Sich stark verändernde Bevölkerungsstrukturen, Abwanderung und zunehmend leere Gebäude sind kein neues Phänomen in Deutschland.
Insbesondere die östlichen Bundesländer aber auch Regionen in Nordhessen müssen sich seit Jahren mit den zum Teil gravierenden Folgen des demografischen Wandels beschäftigen. Doch auch in den ländlichen Gebieten des Main-Kinzig-Kreises sind die Aufgaben der Zukunft schon lange erkannt.
„Seit mehr als fünf Jahren diskutieren und entwickeln wir Ansätze und Konzepte, um trotz der negativen Bevölkerungsentwicklung lebenswerte und attraktive Orte zu erhalten“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Dr. André Kavai. Mit der Teilnahme an dem bundesweiten Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge (MORO) bietet sich nun insbesondere für die Spessartgemeinden die hervorragende Chance, tragfähige regionale Zukunftsstrategien zu entwickeln.
Im Mittelpunkt stehen die Themen „Wohnortnahe Grundversorgung“, „Verkehr und Mobilität“ sowie „Entwicklung der Ortskerne“. Damit setzt der Verband SPESSARTregional seine grundlegende Arbeit der vergangenen zwei Jahren fort. So wurde ermittelt, dass die Versorgung der einzelnen Ortsteile mit medizinischen Leistungen sowie mit Waren des täglichen Bedarfs zentrale Schwerpunkte sind. Darüber hinaus bedeute die Erhaltung lebendiger Ortskerne eine große Herausforderung, da in vielen Dörfern ein hoher Anteil leer stehender Gebäude zu verzeichnen oder zu erwarten sei.
„Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung sind die Akteure nun engagiert in das Aktionsprogramm eingestiegen“, berichtet Kavai. Ein ehrgeiziger Plan liegt vor den drei Arbeitsgruppen. Bis Herbst 2013 wollen sie in den Bereichen „Wohnortnahe Grundversorgung“, „Verkehr und Mobilität“ sowie „Siedlung und Wohnen“ die dringlichsten Handlungsbedarfe ermitteln und wirksame Konzepte entwickeln. Ziel ist die langfristige Stärkung der Region.
Wie wichtig das Thema Sicherung der Daseinsvorsorge für die ländliche Spessartregion ist, spiegelt sich in der breiten Zusammensetzung der Arbeitsgruppen wieder: Vertreter der Kommunalverwaltungen, der Fachabteilungen, der verschiedenen Versorgungsanbieter sowie auch interessierte Bürger haben sich zusammengefunden. Geleitet werden die Arbeitsgruppen von Regionalmanagerin Sabine Jennert (Wohnortnahe Grundversorgung), dem Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig Volker Rahm (Verkehr und Mobilität) sowie Manfred Geis vom Amt für Umwelt, Naturschutz und Ländlicher Raum (Siedlung und Wohnen).
Die Arbeitsgruppen sollen Raum bieten, auch unkonventionelle Ideen aussprechen und durchspielen zu können. „Bei dem Aktionsprogramm handelt es sich um einen kreativen Prozess“, beschreibt Nicola von Kutzleben vom Institut für ländliche Strukturforschung (IfLS) das Modellvorhaben. Das Institut begleitet die regionalen Akteure bei ihrem Prozess und moderiert die drei Arbeitsgruppen. Aber bei Ideen allein wollen es die Beteiligten innerhalb der nächsten 20 Monate nicht belassen. Die konkreten Anpassungsstrategien sollen gezielt auf ihre Auswirkungen hin untersucht werden.
„Wir brauchen angepasste und wirksame Handlungskonzepte“, formuliert Kavai das vorrangige Ziel. Dafür werde im Rahmen des Aktionsprogrammes unter anderem ein kleinräumiges Bevölkerungsmodell für die im Jahr 2030 prognostizierten Zahlen entwickelt. Weiterhin sollen auch Bedarfsanalysen und Kosten-Nutzen-Kalkulationen zum Einsatz kommen. Zur Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sind drei Regionalkonferenzen geplant, die erste wird am 20. November 2012 stattfinden. Aktuelle Informationen und Hintergründe gibt es auch unter www.spessartregional.de.
Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge als Modellvorhaben der Raumordnung (MORO)
Das Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge ist ein Modellvorhaben der Raumordnung (MORO). Mit ihm setzt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung einen Schwerpunkt innerhalb der „Initiative ländliche Infrastruktur“. Unterstützt werden ausgewählte Modellregionen in ländlichen Räumen, sich innovativ den infrastrukturellen Herausforderungen des demografischen Wandels zu stellen und mit einer Regionalstrategie die erforderlichen Infrastrukturanpassungen vorausschauend und kooperativ zu gestalten. Unter rund 150 Bewerbungen schaffte es SPESSARTregional zunächst in die zweite Runde von 50 Regionen. Anhand ihrer Konzepte wählte eine externe Jury letztlich 21 Modellregionen aus. Diese wurden bei der Starterkonferenz des Aktionsprogramms regionale Daseinsvorsorge Anfang Dezember in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet – in Hessen wurden weiterhin der Vogelsbergkreis sowie der Kreis Hersfeld-Rotenburg ausgewählt. Mit der Teilnahme an dem Modellvorhaben stehen SPESSARTregional Fördermittel in Höhe von 126.000 Euro zur Verfügung.
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