Heinrich-Hehrmann-Schule: Ein Tag als FSJlerIn oder PraktikantIn

Von links: Emilia Zinkhan, Fiona McCrea, Rebecca Back, Leon Leipold.

Schlüchtern
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„Nachdem ich um 8 Uhr angekommen bin, rede ich erst mal mit meinen Kollegen. Manchmal gibt es Wichtiges für den Tag zu besprechen. Dann teilen wir ein, wer welchen Schüler vom Bus abholt. Wer welches Kind am jeweiligen Tagen betreut, ist meistens schon abgeklärt. Wenn es dann 8:15 Uhr ist, hole ich den mir eingeteilten Schüler vom Bus ab. Im Klassenzimmer angekommen müssen manche Schüler daran erinnert werden, ihre Hände zu waschen und Heft und Brotdose abzugeben. Danach haben wir erst mal Spielzeit und den Morgenkreis. Dort wird der Stundenplan, Wetter und Co. besprochen“, berichtet Emilia, die in einer Klasse der Heinrich-Hehrmann-Schule Ihr FSJ absolviert, über den Start in ihren Arbeitsalltag.



In diesem Schuljahr absolvieren in der Heinrich-Hehrmann-Schule insgesamt vier junge Leute ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Dieses stellt für Menschen bis zum 27. Lebensjahr nach Abschluss ihrer Vollzeit-Schulpflicht eine Chance dar, sich selbst persönlich weiterzuentwickeln und anderen zu helfen. Die Heinrich-Hehrmann-Schule in Schlüchtern wird von Schülerinnen und Schülern mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen besucht, die unterschiedliche Unterstützungsbedarfe aufweisen. Jede Lerngruppe wird von multiprofessionellen Teams gefördert, die sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen (Förderschullehrer, Sozialpädagogen, Erzieher, Heilerziehungspfleger) zusammensetzt. Das bietet dem FSJler/der FSJlerin vielfältige Möglichkeiten der beruflichen Orientierung.

Ein wesentlicher Bestandteil des Lehrplans besteht darin, die Schülerinnen und Schüler auf eine möglichst selbstständige Lebensführung vorzubereiten. Rebecca beschreibt dies im Bericht über ihre Tätigkeiten: „Meistens sind es Aufgaben, wie mit ihnen auf Toilette zu gehen, ihnen beim Arbeiten zu helfen, mit ihnen zu spielen, sie beim Essen zu unterstützen usw. Im Allgemeinen helfe ich ihnen simpel gesagt bei der Alltagsbewältigung. Ich greife ihnen unter die Arme und bin ihre Ansprechperson, falls sie mich brauchen. Nachdem der Unterricht fertig ist und alle Kinder zum Bus gebracht wurden, gehe ich wieder zurück in meinen Klassenraum, wo ich dann den Stundenplan sowie das Datum für den nächsten Tag bereitmache.“

„Es gehört auch dazu, sie an Regeln zu erinnern, z.B. gut zuzuhören oder Sachen aufzuräumen. Zwischendurch sind dann immer wieder Pausen, wo wir etwas spielen oder auf den Pausenhof gehen. Wenn wir zum Beispiel kochen, helfe ich und zeige ihnen, wie man z.B. am besten schneidet.“ ergänzt Emilia.

Im Bereich der Kulturtechniken ist das Lernen für jeden Schüler und jede Schülerin individuell abgestimmt. „Täglich habe ich mit immer wechselnden Kindern Freiarbeit gemacht. Die Freiarbeit geht über 20 Minuten. In dieser Zeit füllen die Kinder individuell Arbeitsblätter zu den erlernten Unterrichteinheiten in Mathe oder Deutsch aus. Dort musste ich zum Beispiel den Kindern beim Zählen helfen oder Wörter mehrmals deutlich aussprechen. Auch beim Nachspuren und Schreiben konnte ich unterstützen.“ Besondere Freude bereitet es Rebecca, wenn sie mit den Kindern basteln und sich unterhalten kann: „Beim Frühstück oder Mittagessen sind manche Kinder besonders mitteilungsfreudig. Ich mag es, wenn ich ihnen etwas beibringen kann und sehe, dass sie Fortschritte machen.“ Leon begleitet die Schüler gerne in die Reittherapie oder in die Schwimm-AG.

Es gibt aber auch anstrengende und mühsame Phasen, die es zu bewältigen gilt: „Was ich persönlich sehr anstrengend finde, ist, wenn die ganze Klasse laut ist und die Kinder nur schwer zu beruhigen sind. Was auch herausfordernd werden kann ist, wenn ein Kind unter Zeitdruck unkooperativ wird.“ Von großer Bedeutung erweist sich das Freiwillige Soziale Jahr vor allem für die berufliche Orientierung. „Schon vor meinem FSJ wusste ich, dass ich mit Kindern arbeiten möchte. Ich war mir nur nicht sicher, in welchen Bereich ich genau gehen möchte. Das FSJ hat mir in diesem Punkt sehr weitergeholfen, weil ich mir dadurch vorstellen kann, an einer Förderschule zu arbeiten. Wenn alles nach Plan läuft, studiere ich im Oktober Soziale Arbeit.“ berichtet Fiona.

Darüber hinaus bietet das FSJ für die persönliche Weiterentwicklung eine große Chance. Fiona meint, dass sie durch ihr FSJ viel selbstbewusster geworden ist: „Ich bin eigentlich eine eher schüchterne Person. Bei den Kindern muss man sich jedoch durchsetzen können. Das habe ich in meinem FSJ gelernt. Ich merke, dass sich dies auch in meinem privaten Leben durchgesetzt hat.“ Rebecca ergänzt auf diese Frage: „Man lernt viel von den Kindern. Auch wenn es so „kleine“ Dinge sind, wie Güte usw.. Allerdings habe ich auch viel über Menschen mit Beeinträchtigung erfahren, vor allem von meinen Kollegen, aber auch in den Seminaren, die wir in der Zeit hatten. Außerdem habe ich gelernt, dass jeder Mensch unterschiedlich, aber dennoch besonders ist.“ Leon sieht für sich Fortschritte im Bereich Verlässlichkeit und Teamfähigkeit.

„Es war eine sehr hilfreiche und interessante Zeit für mich. Ich habe sehr viel für mich als Person gelernt und auch, über mich hinauszuwachsen. Es war toll zu merken, wie ich weniger schüchtern und geduldiger wurde. Außerdem nehme ich Dinge oder Aussagen nicht mehr so persönlich und lockerer. Ich habe Hemmungen oder Sorgen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ablegen können. An einigen Schülern habe ich vor allem die positive Lebenseinstellung bewundert. Aber auch die Kollegen, denen ich begegnet bin, haben eine wirklich positive Ausstrahlung. Das fand ich bewundernswert und das trug sehr zur Atmosphäre und eigenen Wahrnehmung bei.“

„Ein FSJ, und vor allem in der Schule, kann ich jedem empfehlen. Man sammelt wirklich viele neue Erfahrungen und man entwickelt sich selbst weiter. Die Entscheidung, das FSJ angetreten zu haben werde ich nie bereuen. Diese zwölf Monate mit den Kindern und meinen Kollegen waren wunderschön und auf jeden Fall eine Erfahrung fürs Leben, welche ich nie vergessen werde!“ Die Mitarbeiter der Heinrich-Hehrmann-Schule freuen sich jedes Schuljahr erneut auf die Zusammenarbeit mit den jungen FSJler/innen und Praktikant/innen. Über die Unterstützung in ihrer schulischen Arbeit hinaus bereichern sie den schulischen Alltag mit ihrem Elan und Engagement. Das FSJ kann über zwei unterschiedliche Bildungsträger, BDKJ in Fulda oder Volunta, durchgeführt werden. Interessenten für ein FSJ können sich jederzeit auch direkt an die Heinrich-Hehrmann-Schule (Telefon: 06661-4091) wenden. Die Schulleitung steht gerne für weitere Beratungen sowie zur Kontaktaufnahme zu den Bildungsträgern zur Verfügung.

prakiheinrhheld az

Von links: Emilia Zinkhan, Fiona McCrea, Rebecca Back, Leon Leipold.


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