"Freigang": Neue Theatergruppe im Kinzigtal

Theater

Mit der Theaterwerkstatt Freigang hat sich im Kinzigtal eine neue Theatergruppe gegründet. „Die Lust darauf, anspruchsvolle, mitreißende und abendfüllende Stücke auf die Bühne zu bringen“, so formulieren ihre Mitglieder die Motivation zur Vereinsgründung. Sie proben bereits für ihre erste Inszenierung: „Terror“ von Ferdinand von Schirach. Die ersten drei Aufführungen sind für März und Mai 2020 im Theatrium in Steinau terminiert.

Morgenpost

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„Hier musst Du anders agieren als gegenüber der Staatsanwältin und dem Verteidiger“, instruiert Regisseur Gerold Lotz Hugo Huhn, der den Vorsitzenden der Gerichtsverhandlung spielt. „Gegenüber der Nebenklägerin trittst Du milder auf, Du hast ja auch Mitleid mit ihr, schließlich hat sie ihren Mann verloren.“ Hugo Huhn spricht seinen Part erneut, beim zweiten Mal trifft er die Stimmung, die sein Regisseur fordert. „Terror“ von Ferdinand von Schirach ist eine Gerichtsverhandlung, kein einfaches Stück, aber brandaktuell und es nimmt vor allem die Zuschauer in die Verantwortung, denn sie sind eingeladen als Richter zu fungieren und Larissa Koch für schuldig zu erklären oder frei zu sprechen. Larissa Koch ist Majorin der Luftwaffe und hat im Dienst ein Passagierflugzeug auf dem Flug von Berlin nach München abgeschossen. In der Maschine saßen 164 Menschen. Das Flugzeug war von einem Terroristen entführt worden, der es in die vollbesetzte Allianz-Arena bei München lenken wollte. Larissa Koch tötete 164 Menschen gegen den Befehl ihrer Vorgesetzten um 70.000 Menschen das Leben zu retten. Schuldig oder nicht?

„Man muss sich länger damit auseinander setzen. Schnell kann man sich da nicht entscheiden, das haben wir in vielen, langen Gesprächen untereinander gemerkt“, sagt Bernadette Huhn, die die Staatsanwältin spielt und im neu gegründeten Verein die Funktion der Schriftführerin übernommen hat. „Das Thema regt zu Diskussionen an“, so auch Hugo Huhn. „Auch weil wir in anderen Dimensionen dieser Problematik immer wieder selbst begegnen: das größere gegen das kleinere Übel eintauschen.“ Die Gruppe wolle zum Nachdenken anregen und die Zuschauer ermutigen, sich selbst an der Diskussion zu beteiligen, sagt Manfred Schäfer, Kassierer und auf der Bühne der Zeuge.
Untermalt wird die Aufführung durch Filmsequenzen, die das Schicksal der Nebenklägerin (gespielt von Maria Hummel) zeigt, deren Mann bei dem Abschuss ums Leben kam. Zuständig dafür ist Melanie Gräfen, stellvertretende Vorsitzende, die die schwierige Rolle der Larissa Koch mimt. Sie studiert Zeitbasierte Medien in Mainz und bringt damit das Know-How mit, um Bühnenspiel und Leinwandgeschehen miteinander in Einklang zu bringen. Auch Regisseur Gerold Lotz bringt viel Erfahrung und Know-How mit. „Mich faszinieren die Begeisterungsfähigkeit, Spiellust und das Engagement des Ensembles“, sagt Lotz. „Alle sind bereit und in der Lage, über eigene Schatten zu springen, sich einzubringen und einander mit großer gegenseitiger Wertschätzung zu begegnen.“

Perfekte Voraussetzungen für den neuen Verein – denn neben einer neuen Inszenierung pro Jahr, die die Freigänger den Zuschauern präsentieren wollen, sei ihnen auch das gezielte Training sehr wichtig, so Kassierer Manfred Schäfer. „Wir wollen uns darstellerisch weiter entwickeln.“ Dazu gehört auch Offenheit. „Wir freuen uns über Interessierte, die gerne bei uns mitspielen wollen“, sagt Bernadette Huhn. Ansprechpartner ist Hugo Huhn (Handy: 0171/89 59 732, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Die Aufführungen im Theatrium Steinau sind terminiert auf Donnerstag, 12. März 2020, Samstag, 14. März 2020, und Samstag, 8 Mai 2020, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es im Theatrium. Weitere Infos unter www.theatrium-steinau.de.

Foto: Die Gründungsmitglieder der Theaterwerkstatt Freigang in ihren Rollen (hinten links nach vorne rechts): Doris Niederreiter (Moderatorin/Justizbeamtin), Gerold Lotz (Regisseur/Verteidiger), Hugo Huhn (Vorsitzender), Bernadette Huhn (Staatsanwältin), Manfred Schäfer (Zeuge), Melanie Gräfen (Angeklagte) und Maria Hummel (Nebenklägerin). Es fehlt Sebastian Dietz.


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