Vor einigen Tagen kam es zu einer Sternstunde besonderer Art im Zentrum für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises.
Vor einigen Tagen kam es zu einer Sternstunde besonderer Art im Zentrum für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises.

Christine Raedler und Amtsleiter Walter Dreßbach (beide Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kultur, Sport und Ehrenamt) staunten über die in den Mappen enthaltenen Archivalien, als sie in ihren Händen Wahlkampfmaterial aus der späten Phase der Weimarer Republik hielten. Es handelt sich um mehrere Dutzend originale Wahlplakate und politische Flugblätter in ausgezeichnetem Erhaltungszustand, die alle damaligen Parteien repräsentierten – darunter Zentrum, Sozialdemokratische Partei Deutschlands sowie die NSDAP.
Viele der Plakate und Flugschriften sind unmittelbar in der Region entstanden. Wichtige Zeugnisse des lokalen Wahlkampfes dieser Zeit sind so wahrscheinlich als äußerst seltene Belege erhalten und können historisch ausgewertet und als Originalquellen ein Bild der damaligen politischen lokalen Landschaft vermitteln. Das durch das Zentrum für Regionalgeschichte betreute historische Kreisarchiv bewahrt viele solcher Archivalien für die Nutzung durch die regionale Geschichtsforschung.
Peter Nickel, aktives Mitglied im Geschichtsverein Bieber und Kurator des örtlichen Museums, gab Otto Böhlke den entscheidenden Hinweis, das Material dem Zentrum für Regionalgeschichte in Gelnhausen zu übergeben, das in seiner Funktion als historisches Kreisarchiv die beste Adresse für den Verbleib der Dokumente sei. Walter Dreßbach und Christine Raedler dankten für das entgegengebrachte Vertrauen. „Bislang kenne ich solche Plakate von historischen Fotografien – an Hauswände der damaligen Häuser plakatiert“, sagte Raedler. Ganz selten habe sie solche Originale gesehen. Den heutigen Schülerinnen und Schülern sind die Wahlkampfplakate der Weimarer Republik meist nur von Abbildungen in den Unterrichtsmaterialien der Schulfächer Geschichte und Politik bekannt. Im Zentrum für Regionalgeschichte können Schülergruppen künftig Originale beim Archivbesuch in Augenschein nehmen und einen Eindruck vom damaligen Wahlkampf auf unseren Straßen und vor unseren Haustüren gewinnen.
„Es ist immer wieder bereichernd, wenn wir auf Dokumente, Originale und Material aus vergangenen Zeiten verweisen können und da sind wir ganz entscheidend auf die Mitarbeit und Umsicht der Bürgerinnen und Bürger angewiesen“, erklärte Walter Dreßbach und bedankte sich bei Otto Böhlke. Gleichzeitig bittet er darum, wer ähnliche Schätze in seinem Besitz hat und unsicher ist, was damit geschehen könnte, sich mit dem Zentrum für Regionalgeschichte in Verbindung zu setzen: „So können wichtige geschichtliche Zeugnisse auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.“
Foto: Erste Sichtung der Originale (von links): Peter Nickel, Amtsleiter Walter Dreßbach, Christine Raedler und Otto Böhlke.
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