Ein Polit-Thriller um Macht und Mitgefühl

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Die zweite Premiere der diesjährigen Brüder Grimm Festspiele steht vor der Tür: Am Samstag, 18. Mai, um 19.30 Uhr hebt sich im Amphitheater der symbolische Vorhang für "Maria Stuart" nach Friedrich Schiller.

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Die Produktion aus der Reihe "Grimms Zeitgenossen" ist übrigens wieder Chefsache: Intendant Frank-Lorenz Engel führt Regie in dem klassischen Drama um zwei starke Frauen.

Machthunger, Intrigen und erbarmungslose Willkür auf der einen, Stolz, Verzweiflung und Mitgefühl auf der anderen Seite – auf diese facettenreiche Sammlung menschlicher Gefühle und Abgründe können sich die Zuschauer der Brüder Grimm Festspiele freuen. Friedrich Schiller verewigte sie alle in seinem Drama "Maria Stuart" und erntete seinerzeit dafür ein Lob aus berufenem Munde. Jacob Grimm attestierte ihm ein "tragisches Talent", das "entschiedener und größer als in Goethe" sei. Gute Gründe genug, um im Rahmen der Reihe "Grimms Zeitgenossen" das Stück um zwei starke Frauen und ihren Kampf um den englischen Thron auf die Bühne zu bringen. Frank-Lorenz Engel hat sich des intensiven Literaturstoffes angenommen: "Es ist ein Polit-Thriller. An der Aktualität mit Intrigen und rücksichtslosen Machtspielen hat sich im Grunde wenig geändert – nur die Methoden sind heute vielleicht anders. Was mich an dem Stück reizt, ist das Spiel der beiden Frauen mit- und gegeneinander. Beide Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten mit viel Stolz, aber doch gefangen in ihrer gesellschaftlichen Position und den Regeln der damaligen Zeit."

Die Handlung in Kürze: Maria Stuart, Königin von Schottland, hat Anspruch auf den englischen Thron. Ihre Tante zweiten Grades, die herrschende Königin Elisabeth I. von England, aber fürchtet die Gefährdung der Krone, sollte Maria den Thron besteigen und hält sie bereits seit 19 Jahren an wechselnden Orten gefangen. Eine Hinrichtung scheint unausweichlich, aber Elisabeth verweigert immer wieder ihre Unterschrift unter das Todesurteil, versucht sogar noch, einen Gefängniswärter dazu zu bringen, Maria zu ermorden. Im Fokus des Schiller-Dramas stehen die letzten drei Tage im Leben der schottischen Königin. Sie entwickeln sich zu einem Dauer-Duell der beiden Widersacherinnen und ihrer jeweiligen Verbündeten, in dem Intrigen die Hauptrolle spielen, und das mit Marias Gang zum Schafott endet. Vor allem aber zeigt das Drama, das zu Schillers besten Werken zählt und noch heute mitreißen kann, eine tiefe innere Zerrissenheit zweier starker Frauen. Regisseur Engel ergänzt: "Aber anzunehmen, es gehe in dem Stück ausschließlich um politische Macht, ist zu kurz gesprungen. Auch Liebe und Leidenschaft spielen eine entscheidende Rolle: Ein Mann zwischen den beiden Frauen, beide lieben ihn- und Lord Leicester weiß das zu nutzen…"

Für die beiden Darstellerinnen, Madeleine Niesche (Elisabeth) und Katja Straub (Maria), machen tatsächlich auch die Konflikte, in denen sich ihre Figuren befinden, das Ganze besonders spannend: "Elisabeth scheitert an der Menschlichkeit", sagt Niesche, "der Befehl, Maria hinrichten zu lassen, ist ihr ein Greuel, und sie gibt ihn immer wieder weiter, weil sie mit der Schuld nicht klarkommt." Katja Straub ergänzt: "Beide Frauen sind in einer Machtposition, aber umgeben von Männern, die auch alle noch etwas von ihnen wollen. Ich finde das Besondere an meiner Figur, dass sie so menschlich ist." Vorbereiten würden sie sich auf die jeweilige Rolle wie auf jede andere auch, aber die Intensität, die in dem Stück und eben zwischen den Frauen herrsche, sei schon außergewöhnlich.

"Maria Stuart" ist ein Stück für Erwachsene und ältere Jugendliche und für Kinder nicht geeignet. Es wird bis zum 26. Juli insgesamt zwölf Mal abends aufgeführt. Neben Intendant Frank-Lorenz Engel als Regisseur sind noch Valentin von Lindenau (Komposition), Tobias Schunck (Bühnenbild), Ulla Röhrs (Kostüme) und Wiebke Quenzel (Maskenbild) im Kreativ-Team. Tickets für die Premiere am kommenden Samstag gibt es gegen Vorlage der GrimmCard der Sparkasse Hanau oder der Familienkarte Hessen mit einem Rabatt von 10 Prozent.

Hintergrund

Mit den Brüder Grimm Festspielen ehrt die Stadt Hanau seit 1985 die deutschen Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, die in Hanau geboren wurden. Jedes Jahr locken die preisgekrönten Festspiele rund 80.000 Besucher an. Bei den Grimm-Inszenierungen handelt es sich um Uraufführungen, die in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem "Deutschen Musical Theater Preis" ausgezeichnet worden sind. 2019 finden die 35. Festspiele mit den Stücken "Jacob und Wilhelm - Weltenwandler" (Musical/Premiere am 10. Mai), "Die Bremer Stadtmusikanten" (Familienstück mit Musik/Premiere am 1. Juni), "Schneewittchen" (Schauspiel/Premiere am 8. Juni) sowie "Maria Stuart" (Reihe Grimm Zeitgenossen/Premiere am 18. Mai) vom 10. Mai bis 28. Juli statt. Spielstätte ist das überdachte Amphitheater im Park von Schloss Philippsruhe. In der Reihe "Junge Talente" wird in der Wallonischen Ruine außerdem "Die Leiden des Jungen Werther" (Premiere am 19. Juli aufgeführt).

Weitere Informationen über die Brüder Grimm Festspiele gibt es im Internet unter www.festspiele.hanau.de. Tickets gibt es im Hanau Laden am Freiheitsplatz, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Internet unter www.frankfurt-ticket.de oder auch unter der Telefonnummer 069 / 13 40 400. Die Festspiel-Tickets berechtigen zwischen dem 10. Mai und dem 28. Juli 2019 auch zum kostenfreien Eintritt ins GrimmsMärchenReich, dem neuen Mitmachmuseum im Schloss Philippsruhe.

Foto-Copyright: BGF / Julian Freyberg

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