Tierschutz-Vorgaben: Noch eine Reihe offener Fragen

Politik

Der Kreisbeigeordneter Matthias Zach begrüßt die neuen Vorgaben, die der „Runde Tisch Tierwohl“ kürzlich vorgestellt hat, hält aber einige Fragen für noch unbeantwortet.

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„Den Teilnehmern an dem Runden Tisch ist ein guter Schritt nach vorn gelungen. Die Vertreter aus der Landwirtschaft, den Tierschutzverbänden und den Landesbehörden haben hier unter anderem bei der Geflügelzucht untragbare Zustände benannt und sich vorgenommen, diese abzustellen. Aber man kann noch nicht behaupten, man sei schon am seligmachenden Ziel angelangt“, erklärt Zach.

Der Kreisbeigeordnete zählt die Punkte auf, die er in der Zwischenbilanz des Runden Tisches für besonders lobenswert hält. So soll das Kupieren, also das Stutzen der Schnäbel, bei Legehennen künftig verboten sein. Auch am mittelfristigen Ziel, das Schreddern von männlichen Küken zu verhindern, hält die Landesregierung fest, auch wenn die technische Entwicklung wohl noch mindestens zwei Jahre auf sich warten lassen wird. „Aber andere problematische Aspekte der Geflügelzucht, die in dieser Zwischenbilanz nicht enthalten sind, sollten wir nicht aus dem Blick verlieren“, fordert Zach, zuständiger Dezernent für Veterinärwesen im Main-Kinzig-Kreis.

Das Landwirtschaftsministerium in Wiesbaden hat beispielsweise kürzlich verfügt, die Beförderungszeit von Tieren vom Stall zu einem Schlachtbetrieb auf höchstens zwölf Stunden zu begrenzen. Schon das sei eine sehr lange Zeit, so Zach: „Nicht berücksichtigt wird in dieser Vorgabe die Verladezeit. Oft dauert es mehrere Stunden, bis die LKW mit den Tieren aus den Ställen, in Kisten gepackt, überhaupt losfahren.“ Die Tiere seien zudem nur notdürftig mit einer Tränke ausgestattet, die sich bis zu 18 Tiere teilen müssten. „Das alles bedeutet für die Hühner eine extreme Belastung, an denen die Amtstierärzte vor Ort nichts ausrichten können. Da ist der Gesetzgeber gefragt“, erklärt der Kreisbeigeordnete.

Striktere Vorgaben könnten am Ende zu leicht höheren Preisen bei Eiern führen. „Wenn wir das als Folge eines deutlich gesteigerten Tierwohls verbuchen, dann halte ich das für legitim“, so Zach. Er hält ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft für die Grundvoraussetzung für mehr Erfolge im Tierschutz. So erschließe es sich ihm nicht, warum Legehennen nach nur einer Legeperiode bereits geschlachtet würden. „Höchstmögliche Produktivität hat für die Tiere einen hohen Preis, und daran lässt sich durch Richtlinien von oben und Kaufverhalten von unten etwas verändern“, so Zach. Viele Errungenschaften der letzten Jahre seien nicht zuletzt auf den Druck einer kritischen Öffentlichkeit zurückzuführen. „Wenn wir Stück für Stück wegkommen von der Denkweise, Tierprodukte so billig wie möglich zu erstehen und die Produktionswege – und zwar die gesamten – kritisch in den Blick nehmen, dann würden wir im Kampf ums Tierwohl weitere große Schritte vorankommen“, meint der Kreisbeigeordnete.


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