Den 8. Mai 1945 bezeichnete Kasseckert als den Tag, an dem eines der unbeschreiblichsten Grauen des 20. Jahrhunderts sein Ende fand. Die Bilanz dieser grausamen Zeitspanne deutscher Geschichte forderte von über 65 Millionen Menschen den Tod, gefallen an den Fronten des Krieges, ermordet in Konzentrations- und Vernichtungslagern, verbrannt in Bombennächten und gestorben an Hunger, Kälte und Gewalt, so Kasseckert in seiner Rede vor dem Landtag. „Wir Deutschen müssen uns auch heute noch moralisch bekennen, was in deutschem Namen mehr als 6 Millionen europäischen Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politisch Andersdenkenden und Homosexuellen angetan wurde“, sagte er und fügte hinzu, „wir schämen uns dafür und müssen die Erinnerung zur Mahnung und zum Andenken an die vielen Menschen, die unschuldig gestorben sind oder verfolgt wurden, aufrecht erhalten.“
Er betonte, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung von uns Deutschen aus der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft angesehen werden müsse und er in vielfacher Hinsicht eine Zäsur bedeutete. Kasseckert sprach von Untergang und Befreiung, vom Ende des Bösen, dem Tag der Ungewissheit, dem Tag der Hoffnung auf ein besseres Leben ohne Krieg und Leid und dem Beginn des Friedens in Europa. Es sei eine der größten Leistungen der europäischen Politik, dass sich nach den grausamen Kriegsjahren die Völker Europas die Hände zur Versöhnung gereicht haben. Dieser 70. Jahrestag des Kriegsendes sei daher auch ein Tag des Dankens an diejenigen, die Deutschland diese schwere Last und das Leid verziehen und uns ihre Hand zur Versöhnung ausgestreckt haben, betonte der Christdemokrat. Er bezeichnete es als eine besondere Leistung, dass Deutschland, herausgetreten aus dem Schatten der NS-Vergangenheit, in der Folgezeit viele geschichtliche Meilensteine erreichen konnte. Der Aufbau des zerbombten Deutschlands, die Bewältigung der schweren Nachkriegsjahre, das deutsche Wirtschaftswunder, das Ende des Kalten Krieges, der Fall der Mauer, das Ende der DDR und schließlich die deutsche Wiedervereinigung seien die großen Ereignisse der jüngeren Geschichte, auf die Deutschland auch mit Stolz zurückblicken könne. Zu verdanken sei dies der zurückhaltenden und auf Wiedergutmachung ausgerichteten Politik deutscher Regierungen auf den Grundlagen von Freiheit, Demokratie und Wahrung der Menschenrechte.
Als Kind einer Nachkriegsgeneration habe er die Gnade der späten Geburt und konnte in einer Zeit weit weg von den Grauen des Krieges und seiner Folgen aufwachsen. Es gebe aber nur noch wenige Zeitzeugen, die über den Krieg und seine Entstehung berichten können. Deshalb seien die Ausstellungen und Gedenkstätten wichtige Zeugnisse dieser nationalsozialistischen Irrwege und damit ein Beitrag gegen das Vergessen. „Meine Generation ist nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber wir sind für das verantwortlich, was in der Geschichte daraus wird“, sagte der CDU-Politiker in Anlehnung an die viel beachtete Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Für ihn erwachsen daraus die Aufgabe und die Verantwortung, die Jahrestage des Kriegsendes immer im Bewusstsein zu halten und auch künftigen Generationen diesen Teil deutscher Geschichte als ein moralisches Erbe zu übergeben. Dabei dürfe nicht nur das Kriegsende als Symbol für Flucht, Vertreibung und Armut stehen. Vielmehr müsse immer wieder auf die Ursache der Gewaltherrschaft, die mit dem 30. Januar 1933, dem Tag der Machtübergabe an Hitler, begann, aufmerksam gemacht werden. „Wir müssen verstehen, wie es zu einer solchen Gewaltherrschaft kommen konnte. Und wir müssen unsere Lehren daraus ziehen, dass es nie mehr so weit kommen darf“, mahnte Kasseckert. Dies bedeute die Unterstützung für die unter Krieg und Terror leidenden Völker und das entschiedene Eintreten gegen jegliche Form extremistischer und vor allem rechtsextremistischer Auswüchse, Radikalismus, Proteste und Gewalt gegenüber Asylbewerbern und Flüchtlingen im eigenen Land. Die Geschichte lehre und zwinge uns, so Kasseckert, aufmerksam und wehrhaft unsere Grundwerte und unsere Demokratie zu verteidigen.
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