Kein Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen nach 22 Uhr

Politik

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, plädiert für ein Alkoholverkaufsverbot nach 22 Uhr in Tankstellen, Kiosken und Supermärkten. In den Kreisen der Suchtexperten stößt dieser Vorschlag auf Zustimmung. Als positives Beispiel benennt die Drogenbeauftragte die guten Erfahrungen aus dem Verkaufsverbot in Baden-Württemberg, welches dort seit 2010 in Kraft ist.

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Kreiswerke Main-Kinzig

Das Verbot von Alkoholverkauf nach 22 Uhr wurde in Baden-Württemberg eingeführt, als es wiederholt zu Widerstandsdelikten gegen Polizeibeamte durch Alkoholisierte kam.

„In Hessen und im Main-Kinzig-Kreis haben wir gute Erfahrungen mit unserem Projekt ‘HaLT‘ gemacht. Neben den Verboten aus dem Jugendschutz, sollen Informationen bei den jungen Menschen und in der Gesellschaft für eine Sensibilisierung zum Thema: Umgang mit dem Suchtmittel Alkohol, für Verhaltensänderungen sorgen“, sagte Kreisbeigeordneter und Jugendezernent Matthias Zach beim HaLT-Netzwerktreffen vor wenigen Tagen im Main-Kinzig-Forum. Die Fachkräfte aus dem Main-Kinzig-Kreis besprachen Strategien für das Jahr 2016, so lange wird das Projekt „HaLT“ durch das hessische Sozialministerium gefördert.

Die Präventionsmaßnahmen im Main-Kinzig-Kreis zeigen Wirkung. Eigene Grenzen erfahren und einen bewussten Umgang mit Alkohol zu erlernen, hat sich das Projekt „Hart am Limit“ (HaLT) zur Aufgabe gemacht. Auf Initiative der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen beteiligen sich seit 2011 zahlreiche hessische Kommunen daran. „HaLT“ ist ein bundesweit erprobtes Konzept und eine gemeinsame Initiative des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration sowie der gesetzlichen und privaten Krankenkassen, der beteiligten Kommunen und Kreise und den Trägern der Suchthilfe zur Prävention und Frühintervention bei exzessivem Alkoholkonsum von Jugendlichen.

Das Konzept setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: einem reaktiven Baustein, in dem Gespräche mit Eltern und betroffenen Kindern beziehungsweise Jugendlichen angeboten werden und einem proaktiven Baustein, der sich mit differenzierten Maßnahmen zur Alkoholprävention auf kommunaler Ebene an die Bevölkerung wendet, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol zu fördern

„So fiel die Zahl der Alkoholintoxikationen im Jahr 2012 von 112 auf 85 im Jahr 2013“, informiert der Kreisbeigeordnete und sieht auch hier den richtigen Ansatz. Er spricht sich eindeutig gegen ein Verbot aus, so wie es die Drogenbeauftragte der Bundesregierung fordert. „Erziehung soll primär in den Familien stattfinden, der Staat sollte sich hier nur präventiv mit guten Projekten einschalten“.

Foto: Kreisbeigeordneter Matthias Zach begrüßte Teilnehmer des HaLT-Netzwerktreffens.


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