappeser führte aus, dass derzeit zukunftsweisende Hochwasserschutzkonzepte aufgestellt werden, in denen sowohl die Renaturierung ihren Platz habe, aber auch technischer Hochwasserschutz Berücksichtigung findet. Dort, wo hochwertige menschliche Nutzung von Überflutung bedroht sei, müsse der natürliche Rückhalt in der Landschaft durch technische Maßnahmen unterstützt werden. Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes, also vor allem Talsperren und andere technische Rückhalte, hätten in den vergangenen Jahren eine geringer werdende Bedeutung eingenommen. „Aber sie sind außerordentlich wirksam. Und ich bin davon überzeugt, dass diese Wirksamkeit auch dazu führen wird, dass Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes ihren Platz in den Hochwasserschutzkonzepten weiterhin finden werden“, erläuterte Dr. Tappeser. Die Staatssekretärin forderte die Kommunen und Wasserverbände auf, sowohl Unterstützung in finanzieller wie auch planerischer Hinsicht zu leisten. „Die Zuschüsse des Landes zur Unterstützung Ihrer Aktivitäten stehen bereit“, sagte Dr. Tappeser. Derzeit würden zirka 100 Finanzierungsanmeldungen von Kommunen und Wasserverbänden mit einem Baukostenvolumen von 130 Millionen Euro vorliegen. „Weit über die Hälfte dieser Summe wird das Land tragen. Dies ist gerade in einer Zeit knapper Finanzmittel viel Geld. Ich bin aber sicher, dass dieses Geld für den Hochwasserschutz sinnvoll ausgegeben wird“, führte die Staatssekretärin abschließend aus.

Im Main-Kinzig-Kreis sind derzeit drei Bauvorhaben in Planungen: Die Rückhaltebecken in Bad Soden-Salmünster an der Salz, in Birstein an der Bracht (Lahnemühle) und in Wächtersbach-Weilers, ebenfalls an der Bracht, wurde bereits 2007 als hessische Pilotprojekte ausgewählt. Die so genannten „grünen Rückhaltebecken“ sollen das Hochwasserrisiko um bis 70 Prozent senken. Details der Planungen stellte der Geschäftsführer des Wasserverbandes Kinzig, Holger Scheffler, auf der Fachtagung vor. Die wiederkehrenden Überflutungen im Kinzigtal sowie in der Folge auch am Main haben ein regionales Hochwasserschutzkonzept erforderlich gemacht. Über mehrere Jahre wurden insgesamt zwölf geeignete Standorte an den Zuflüssen aus Vogelsberg und Spessart ermittelt. Die inzwischen ausgewählten drei Projekte befinden sich als vorrangige Maßnahmen nun in der konkreten Planungsphase. Im Gegensatz zur Kinzigtalsperre, die ständig einen gewissen Pegel hält, werden diese Stauseen nur bei Bedarf genutzt. In der übrigen Zeit stehen die Flächen als offene Wiesen und Auenlandschaft zur Verfügung. Die Aufnahme wird abhängig von den jeweiligen Wassermengen und Niederschlagsprognosen über die Zentrale beim Wasserverband Kinzig geregelt. Dabei kann die jeweilige Staumenge sehr genau bemessen werden. Nach bisherigen Hochrechnungen wird eine teilweise Nutzung dieser Rückhaltebecken mindestens einmal im Jahr notwendig sein. Mit Abklingen der Hochwassergefahr wird dann auch der behutsame Ablauf über die Zentrale gesteuert.


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