Buddeln als Lebenszweck

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Er ist nicht bedroht, mancherorts allgegenwärtig, nicht überall sehr beliebt und dennoch hat die Deutsche Wildtier Stiftung den unter Naturschutz stehenden Europäischen Maulwurf (Talpa europaea) zum Tier des Jahres 2020 gewählt.

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Mit gutem Grund! Denn es ist seine besondere ökologische Funktion, die mehr Wertschätzung verdient. Der NABU sieht es nicht anders und begrüßt die Wahl des Insekten­fressers, freut sich Sibylle Winkel vom NABU-Kreisverband Main-Kinzig. Der Maulwurf ist zwar noch nirgends wirklich selten, er steht aber symbolisch für die Artenvielfalt im Boden, um die es nicht überall gut bestellt ist.

Der Name Maulwurf stammt vom mittelhochdeutschen Wort "moltwerf“ ab, was "Erdwerfer" bedeutet und auf die Maulwurfshügel verweist, die das Säugetier beim Anlegen seiner Gänge erzeugt. Beim Graben hilft der Schwanz als „Blindenstock“. Die Schwanzlänge entspricht dem Tunnelradius und wird zum Abtasten der Gänge eingesetzt. Der walzen­förmige Körper schiebt sich wie ein Bohrer durch die Erde. Zudem hat sein Fell keinen Strich. Deshalb kann der Maulwurf in engen Gängen auch rückwärtslaufen.

Maulwürfe halten keinen Winterschlaf. Bei uns ziehen sich die Tiere allerdings während der Wintermonate in tiefere Erdschichten zurück oder legen einen Nahrungsvorrat an. Hier werden u.a. Regenwürmer gehortet, am besten frisch. Der Maulwurf beißt ihnen die vorderen Körpersegmente ab, damit sie nicht fliehen können, aber am Leben bleiben. Zuvor hat er seine Beute mit speziellen Sinneshaaren an der Schnauze aufgespürt. Mit ihnen kann er hervorragend tasten und feinste Erderschütterungen spüren. Die lange Rüsselnase ist darüber hinaus mit dem sogenannten „Eimerschen Organ“ ausgestattet, das elektrische Reize wahrnimmt, die bei Muskelbewegungen von Beutetieren entstehen.

Nicht überall beliebt

In früheren Zeiten wurden Maulwürfe wegen ihres weichen, samtigen Felles bejagt. Das spielt heute keine Rolle mehr. Aktuelle Konflikte zwischen Menschen und Maulwürfen basieren auf ihrer Grabtätigkeit. Ein junger, vitaler Maulwurf kann täglich immerhin 10 bis 20 Erdhügel produzieren. Für viele Hobbygärtner sind es daher optische Gründe, die Maulwürfe zum „Störenfried“ machen. Die „Abraumhalden“ machen ihn zum unerwünschten Gartenbewohner. Auch manche Landwirte mögen die Tiere nicht sonderlich, erschweren die Maulwurfhügel doch die Mahd der Wiesen. Doch nicht jeder vermeintliche Maulwurfsbau ist auch wirklich dem „Erdwerfer“ zuzuordnen. Oft ist der Erdhaufen das Werk einer Wühl- oder Schermaus. Schaut man genauer hin, lassen sich beide recht gut unterscheiden: Die Hügel der Maulwürfe sind meist höher und frei von Wurzeln oder Pflanzenresten. Das Loch liegt mittig darunter, während das der Wühlmaus weiter am Rand des Haufens zu finden ist. Anders als die Wühlmaus genießt der Maulwurf seit 1986 Artenschutz und darf nicht getötet werden. Eine Genehmigung zur Bekämpfung der besonders geschützten Art erteilt die Naturschutzbehörde nur, wenn beispielsweise sein Gangsystem die Sicherheit eines Deichs gefährdet.
Trotzdem suchen viele Gartenbesitzer nach Möglichkeiten, ihn zu vertreiben.

Geruchsoffensive hilfreich

Maulwürfe gelten als „Sensibelchen“. Ihre empfindlichen Sinnesorgane mögen keine unangenehmen Gerüche, lauten Geräusche oder Erschütterungen. Die empfohlenen Hausmittel sind daher zahlreich und reichen von saurer Milch über Hunde- und Katzenhaare, Essigessenz, Pflanzenjauchen aus Brennnesseln oder Wermut bis hin zu zerstoßenen Lebensbaumzweigen oder anderen terpenoidhaltigen Pflanzen. Auch der Fachhandel bietet geruchsintensive Vergrämungsmittel an.

Maulwürfe mögen keinen Alkohol

Andere Hobbygärtner schwören auf Alkohol als effektives und altbewährtes Hausmittel. Die Tiere empfinden Alkoholgeruch als so widerlich, dass sie ihre Gänge verlassen und den Garten künftig meiden. Dazu werden leere Alkoholflaschen mit der Öffnung nach unten in die Gänge gesteckt. Der Alkoholgeruch verbreitet sich rasch im Höhlensystem. Es gilt die Devise: Je mehr, desto besser. Je höher der Alkoholgehalt der Spirituosen, desto empfindlicher reagiert der Maulwurf auf den Geruch.

Wer ihn duldet, hat auch Vorteile

Doch solch fragwürdige Aktionen sollten eigentlich eine seltene Ausnahme bleiben, empfiehlt Biologin Sibylle Winkel. Anliegen des NABU ist es, die Vorurteile gegenüber Maulwürfen aus dem Weg zu räumen. Denn der Maulwurf ernährt sich u.a. von im Boden lebenden Insektenlarven wie Larven von Käfern, Wiesenschnaken, Engerlingen und kann so Massenvermehrungen entgegenwirken. Zudem hat er durch seine energieaufwendige Lebensweise einen hohen Stoffwechsel-Turnover und braucht deshalb ordentlich viel Nahrung. Wir setzen uns deshalb für ein gutes Zusammenspiel oder zumindest eine friedliche Koexistenz von Gärtnern und Maulwürfen ein, so Biologin Winkel. Auf NABU-eigenen Flächen genießt der Maulwurf daher generell Schutz, berichtet Sibylle Winkel. Allerdings hat der Maulwurf in Städten eher schlechte Karten. Dort leidet er unter der Versiegelung des Bodens durch Asphalt und Beton. Weitere Informationen auch unter www.nabu-mkk.de

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