„Wie werden wir im Alter versorgt und wer wird uns pflegen?“ Diese Frage stellt sich der Erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises, Dr. André Kavai, im Zusammenhang mit der durch ihn initiierten Kampagne Pflege in Not.
„Wie werden wir im Alter versorgt und wer wird uns pflegen?“ Diese Frage stellt sich der Erste Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises, Dr. André Kavai, im Zusammenhang mit der durch ihn initiierten Kampagne Pflege in Not.
„Wir bewegen uns an einem sozialpolitischen Abgrund und dürfen das Problem des zunehmenden Fachkräftemangels bei weiter steigendem Pflegebedarf nicht ignorieren“, erläutert Kavai und ergänzt: „Vielmehr müssen wir nach wie vor die Ziele unserer Kampagne mit allem Engagement und der notwendigen Aufklärung verfolgen.“ Die Ziele, auf die sich der Aufsichtsratsvorsitzende des kreiseigenen Unternehmens, der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, bezieht, sind die Verbesserung des Images der Altenpflege, die Information und Aufklärung der Menschen in der Region zu den Pflegeberufen, der Ausbau der regionalen Ausbildungskapazitäten, die Verbesserung der Rahmenbedingungen sowie die stärkere Ausrichtung arbeitsmarktpolitischer Programme am Bedarf. Laut Dr. Kavai ist diese Aufgabe hinsichtlich des demografischen Wandels nur schwer zu lösen. „Dennoch“, so der zuständige Dezernent, „können wir nach nunmehr 1 ½ Jahren der Kampagne, durchaus auf entsprechende Erfolge verweisen.“
Die Kampagne selbst wurde laut Kavai bereits im Sommer 2010 geplant und am 17.11.2010 mit einer großen Kundgebung in Hanau auf dem Marktplatz gestartet. Dabei stand zunächst die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zu diesem Thema im Vordergrund. So folgten weitere Demonstrationen im März 2011 in Hanau und Schlüchtern sowie eine offensive und ausführliche Berichterstattung in der regionalen Presse. Darüber hinaus wurde die Information der Öffentlichkeit durch eine eigene Homepage (www.pflege-in-not.eu), Werbekarten (Verteilung bei Messen) sowie Plakate (Verteilung im gesamten Main-Kinzig-Kreis) forciert. Informationen und Präsentationen bei Berufsmessen, Schulbesuchen und sonstigen schulischen Veranstaltungen ergänzten diese Maßnahmen.
„Ein weiterer wichtiger Ansatz zur Verbesserung der Situation“, so der Geschäftsführer der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, Dieter Bien, „waren auch die Anregungen und Protestschreiben an die Hessische Landesregierung sowie an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.“ Immerhin, so erklärten Kavai und Bien, wurde die bis dahin begrenzte Anzahl an Ausbildungsplätzen in Hessen von 3.500 auf 4.000 erhöht. „Auch wenn dies eine Mogelpackung war, weil das Budget des Schulgeldes nicht angehoben wurde und somit weniger Geld pro Schulplatz zur Verfügung stand“, erklärt Dr. Kavai, „so wurde zumindest in einem ersten Schritt das Kontingent erhöht, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.“
Faktische Erfolge konnte auch das Aus- und Fortbildungsinstitut für Altenpflege in Rodenbach verzeichnen. Die Schulplätze für Altenpfleger und Altenpflegehelfer wurden in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich erweitert. Ein stetiger Anstieg der Zahlen der Auszubildenden ist zu verzeichnen. Betreute die Altenpflegeschule im Jahr 2008 noch 108 Schüler, so waren es 2011 bereits 187 Schüler. Besonders erfreulich war auch die Steigerung der Zahl an neu angestellten Auszubildenden im Oktober 2011. Hier wurden erstmals 94 neue Schüler vorgestellt. Neben den klassischen Ausbildungsgängen wird auch eine familienfreundliche 18-monatige „Teilzeit-Ausbildung“ zum staatlich anerkannten Altenpflegehelfer angeboten. Darüber hinaus gibt es seit 2005 eine Kooperation mit AQA im Bereich der Umschulungen. Ebenfalls stiegen die Zahlen für die Ausbildungskapazitäten bei den Alten- und Pflegezentren von 2008 mit 14 Auszubildenden auf insgesamt 24 Auszubildende im Jahr 2011 an.
Anke Kasseckert berichtete als Koordinatorin der Kampagne von regelmäßiger Präsenz bei Berufsmessen und Informationsveranstaltungen in Schulen. Gemeinsam mit dem Team des Aus- und Fortbildungsinstituts für Altenpflege in Rodenbach wurde ein Netzwerk mit der Agentur für Arbeit, vielen Schulen im Kreis und weiteren Partnern aufgebaut. Laut Kasseckert steigen gerade die Anfragen nach Besuchen in den Schulen stetig an und zeigen auch schon erste Erfolge. So wurden alleine in der Kreisrealschule Gelnhausen insgesamt sechs Jobinterviews in den 7.Klassen durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass sich vier Schüler zum Boys´Day bei den Alten- und Pflegezentren angemeldet haben.
Dass die Situation im Altenpflegesektor bereits dramatische Züge annimmt, wird durch einige Zahlen aus dem Hessischen Pflegemonitor 2011 deutlich. Bereits 2010 konnten in Hessen 42% der offenen Stellen für Altenpfleger in stationären Pflegeeinrichtungen nicht besetzt werden und bereits seit 2008 ist die Nachfrage größer als das Angebot am Arbeitsmarkt. Bis 2025 werden in Hessen 3.355 zusätzliche Altenpfleger/innen benötigt (plus weitere 2.133 Gesundheits- und Krankenpfleger/innen im Bereich der Altenhilfe). Für den Main-Kinzig-Kreis wird bis 2025 ein Mehrbedarf von 292 examinierten Altenpflegern prognostiziert. Das entspricht einem notwendigen Zuwachs von ca. 50 %. Gleichzeitig wird die Zahl der Schulabgänger bis 2025 drastisch zurückgehen.
So gab es 2009 in Hessen an Haupt- und Realschulen 4.877 Schulabgänger. Laut Prognose für 2025 werden es dann nur noch ca. 3.500 sein. „Daher müssen wir uns in Zukunft noch mehr engagieren, um die Pflegekatastrophe zu verhindern“, machte Dr. Kavai deutlich. Zu den geplanten Aktionen der Kampagne für 2012 zählen entsprechende Aktivitäten am Boys´Day am 26. April, die Teilnahme an der Hanauer Berufsmesse am 27. und 28. April im Congress Park sowie die Beteiligung an der Talente-Werkstatt vom 16. bis 27. April, einem gemeinsamen Projekt der Kreisrealschule Gelnhausen mit der GfW Hanau. Als weitere Ziele definiert der Kreisbeigeordnete den Ausbau der Netzwerke und präsentiert gleichzeitig neue Werbematerialien. „Die Wege, die wir beschreiten sind vielfältig und bunt“, erklärt Kavai, „das Ziel aber ist eindeutig und für unseren Sozialstaat elementar.“
Foto (von links): Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. André Kavai informierte gemeinsam mit Koordinatorin Anke Kasseckert und Geschäftsführer Dieter Bien von den Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises über den aktuellen Stand der von ihm initiierten Kampagne „Pflege in Not – Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel in der Altenpflege“.
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