Schon vor dem Pontifikalamt mit über sechshundert Gläubigen im Staatspark Wilhelmsbad kam er am Morgen mit den Gläubigen, mit Spaziergängern und Vatertagsausflüglern, mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch. Dechant Andreas Weber begrüßte ihn und die Gläubigen bei sonnigem Wetter zum Gottesdienst „unter freiem Himmel in einem freien Land, weltweit nicht überall selbstverständlich.“

„Wer in den Himmel hinaufsteigen will, muss zuerst hinabsteigen. Jesus hat es uns vorgelebt!“, betonte der Bischof in seiner Predigt und erinnerte an die Aufforderung Jesu an die Jünger und die Frauen: „Geht in die Stadt! (Jerusalem) -  Wir tun es ihm heute gleich und gehen von hier aus in die Stadt Hanau. Unsere Flurprozession ist ein Weg der Solidarität für alle Menschen, die sich auf einem Kreuzweg befinden. Es ist auch  eine Demonstration für unseren Glauben!“

Einen besonderen Gruß des Bischofs übersetzte ein ukrainischer Jugendlicher für die  zahlreich anwesenden Geflüchteten:  „Unsere Solidarität darf nicht nach kurzer Zeit verfliegen, sondern braucht einen langen Atem. Den langen Atem des Heiligen Geistes, um den wir bis zum Pfingstfest gemeinsam beten!“ Der Bischof freute sich über das besondere Gefühl der Zusammengehörigkeit bei der Prozession: „Möge dieses Gefühl uns auch in den nächsten Tagen und Wochen begleiten, damit wir wahrnehmen, wo die Menschen uns brauchen!“, rief er den Gläubigen zu. Die  Prozession führte zur St. Elisabethkirche in  Kesselstadt. An vier Stationen wurden kurze Texte aus den vier Evangelien gelesen und der Segen in alle vier Himmelsrichtungen gespendet. Inhalt der Gebete war die Bitte um einen guten Weg ins Leben für junge Menschen,  um Bewahrung der Schöpfung und um eine gute Ernte für den Hunger in der Welt, aber auch das  Gebet für den Frieden, das einige ukrainische Jugendliche in ihrer Muttersprache vortrugen.

Auf dem Kesselstädter Kirchplatz gab es nach gutem Brauch die klassische Wallwurst, Erbsensuppe, ein zünftiges Getränk  und eine Kaffeetafel. Auch wenn hier nicht viel Zeit blieb, ließ es der Bischof sich nicht nehmen,  mit den drei an Ostern in Hanau Neugetauften den von ihm im Jahr 2019 gepflanzten Weinstock am Kirchturm  zu gießen. Mit etwa achtzig Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem ganzen Bistum ging der Bischof dann auf einen etwa zehn Kilometer langen Pilgerweg nach Bruchköbel. „Wir erlebten einen Bischof ganz Ohr - zuhörend und zu guten Gesprächen bereit“, stellte ein Teilnehmer fest. „Keinen einzigen Small Talk, aber viele tiefgreifende und wesentliche Gespräche!“, fasste der Bischof seine Wahrnehmung am Abend zusammen.

Die Jugendleiter der Kesselstädter St. Elisabethpfarrei hatten mit Kaplan Philipp Schöppner den Weg vorbereitet: Verschiedene Personen berichteten von ihrem eigenen persönlichen Glaubensweg: Spannende Zeugnisse aus der Kesselstädter Jugendbibelrunde, auch von Studenten, die sich auf einen kirchlichen Beruf als Pastoralreferentin oder Priester vorbereiten. Ein junges Brautpaar, das im Juni kirchlich heiratet, berichtete genauso vom Glaubensweg, wie andere junge Erwachsene über ihr „durch  Menschen vermitteltes Gottvertrauen und manchen Glaubenszweifel.“ Vor dem persönlichen Einzelsegen in der Kirche St. Familia in  Bruchköbel erinnerte der Bischof an die Bedeutung des Wortes Gottes und „an den Glauben, der ein Gegenüber in Gott oder im Mitmenschen braucht! Genau das durften wir heute erleben!“ Auf dem Kirchhof überraschten die Bruchköbeler Pfadfinder und ihre Helfer mit Bratwurst und Pommes. Ein Lagerfeuer mit Stockbrot lud zu Gesang und intensiven Gesprächen ein. Wirklich viel Zeit hatten alle mitgebracht und blickten am späten Abend auf einen von Glaubensfreude gefüllten Tag zurück. Der Bischof blieb bis zum Schluss, bis er sich dann auf den Weg zum Katholikentag in Stuttgart aufmachte.

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