Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie feiert Jubiläum

Service

Psychisch kranke Menschen haben keine Lobby – um das zu ändern, wurde vor fünf Jahren eine Anlaufstelle im Main-Kinzig-Kreis ins Leben gerufen, die unabhängig und kompetent Beschwerden aus diesem Personenkreis und auch von deren Angehörigen entgegennimmt.

Evonik

Unter der Bezeichnung „Unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie“ arbeitet seit dem ein derzeit zwölfköpfiges Team, das anlässlich des kleinen Jubiläums eine Bilanz der bisher geleisteten Arbeit zieht und zudem auf das Beratungsangebot aufmerksam machen will.

„Es geht nicht um Schuldzuweisungen“, stellt Sprecherin Elisabeth Lach im Pressegespräch gleich klar, vielmehr würde sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen als Mediatoren auftreten. Unter der Telefonnummer 06051/9675140 können auf einem Anrufbeantworter die Beschwerden hinterlassen werden, anschließend wird mit den Anrufern Kontakt aufgenommen. Dazu zählen Patienten aus psychiatrischen Einrichtungen, deren Angehörige und auch Ärzte, die auf Missstände aufmerksam machen. Vom zu kalten Essen über die Unzufriedenheit mit der Unterbringung oder den Zweifeln an der medikamentöse Behandlung – die Probleme, mit denen die Beschwerdestelle konfrontiert werden, sind vielfältig. 90 Mal klingelte in den vergangenen fünf Jahren das Telefon.

Auch Konflikte mit gesetzlichen Betreuern, Angehörigen, Einrichtungen, Kliniken, öffentliche Verwaltungen oder eben der Vorwurf der grundsätzlichen Fehlbehandlung gesundheitlicher Probleme sind bislang aufgetreten. Einmal pro Woche treffen sich die Gruppenmitglieder, um die eingegangenen Anrufe zu besprechen und Konfliktlösungen zu suchen. Alles wird genauestens dokumentiert, die Mitarbeiter der Beschwerdestelle sind zudem zur Verschwiegenheit verpflichtet. Anlaufpunkt ist die Selbsthilfekontaktstelle (Sekos) in Gelnhausen, hier werden die Teamsitzungen abgehalten und dort ist die Beschwerdestelle telefonisch und postalisch erreichbar.

Ein besonders schlimmer Fall war in den vergangenen fünf Jahre der Verdacht des körperblichen Missbrauchs in einer Einrichtung, was nicht nur persönliche Gespräche mit den Konfliktparteien notwendig machte, sondern auch bei einer unmittelbar einberufenen Teambesprechung thematisiert wurde. „In rechtlichen Fragen können wir natürlich nicht helfen“, erklärt Lach, die Aufgabe der Beschwerdestelle sei es vielmehr, eine Gruppe von erfahrenen Mitarbeitern den Betroffenen zur Seite zu stellen. Dazu gehört unter anderem auch Heilpraktiker Heinz Hofmeister, der auf der Jubiläumsveranstaltung am 9. Juli im Brockenhaus in Hanau ab 17 Uhr die Arbeit der Beschwerdestelle präsentieren wird. Aber auch Menschen, die selbst unter psychischen Krankheiten leiden, sind Mitglieder im Beraterkreis, allein aus dem Bereich der Angehörigen fehlt es momentan an Unterstützung.

Die nehmen Elisabeth Lach und ihr Team gerne auch in Form von finanziellen Spenden entgegen, denn alle arbeiten ehrenamtlich und bezahlen beispielsweise Fahrtkosten aus der eigenen Tasche. Weniger dürfte die Arbeit nicht werden: Als nächstes soll Kontakt zu Alten- und Pflegeheimen aufgenommen werden, denn auch die Anzahl der Demenzkranken nimmt von Jahr zu Jahr zu. „Wir wollen auch noch mehr auf strukturelle Missstände und Versorgungsdefizite hinweisen“, freut sich Lach mit ihrem Team jetzt aber erst einmal nicht nur auf die Jubiläumsfeier am 9. Juli, sondern auch auf die Fortsetzung ihrer Arbeit für mindestens fünf weitere Jahre.


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