"Größere Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis planen, aufgrund sinkender Gewinne oder durch zu hoch gesteckte Zielmargen, zum Teil massiv Arbeitsplätze abzubauen, insbesondere im Industriesektor. Beispielhaft seien hier die Vacuumschmelze und DeguDent in Hanau, KDK in Wächtersbach sowie Veritas in Gelnhausen genannt, die zusammengenommen bereits den Abbau von mehr als 700 Stellen planen. Uns bereiten diese Nachrichten große Sorge, weil wir die bisher gute wirtschaftliche Gesamtsituation im Main-Kinzig-Kreis für gefährdet erachten", erklärt Pipa.
Derzeit seien zirka 32.000 Menschen im Main-Kinzig-Kreis im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Mehr als jeder vierte Arbeitnehmer verdiene seinen Lebensunterhalt in der Industrie. "Viele der Menschen, die sich für einen entsprechenden Beruf entschieden haben, durchlaufen eine gute Ausbildung und bilden die Fachkräfte von morgen. Unsere niedrige Arbeitslosenquote von rund 4,9 Prozent im Monat Mai 2015 verdanken wir auch dem breiten Jobangebot für alle Bildungsniveaus. Wir befürchten nun nach den öffentlich gewordenen Sparplänen von Großunternehmern bei uns im Kreis und den schwächeren Konjunkturdaten aus dem ersten Quartal 2015, dass dieses breit gefächerte Angebot an Arbeitsstellen in Gefahr gerät. Vor allen Dingen häufen sich die Beispiele, in denen über die Köpfe der Angestellten hinweg und unter Missachtung von Gewerkschaften und Betriebsräten Entscheidungen von großer Tragweite getroffen werden, sowohl für die Arbeitnehmer als auch für den Firmenstandort und die gesamte Region", so der Landrat weiter.
"Um auch das klar zu sagen: Im Main-Kinzig-Kreis gibt es eine vielfältige Wirtschaftsstruktur mit zirka 30.000 Unternehmungen. Die überwiegende Mehrheit der Verantwortlichen dieser Unternehmen und Betriebe hat eine enge Bindung zu den Mitarbeitern und schätzt den Wert ihrer Arbeit. Das Ergebnis ist sozialer Wohlstand. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften handeln Löhne aus, die beides berücksichtigen: unternehmerische Entfaltungsmöglichkeiten auf der einen und ein gutes Auskommen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der anderen Seite", funktioniere in weiten Teilen der Region das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft für alle Teile der Gesellschaft.
Pipa abschließend: "Wir wollen, dass das so bleibt – auch in den Betrieben, in denen jetzt über Arbeitsplatzabbau verhandelt oder nachgedacht wird. Wir haben schon einmal verhindert, dass der Wirtschaftsstandort Main-Kinzig-Kreis nachhaltigen Schaden genommen hat durch unmoralisches und arbeitnehmerfeindliches Geschäftsgebaren von Hedgefonds und anderen Entscheidern. Dazu gründete sich im Jahr 2008 der Aktionskreis 'Eine Region steht auf'. Gemeinsam sind wir eingetreten gegen Arbeitsplatzverlagerung, gegen Heuschrecken-Kapitalismus und für gute Löhne. Wir sehen die Zeit gekommen, diese Initiative wiederzubeleben, um vorbereitet zu sein. Denn wenn die Indizien nicht täuschen, droht dem Main-Kinzig-Kreis eine schleichende Deindustrialisierung, die uns alle auf lange Zeit hin treffen wird. Wir wollen uns dem mit wirksamen Instrumenten entgegenstellen. Wir wollen auch gemeinsam darüber nachdenken, wie wir den Wirtschaftsstandort Main-Kinzig sichern und weiterentwickeln."
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