So schnell ändern sich die Zeiten: Waren vor zwölf Monaten noch Mütterrente, Maut und Mindestlohn die Hauptthemen auf dem Neujahrsempfang der CDU Main-Kinzig, standen diesmal Flüchtlinge, Sicherheitspolitik und die weltweiten kriegerischen Konflikte im Mittelpunkt.
Das betonte zunächst die Bundestagsabgeordnete und Spitzenkandidatin Dr. Katja Leikert und anschließend auch Gastredner Günther Oettinger im Hotel an der Therme in Bad Orb. Der war zwar einst CDU-Ministerpräsident in Baden-Württemberg, ist inzwischen Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Union in Brüssel und stellte daher auch die „digitale Revolution“ der Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner Rede.
Und das machte er durchaus unterhaltsam und humorvoll, aber auch immer ein bisschen am Rande eines Fettnäpfchen nach Beispielen suchend, die zumindest ab und an die 250 Gäste zum Schmunzeln oder Lachen brachten. Eröffnet wurde der CDU-Neujahrsempfang, zu dem traditionell auch politische Vertreter von SPD, Grünen und FDP gekommen waren, vom Kreisvorsitzenden Johannes Heger, der bis zur Kommunalwahl am 6. März dazu aufforderte, den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen und diese „abzuholen und zu überzeugen“. Fast schon mutig dann der Auftritt von Spitzenkandidatin Leikert: Für die Aussage, dass Saudi-Arabien kein zuverlässiger Partner mehr sei und dementsprechend kritisch Waffenlieferungen dorthin zu sehen seien, gab’s sogar Applaus von den überwiegend CDU-Mitgliedern.
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EU-Kommissar Oettinger stellte anschließend dann zunächst sein Lösungskonzept für die Flüchtlingsströme in Richtung Europa vor: Die Auffanglager an der türkisch-syrischen finanziell ausreichend ausstatten, „damit dort Menschenwürde entsteht“. Anschließend die flüchtenden Menschen dorthin umleiten, so müsse kein Boot mehr in Richtung Europa ablegen. Danach sollen die europäischen Außengrenzen mit einer wirkungsvollen Grenzschutzbehörde gesichert werden. Und der 62-Jährige zeigte sich optimistisch, dass der Europäische Rat schon im März einen dementsprechenden Beschluss fassen werde.
Oettingers Lieblingsthema war aber auch in Bad Orb die digitale Entwicklung und da macht er sich vor allem Sorgen um die deutsche Wirtschaftskraft. „Deutschland ist auf dem Höhepunkt ökonomischer Leistungskraft angekommen“, gelte es nun, diese Spitzenposition zu halten. Wohin die Reise gehe, zeige die Entwicklung in Amerika: Einem i-Phone sprach er gar eine „elegante, erotische Ausstrahlung“ zu, bald würden aus diesem Unternehmen sogar selbstfahrende Autos auf die Straße geschickt werden. „Da besteht Lebensgefahr für den wichtigsten Sektor der deutschen Industrie“, müsse daher mit Infrastruktur und Qualifikation dagegen gehalten werden.
Und dass es dafür keine Altersgrenze gibt, machte er auch den im Durchschnitt letztlich doch etwas älteren Gästen des Neujahrsempfanges deutulich: „Machen sie in diesem Jahr mal keinen Bonsai- oder Bauchtanzkurs“, sollten vielmehr auch diese sich über die digitale Weiterentwicklung informieren. Die CDU Main-Kinzig dachte da dann aber doch noch etwas traditioneller: Als Dank für seinen Auftritt überreichte ihm der Kreisvorsitzende Heger ein Karikaturenbuch und eine Auflistung heimischer Kochrezepte.
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