Zeugnisse und Zitate: Mitteilungsblatt zur Regionalgeschichte

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Das aktuelle Mittelungsblatt (39. Jahrgang) aus dem Zentrum für Regionalgeschichte ist diesmal besonders umfangreich.

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Kreiswerke Main-Kinzig

Auf den knapp 100 Seiten wird unter anderem berichtet über einen sensationellen Fund mittelalterlicher Fresken, die als „monumentale Bilderbibel“ in der Katharinenkirche in Steinau fungierten. Außerdem geht es um bedeutende Zeugnisse römischer Kultur am Weltkulturerbe „Obergermanisch-Raetischer Limes“ im Westen des Main-Kinzig-Kreises, Urkundenfunde aus einer Metallkapsel unter dem Wetterhahn der Dörnigheimer Kirchturmspitze sowie die Geschichte des Rettungsdienstes im Altkreis Gelnhausen.

„Insgesamt ist es wieder eine Palette spannender Geschichten aus Archäologie, Kulturgeschichte und Natur“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Sowohl die jeweiligen Inhalte als auch die Autoren haben dabei einen großen Bezug zur Region sowie zu aktuellen Ereignissen und Veranstaltungen. So galt es, in Vorbereitung auf das jetzt anstehende Jubiläum „10 Jahre Welterbe Limes“ die Befunde römischer Kulturdenkmäler im Kreisgebiet aufzuzeigen sowie deren Potential und Perspektiven auszuloten. Dieser Aufgabe hat sich der hessische „Landeslimesbeauftragte“ Thomas Becker angenommen.

Als im Frühjahr 2014 im Main-Kinzig-Forum die erfolgreiche Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. „Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart“ gezeigt wurde, erarbeitete das Zentrum für Regionalgeschichte die Ausstellungsergänzung „Auswanderer nach Russland aus unserer Region“ unter Mithilfe sich ehrenamtlich einbringender Experten. Das Leben und Wirken exemplarisch ausgewählter Auswanderer wie zum Beispiel Friedrich Wilhelm Bauer aus Bieber oder Vater und Sohn Cancrin aus Hanau gewannen so an Kontur. Die Ergebnisse sind im Mitteilungsblatt festgehalten.

Dass der Erste Weltkrieg auch Thema unserer Regionalgeschichte ist, zeigt anschaulich der Beitrag „Dörnigheim 1914“. Die hier zitierte Urkunde vom 1. August 1914 schließt Pfarrer Römhild mit seiner Einschätzung kommender Ereignisse: „Seit gestern wird der Mobilisationsbefehl auch für uns erwartet. Frankreich wird auf Seiten Russlands stehen. Wie sich England stellen wird, ist noch nicht entschieden. Wahrscheinlich wird es zunächst neutral bleiben, um schließlich ein gewichtiges Wort zu seinen Gunsten bei eventuellen Friedensverhandlungen in die Waagschale zu legen. Gott, der Allmächtige sei mit uns und gebe uns und unserem friedliebenden Kaiser nach kurzem aber siegreichem Kampf – wenn er eintreten muss – einen segensreichen Frieden.“ Heute wissen wir, dass es ganz anders gekommen ist. Ein Blick auf die Gedenkkultur zum Ersten Weltkrieg richtet Kunsthistorikerin Melanie Becker, indem sie Memorialzeugnisse aus evangelischen Gotteshäusern der Kirchenkreise Gelnhausen und Schlüchtern in Augenschein nimmt, die das Gedenken der Opfer zum Inhalt haben. Geschichte und Bedeutung zweier Gotteshäuser sind Gegenstand zweier Beiträge: Heimatforscher Erwin Rückriegel widmet sich der Kirche „Auf dem Berg“ in Niedergründau und Kunsthistorikerin Gudrun Fleckenstein der nun 50 Jahre alten Johanneskirche in Freigericht.

Naturkundlich blickt der passionierte Vogelschützer Raimer Thienhaus auf den Steinkauz (Athene noctua), der im Kinzigtal und seinen Nebentälern im Frei- und Linsengericht sowie Gründautal in den verbliebenen Streuobstbeständen noch attraktive Lebensräume vorfindet. John K. Mewes erzählt die leider fast abgeschlossene Geschichte einer Kulturlandschaft en miniature, die als Vogelkirschen-Plantage bei Neuberg begehrte Samen für den Obstanbau lieferte, inzwischen sich selbst überlassen ist und als „geschützter Landschaftsbestandteil“ vielleicht erhalten werden sollte.

Die einzelnen Beiträge stammen von Dr. Jürgen Ackermann, Melanie Becker, Thomas Becker, Dr. Jürgen Blumenthal, Gudrun Fleckenstein, Jan Fricke, Michael Kronberg, Joachim A. Lorenz, Herbert Ludwig, John K. Mewes, Peter Nickel, Gerhard Mieke, Maria Patzer, Dr. Götz Pfeiffer, Heinrich Quillmann, Christine Raedler, Erwin Rückriegel, Prof. Dr. Heinz Schilling, Heinrich Georg Semmel, Raimer Thienhaus, Dr. Stefan Wüsten.

Das Mitteilungsblatt wird herausgegeben vom Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kultur, Sport und Tourismus und ist zum Preis von 5,80 € im Bürgerportal des Main-Kinzig-Forums erhältlich. Zzgl. Versandkosten kann es bezogen werden bei: Main-Kinzig-Kreis – Zentrum für Regionalgeschichte, Barbarossastraße 16 -18, 63571 Gelnhausen. Interessenten können sich auch melden per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder unter Telefon 06051-8513730.

Foto: Das Titelbild des Mittelungsblattes zeigt eine Wandmalerei aus dem 14. Jahrhundert, die in der Katharinenkirche in Steinau freigelegt wurde.


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