Workshop: „Hochbegabte erkennen und fördern“

Hanau

Am 16.06.2016 – während einer Phase des Schuljahres, in der Kolleginnen und Kollegen mit der Vorbereitung und Korrektur der letzten Klassenarbeiten und Klausuren gut beschäftigt sind – fand an der HOLA ein Workshop zum Thema „Hochbegabte erkennen und fördern“ statt.

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Eingeladen waren Ministerialrat Walter Diehl, der am Kultusministerium das Referat Hochbegabung betreut, sowie Johanna Almon, Schulpsychologin und Netzwerk-Koordinatorin für alle Gütesiegel-Schulen des Schulkreises am Schulamt Main-Kinzig.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Fachbereichsleiter Dr. Walter Lütgehetmann, eröffnete Herr Diehl den Nachmittag mit einem Vortrag über die wissenschaftlichen Grundlagen des Themas. Er verwies auf die Zusammenarbeit der Gütesiegel-Schulen in Hessen mit der begabungsdiagnostischen Stelle BRAIN an der Universität Marburg, geleitet von Prof. Detlef Rost, der international anerkannte Längsschnittstudien zur Intelligenzforschung und zur Begabungsdiagnostik veröffentlicht hat. Herr Diehl machte deutlich, dass in Hessen, im Unterschied zu anderen Bundesländern, Hochbegabung als wichtige Facette im schulischen Kontext individueller Förderung verstanden wird und nichts mit einer Bevorteilung von Schülerinnen und Schülern zu tun habe, die dem Vernehmen nach aufgrund ihrer Intelligenz bereits begünstigt sind. Dies werde aus Sicht der Psychologie bestätigt, so Johanna Almon in ihrem Vortrag: Gerade diese scheinbar privilegierten Menschen, so machen Beobachtungen individueller Schullaufbahnen immer wieder deutlich, laufen Gefahr, aufgrund ausbleibender leistungsadäquater Förderung ihr Potential nicht abzurufen,  lethargisch zu reagieren, den Unterricht zu stören und im schlimmsten Fall sogar sozial ins Abseits zu geraten. Hier stellt das Hessische Kultusministerium in Zusammenarbeit mit den Schulpsychologen der Schulämter Unterstützungsangebote in Form von unter Weiterbildungen und Seminaren, aber auch individuelle Beratung zur Verfügung. Lehrer wie Eltern erhalten die Gelegenheit, auf Grundlage wissenschaftlich abgesicherter Informationen mehr über Diagnostik, über gezielte Förderung wie auch über psychologische Maßnahmen zur Stabilisierung zu erfahren. Erfreulicher Weise führen Anregungen begabungsdiagnostischer Experten tatsächlich zu nachweislichen Verbesserungen im schulischen Alltag.

Folgerichtig kamen im zweiten Teil des Workshops zwei herausragend begabte Schüler der HOLA samt ihrer sie begleitenden Eltern zu Wort. Anton Güthge und Jan Hennig eröffneten im Gespräch am runden Tisch Aspekte ihrer schulischen Biografien, die viele der von wissenschaftlicher Seite vorgebrachten Argumente bestätigten, die aber darüber hinaus den Akzent stärker auf praktische Notwendigkeiten im Lebensraum legten. Diese Notwendigkeiten reichen von Angeboten besonderer Förderung durch betreuende Lehrkräfte der Schule bis hin zu Fragen der sozialen Integration und der Kommunikation mit den Eltern dieser Schüler. Auch wenn gewiss noch viel zu tun bleibt, lässt sich schon jetzt feststellen, dass gezielte Maßnahmen der Begabungsförderung der Hohen Landesschule zum erhofften Erfolg in der Schullaufbahn hochbegabter Schüler beitragen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, Rückfragen an die beiden Schüler und deren Eltern zu richten. Sie steuerten somit ihren ganz persönlichen Teil bei zu einem Workshop, der als gelungenes Beispiel von wissenschaftlichem Informations-Input hin zu einem daraus erwachsenden interessierten Austausch auf pädagogischer Ebene dienen kann. Im Anschluss an die Veranstaltung standen viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch längere Zeit in kleinen Gruppen zusammen, um das Gespräch fortzusetzen. Sollte dies signalisieren, dass dieser Workshop in nun folgende „work in progress“ mündet, wäre das ein schönes Fazit einer anregenden Nachmittagsveranstaltung.

Foto: Ministerialrat Walter Diehl und Schulpsychologin Johanna Almon informieren über die wissenschaftlichen Grundlagen der Hochbegabungsförderung.


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