Seit etwa 15 Jahren sendet Helping Hands allweihnachtlich Hilfstransporte mit Weihnachtspäckchen und Hilfsgütern in osteuropäische Länder. Dieses Jahr konnten insgesamt 12,5 Tonnen Fracht nach Rumänien und Bulgarien versandt werden. Eine Woche später reiste auch eine Mitarbeiterin von Helping Hands e.V. nach Bulgarien, um vor Ort mitzuerleben, wie die Päckchen verteilt werden.

Sie berichtet: Um Viertel vor 7 fährt unser Bus; mit einigen Lehrern stehen wir an der Haltestelle und frieren. Im Bus ist es kaum wärmer, die Scheiben bedeckt eine dünne Eisschicht, bei jedem Halt rast eine kalte Welle durch die Tür. Wir fahren durch die dunklen Hügel, setzen Lehrer in den Dörfern ab, sammeln Kinder ein: Ihre Dorfschulen haben sich geweigert, sie aufzunehmen, denn es sind Roma-Kinder, die keiner will. Einige tragen nicht mal eine Jacke.
Kurz vor 8 kommen wir in Vidrare an; ein paar hundert frostige Meter bringen uns zur Schule. 71 Kinder besuchen hier den Unterricht und erhalten zwei Mahlzeiten am Tag; alle von ihnen sind Roma-Kinder. Seit vielen Jahren arbeitet Zhana, meine bulgarische Kollegin, in dieser Schule; unter anderem macht sie Aufklärungsarbeit mit den Kindern, z.B. über Hygiene oder Menschenhandel, ein brisantes Thema in dieser Gegend. Bei den Eltern kümmert Zhana sich um Erwachsenenbildung, macht viele, viele Hausbesuche und berät in allen Lebenslagen. Die Familien haben gelernt, ihr zu vertrauen. Und sie wissen: Wenn Zhana mit den Helping Hands Weihnachtspäckchen kommt, dann nicht, um sich etwas zu erkaufen wie Wählerstimmen oder Mitgliedschaft. “Ihr seid nicht wie die andren”, sagen die Leute, “die unsere Würde kaufen und unsere Armut ausnutzen. Bei euch wissen wir: Ihr helft auch so.”
Heute findet kein Unterricht statt; die Weihnachtsfeier steht auf dem Programm. Neben viel lauter Musik und einer kurzen kulturellen Aufführung gibt es auch eine kostenlose Tombola—mit Spielzeug aus Helping Hands Hilfsgüterkisten—und dann werden die Weihnachtspäckchen verteilt, je ein Päckchen pro Familie. Für viele der Kinder sind die Schokolade und Gummibärchen aus den Päckchen das einzige Weihnachtsgeschenk, das sie erhalten werden.
Die Kinder, die direkt in Vidrare wohnen, dürfen die Päckchen gleich öffnen. Gloria und Veni strahlen, als die Süßigkeiten zum Vorschein kommen. Ihr Cousin, der fünfjährige Lubo, findet auch die Zahnbürsten interessant. Heute ist er guter Dinge, aber noch vor wenigen Tagen war er weinend zur Großmutter gelaufen: Sein Vater ist Alkoholiker und hatte die Mutter mit einer Axt angegriffen. Die Großmutter, Christina, kümmert sich rührend um die Enkel; auch andere Kinder aus der Nachbarschaft kommen gern zu ihr. Die Familie ist arm, aber Christina hilft ihren Nachbarn, wo sie kann.
Auch Christina hat dieses Jahr ein Weihnachtspäckchen bekommen. Sie arbeitet in einem Heim für behinderte Kinder, das am Dorfrand von Vidrare liegt. Die Angestellten verdienen nur wenig, haben aber keinen Anspruch auf finanzielle Hilfe der Regierung, da sie nicht arbeitslos sind. Deshalb hat Zhana jedem Angestellten ein Weihnachtspäckchen gegeben. “Sie waren wirklich überrascht und erfreut, dass wir an sie gedacht haben”, berichtet Zhana. “Für die Menschen hier sind die Päckchen ein großer Segen. Für jeden in der Familie ist etwas drin. Sie sind sehr dankbar dafür!”
Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche Einzelpersonen und Familien im Main-Kinzig-Kreis und ganz Deutschland an der Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Helping Hands e.V. bedankt sich im Namen aller Beschenkten für diesen Einsatz! Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.helpinghandsev.org
Fotos: Kinder in Vidrare öffnen ihre Weihnachtspäckchen. © D. Gschwandtner
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