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Im Wald befindet sich auch der Christbaumanbau „Wolf‘s Spessarttanne“. Am höchsten Punkt der Christbaum-Plantage hat man einen Blick über die Christbäume und den Ort Mittelsinn. Die Bäume stehen senkrecht zum Hang in ordentlichen Reihen.

Zwischen den Bäumen ist so viel Platz, dass man durchgehen kann. Die Fläche ist in verschiedene Abschnitte eingeteilt. In den einzelnen Abschnitten sind die Bäume gleich groß. Einige Bäume liegen schon in Netze verpackt auf dem Boden – fertig zum Abholen. Ein Zaun mit Tor trennt die Christbäume von dem Wald ab. Steffen Wolf öffnet das Tor und geht voran. Der Boden ist weich und vereinzelt liegen braungefärbte Blätter auf dem Boden. Bei jedem Schritt hört man ein Rascheln. Es riecht nach Tanne – nach sehr vielen Tannen. Steffen Wolf schätzt die Anzahl der Bäume im fünfstelligen Bereich. „So genau weiß ich das gar nicht.“

Wolfs Familie führt seit 30 Jahren den Christbaumanbaubetrieb „Wolf’s Spessarttanne“. Er war sechs Jahre alt, als der Großvater den Betrieb von Kühen auf Christbäume umstellte. Jetzt betreibt Wolf das Geschäft mit seinem Vater im Nebenerwerb. Landwirtschaft in der Hanglage zu betreiben sei sehr aufwendig. So stiegen mit der Zeit weitere Landwirtbetriebe in Mittelsinn auf den Christbaumanbau um. Der 800-Einwohner-Ort hat 30 familienbetriebene Christbaumanbauunternehmen. Am Ortseingang der Gemeinde Mittelsinn hängt ein Banner mit der Aufschrift „Willkommen im Christbaumdorf“.

Jeder Anfang beginnt klein, auch bei den Christbäumen. Die Setzlinge bestehen aus einem dünnen Stiel mit einzelnen Tannenzweigen. Die jüngsten Bäume sieht man aus der Ferne kaum. Neben den hohen Grasbüscheln gehen sie unter. Die neuen Christbäume werden im Frühjahr angepflanzt, erklärt Wolf. Die dreijährigen Setzlinge kämen von der Baumschule. Sie reichen nicht mal bis zu den Knien. In jungen Jahren wüchsen sie sehr langsam. „Erst wenn sie größer sind, geht es schneller vorwärts.“ Bis die Bäume eine Zimmerhöhe von ungefähr 2,50 Meter erreichen, dauere es ungefähr 13 Jahre.

Die ausgewachsenen Bäume sehen aus, wie man sich einen Christbaum vorstellt. Gutes Wachstum benötigt jedoch viel Pflege. „Das Unkraut gehört beseitigt. Vor allem die Jungpflanzen dürfen nicht im Unkraut stehen, damit sie sich entwickeln können.“ Außerdem sei es wichtig, dass der Sommer nicht zu trocken ist. Dann setzten die Jungpflanzen nicht an und trocknen aus. Auch beim Wachstum der Nadelbäume werden „Schnitt- und Korrekturmaßnahmen“ vorgenommen, „um die Qualität zu erhalten. Man reguliert den Trieb von der Spitze, damit sie nicht so lang wird. Dadurch erhält man dann regulierte Abstände. So wirken die Weihnachtsbäume voller.“ Dabei wird mit einer Zange in die Rinde gezwickt, um den Saftstrom zu unterbrechen. „Außerdem werden Schnittmaßnahmen mit der Gartenschere vorgenommen, um einen gleichmäßig gewachsenen Baum zu erzeugen.“

„Man hat das ganze Jahr seine Tätigkeiten mit den Christbäumen“, erklärt Wolf. Nach Weihnachten müsse die Anbaufläche aufgeräumt, abgegraben und der Boden gemulcht werden. Vater und Sohn sind die einzigen Mitarbeiter. Nur bei der Erntezeit ab Mitte November helfe ein Saisonarbeiter aus. „Das ist natürlich schon eine stressige Zeit vor Weihnachten, aber das ist halt so.“ Leidenschaft sei bei diesem Job essentiell. „Draußen in der Natur zu arbeiten macht mir Spaß“, erklärt Wolf. „Ich bin damit groß geworden.“

Die Wolfs pflanzen größtenteils Nordmanntannen an, weil die am beliebtesten sind. Das liege an der langen Haltbarkeit und den weichen Nadeln. „Die Nadeln fallen bei einer gesunden Nordmanntanne nicht ab. Den Baum kann man bis Heilige Dreikönige ohne Probleme stehen lassen.“ Beim Kauf sei darauf zu achten, dass der Baum frisch und die Nadeln saftig seien. Beim Rütteln sollten die Nadeln stabil sein. Zu Hause müsse der Baum schnell ins Wasser und regelmäßig gegossen werden. Neben Nordmanntannen bieten sie vereinzelt Blautannen und Rotfichten an. Im Topf verkaufen sie keine Weihnachtsbäume. „Das Wiedereinpflanzen ist schwierig und die wenigsten Bäume gehen wieder an.“ Zudem besäßen Nordmanntannen eine Pfahlwurzel. Eine Pfahlwurzel geht, wie der Name sagt, senkrecht nach unten. „Ein großer Baum hat eine große Wurzelmasse, und dann braucht man schon ziemlich große Töpfe.“

Wolf hat den Eindruck, dass die Zahl der verkauften Bäume im vergangenen Jahr „um einen Tick“ gestiegen sei. Ein Grund könne sein, dass die Menschen über Weihnachten auf Grund der Coronapandemie nicht mehr in Urlaub fahren, vermutet er. In Deutschland würden jährlich um die 25  Millionen Bäume verkauft. 70 Prozent der in Deutschland verkauften Bäume seien auch regional produziert worden, sagt der Christbaumanbauer.

Nicht alle Bäume sind kerzengrade. Einer wächst schräg, fast parallel zum Boden. Er wurde vermutlich vom Traktor umgefahren und ist schief gewachsen. „Wollt Ihr einen mitnehmen?“, fragt Wolf. „Vielleicht nehmen wir den Schrägen.“ – „Wir retten gerne Bäume.“ Wolf geht zum Traktor und holt die Kettensäge. Das Motorengeräusch ertönt und in wenigen Sekunden ist der schiefe Baum gefällt. „So einen bekommt ihr wahrscheinlich nie wieder. Das ist ein Unikat“, sagt Wolf. Der Baum schmückt jetzt die Redaktion des Medienhauses.

Fotos: © Katrin Henn (POW)



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