„Hanau liest ein Buch“: Alle zwei Jahre an der Otto-Hahn-Schule

Hanau

Seit 2005 ruft die Stadtbibliothek Hanau alle zwei Jahre ihre Bürger auf, gemeinsam ein Buch zu lesen.

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Besonders viele Menschen sind dieses Mal dem Aufruf gefolgt. Der Roman „Glückskind“ von Steven Uhly wurde an insgesamt 137 Orten gelesen und in Szene gesetzt: im Bus, in Cafés und Kneipen, vom Müllcontainer herab, auf dem Marktplatz, vor der Polizeidirektion, in privaten Gärten. Drei dieser Lesungen fanden an der Otto-Hahn-Schule statt. Am 30.8. war es der Autor selbst, der in der Schulbibliothek vor einem interessierten Publikum aus Oberstufenschülern und externen Besuchern las und Fragen beantwortete.

Nach den Grußworten des Schulleiters empfing Studiendirektor Udo Häfele den promovierten Literaturwissenschaftler: „Sie haben ja ein Buch geschrieben, das den Leser glücklich macht!“ Fast wirkte es da wie ein Paradox, dass Uhlys Lesung aus „Glückskind“ mit den Worten begann: „Wieder so ein Scheißtag.“ Der Kontrast offenbart die Story in ihrem Kern: Hans D., die Hauptfigur, lebt in einer verdreckten, vermüllten Wohnung und vernachlässigt seine Körperpflege. Dann findet er in einer Mülltonne einen Säugling. Er gibt dem Findelkind den Namen Felizia, die Glückliche. Die Sorge um das Kind bringt ihn nicht nur dazu, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Zum ersten Mal seit Jahren entwickelt er auch freundschaftliche Beziehungen zu anderen Menschen. Die Familie Tarsi, seine persischen Nachbarn, werden ebenso zu Verbündeten wie Herr Wenzel, der vor dem Haus einen Kiosk betreibt. Obwohl natürlich schwierige Entscheidungen zu treffen sind, ist Hans am Ende selbst ein Glückskind. Ebenso wie der Leser, der sich im Glauben an die Kraft von Veränderung bestärkt fühlen kann.

„Wie kamen Sie auf diese Geschichte?“, wird Steven Uhly gefragt. „Es gab verschiedene Anlässe“, berichtet der Autor. Die Erzählidee entstand aus einer Stehgreifgeschichte, die seine ältere Tochter vor dem Zubettgehen von ihm einforderte. Gleichzeitig knüpft die Glückskindgeschichte an eine alte literarische Tradition an, die unter anderem auch im Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ von den Brüdern Grimm ihren Niederschlag findet. Auch ein Zeitungsartikel, der von einem toten Säugling in einer Mülltonne berichtete, führte zur Entstehung dieses Buches.

„Warum hat Hans D. keinen richtigen Namen?“, möchte ein Zuhörer wissen. Wieder zieht der Autor eine Parallele zu den Grimms. Vielleicht habe das Märchen „Hans im Glück“ eine Rolle gespielt, gibt er zu bedenken. Im Märchen tauscht Hans einen großen Klumpen Gold gegen ein Pferd, dieses gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein und so weiter. Am Ende verliert er alles, bleibt aber glücklich. Auch Hans D. muss lernen loszulassen. „Loslassen ist das Schwerste überhaupt“, sagt Uhly, „zumal die Gesellschaft uns zum Festhalten ermutigt. Dabei ist das Loslassen oft so wichtig.“

„Wie schaffen Sie es, einerseits ein Buch über einen versuchten Kindsmord zu schreiben und dann wieder mit Ihren eigenen Kindern am Küchentisch zu sitzen?“, fragt eine Schülerin. „Gute Frage!“, erwidert der Autor und erzählt allgemein von den Schwierigkeiten, als Vater von vier Kindern Zeit zum Schreiben zu finden. Permanent werde der Schreibprozess gestört. Er habe aber aufgehört, sich über Unterbrechungen zu ärgern, dann dauere es doppelt so lang, um wieder in den Schreibprozess hineinzukommen, sagt Uhly. Dabei macht er den Eindruck, selbst ein Glückskind zu sein: ein Mensch, dem es gelingt, einen interessanten Beruf mit einem erfüllten Privatleben zu vereinen.

Dieser Eindruck könnte stimmen: Nur wenige Stunden nach seinem Besuch in der Otto-Hahn-Schule und vor einer weiteren Signierstunde im Buchladen findet Steven Uhly an jenem Freitag die Zeit für einen Abstecher nach Assenheim, um sich mit seiner von dort stammenden Lebensgefährtin standesamtlich trauen zu lassen. Die Otto-Hahn-Schule gratuliert und wünscht viel Glück.

Foto: Autor Uhly in der Schulbibliothek.


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