„Heimatschutz“: Landrat erhält dritten Drohbrief

Politik

Landrat Erich Pipa (SPD) hat am Montag erneut einen Drohbrief erhalten. Kreispressesprecher Frank Walzer bestätigte auf Nachfrage den Eingang eines Schreibens, das wieder mit „Initiative Heimatschutz Kinzigtal“ unterzeichnet wurde. Pipa hat damit bereits den dritten Brief der zuvor nicht in Erscheinung getretenen Person oder Organisation erhalten. Beleidigt und bedroht wird er darin stets wegen der Aufnahme von Flüchtlingen im Main-Kinzig-Kreis.

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Anders als die ersten beiden Briefe, die noch vor der Einrichtung der Notunterkunft für Flüchtlinge in Hanau eingingen, wurde der Inhalt des neuerlichen Schreibens bisher nicht veröffentlicht. Allerdings sickerte durch, dass diesmal keine konkrete Drohung enthalten sein soll, Pipa allerdings offenbar unter anderem klar gemacht werden soll, dass er unter Beobachtung stehe. Inwieweit sich die Bedrohungslage für den Landrat dadurch verändert hat, ist noch nicht bekannt. „Inhalt und die Begleitumstände des neuerlichen Briefeinganges sind jetzt Sache der Polizei“, wurde das Schreiben laut Kreispressesprecher Walzer umgehend an die Ermittlungsbehörden übergeben.

Nachdem im Juli der erste Brief mit allgemeinen Drohungen und Beschimpfungen in der Kreisverwaltung eingegangen war, kam wenige Tage vor dem Radlersonntag „Kinzigtal-Total“ am 13. September ein Brief mit einer ganz konkreten Ankündigung: „Wir können jederzeit Jemanden in der Besucherschar platzieren, der Dich aus dem Weg räumt. Die Gelegenheit ist günstig“, wurde Pipa deshalb während der gesamten Veranstaltung von mehreren Polizisten beschützt. Zwischenfälle gab es keine, der aggressive Ton in dem zweiten Brief deutete allerdings schon an, dass es dabei nicht bleiben wird. „Weitere Gelegenheiten wird es natürlich auch geben. Es gibt keine absolute Sicherheit. Besonders nicht für dich, du Stinktier aus Meerholz“, hieß darin weiter, Pipa wurde unter anderem als „Kanaken-Landrat“ beschimpft.

Einknicken war für den Chef der Kreisverwaltung allerdings keine Option: Zwar gab er zu, mit einem „mulmigen Gefühl“ zur Eröffnung von „Kinzigtal-Total“ nach Sinntal-Sterbfritz gefahren zu sein, allerdings nahm er dennoch alle Termine wie geplant war. Den oder die Verfasser der Schreiben ging er sogar offensiv an: „Ich möchte ihr Gesicht sehen, ich möchte mit ihnen darüber reden“, hatte er auf einer Pressekonferenz erklärt. Ob in dem dritten „Hass-Brief“ auf diese Ansprache von Pipa eingegangen wurde, ist bislang nicht bekannt.


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