Umgangs- und Sorgerecht: Häusliche Gewalt als Risikofaktor?

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Große Beachtung hat ein Fachtag des Arbeitskreises Häusliche Gewalt im Main-Kinzig-Kreis (AKG) gefunden.

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umga sorgeumga sorge1Im Main-Kinzig-Forum versammelten sich rund 200 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Verwaltung, Justiz, Schule, Kindertagesstätten, Gesundheits- und Sicherheitswesen und diskutierten aktuelle Entwicklungen und Rechtsprechungen. Im Mittelpunkt stand vor allem der Umgang mit Gewalt gegen Frauen und Kinder sowie Umgangs- und Sorgerechtsverfahren.

Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler eröffnete den Fachtag. „Gewalt im häuslichen Bereich ist keine Privatangelegenheit, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, auf das wir unermüdlich aufmerksam machen müssen“, erklärte Simmler. „Häusliche Gewalt, Trennung und Scheidung, das sind einschneidende Erlebnisse, von denen viel Leid, psychische und körperliche Belastungen und Gefahren insbesondere für Kinder ausgehen.“ In den ca. 400 Frauenhäusern der Bundesrepublik Deutschland suchen jährlich zwischen 40.000 und 45.000 Frauen Schutz vor gewalttätigen Partnern. Das Polizeipräsidium Südosthessen hatte im Jahr 2012 1085 und 2013 1090 Delikte der häuslichen Gewalt zu bearbeiten. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Main-Kinzig gab es 368 Delikte im Jahr 2012 und 392 im Jahr 2013. Dabei werden auch immer wieder Minderjährige Zeugen des Geschehens. Mädchen und Jungen sind immer Mitbetroffene: Sie sind Augen- und Ohrenzeugen der Übergriffe, zum Teil werden sie aber auch selbst Opfer.

Auch Sigrid Haas, Direktorin des Amtsgerichts Gelnhausen, und Sylvia Ruppel, Leitende Direktorin des Staatlichen Schulamts, gaben zu Beginn der Veranstaltung Stichworte vor, die in den anschließenden Diskussionen noch öfter angesprochen werden sollten. Zum einen ging es um die Frage, in welchem Verhältnis Kinderschutz und Elternrecht stehen – zu diesem Thema hielt Professor Dr. Ludwig Salgo, Rechtswissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität, den ersten Vortrag. Zum anderen ging es um die umgangsrechtlichen Entscheidungen der Familiengerichte, wenn häusliche Gewalt erkannt worden ist – dazu referierte Dr. Jürgen Schmid, aufsichtsführender Richter am Amtsgericht München.

Die beiden Hauptredner, Salgo und Schmid, eröffneten jeweils rege Diskussionen. Sie waren sich dabei mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Fachtags einig: Kinder erleben häusliche Gewalt immer mit. Die Sicherung des Kindeswohls und der Opferschutz sollten bei den gerichtlichen Verfahren für den Aufenthalt des Kindes und das Umgangsrecht absoluten Vorrang haben.

Als Fazit blieb: Die besondere Gefährdungslage insbesondere von Betroffenen in Trennungs- und Scheidungssituationen muss sehr ernst genommen werden; sie brauchen gezielte Unterstützung und Schutz zur Verhinderung von Gewalt. Das ist gerade bei Kindern im Kontext des Umgangs- und Besuchsrechts wichtig. Auch die nachhaltige Änderung des Täterverhaltens wurde als ein wichtiger Baustein für den Opferschutz angesehen. Die Beratung von Männern mit Gewaltproblemen und die Angebote für Männer müssen nach einhelliger Meinung weiter ausgebaut werden.

Mit dem großen Zuspruch und dem Verlauf der Veranstaltung war Ute Pfaff-Hamann, Frauenbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises und Koordinatorin des Arbeitskreises Häusliche Gewalt, sehr zufrieden. „Es ist wichtig, dass wir über 200 Vertreterinnen und Vertreter von vielen verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und Professionen zusammengebracht haben“, freute sich Pfaff-Hamann. „Beim Kampf gegen häusliche Gewalt, dem Umgang mit Gewaltfällen innerhalb der Familien und bei den Regelungen zum Umgangs- und Sorgerecht braucht es ein breites Bündnis. Die gegenseitige Information und eine enge Kooperation aller Ebenen von Justiz, Jugendamt, Ärzteschaft, Kindertageseinrichtungen, Schule und Polizei ist essenziell.“ Die Mitglieder der im Main-Kinzig-Kreis bereits bestehenden Arbeitskreise „Trennung und Scheidung“ und „Häusliche Gewalt“ werden sich weiterhin intensiv damit befassen.

Weitere Informationen sind in Kürze auf der Internetseite des Main-Kinzig-Kreises www.mkk.de unter „Frauenbüro“ zu finden.

Foto: Eröffneten die Diskussionen: Andrea Laus (Frauenhaus Hanau), Angela Braun (Frauenhaus Wächtersbach), Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler, Dr. Jürgen Schmid, Professor Dr. Ludwig Salgo, Sylvia Ruppel und Ute Pfaff-Hamann.

Foto: Das Thema des Fachtags traf auf großes Interesse.


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