Sven Ratzke verneigt sich vor David Bowie

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Mit der Deutschland-Premiere seines aktuellen Programms am 14. Oktober in Berlin verneigt sich der deutsch-niederländische Entertainer wie bereits in "Starman" vor David Bowie.

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Direkt danach, am 18. Oktober, kommt Sven Ratzke auf Einladung des KUKI nach Steinau in die Katharinenkirche. Anlass ist die Eröffnung des Katharinenmarkts in diesem Jahr mit einem neuen Kulturkonzept. Der Zweiundvierzigjährige ist Sänger, Entertainer, Musicaldarsteller - ein deutsch-holländischer Gesamtkunstwerker, der in keine Schublade passt.

Die Lied-Auswahl berücksichtigt das Frühwerk von Bowie (u.a. "Space Oddity" und "The Man Who Sold the World"), die 80er (u.a. "Ashes to Ashes" und "Absolute Beginners") sowie die letzten Songs des 2016 gestorbenen Künstlers: "Where are we now" („Wo stehen wir jetzt?“) lautet auch das Motto des Abends. Dieser Titelsong der Show ist gerade als Video auf YouTube zu sehen. Schnell sind wir im Gespräch beim Du, „denn in Holland siezen wir ja nur die Königin“, sagt Ratzke und lacht.

In einem YouTube Clip zerlegst Du Bowies „Heroes“, Du gibst ihm einen langsameren Rhythmus, betonst den Refrain anders, machst eine Ballade draus: Das ist kein Cover Song, dein Auftritt in Steinau wird keine „Tribute Show“?
Sven Ratzke: "Nee, ich interessiere mich nicht für das Covern, das meine ich jetzt nicht böse, doch das ist was für Amateure. Als Künstler, als Sänger kann ich Interpretationen wagen, die sind dann ein Kompliment an den Komponisten und Texter Bowie. Seine Songs sind so gut, dass man sie neu interpretieren kann, ohne das Original aus den Augen zu verlieren. Aber ich kann ihnen meine eigene Seele einhauchen. Ich habe ihn erst als Erwachsener entdeckt und gemerkt, der war ja ein Gesamtkunstwerk, der hat damals so viele verschiedene Figuren dargestellt, hat Regeln gebrochen und ganz neue Sachen erschaffen: Das war Theater, was der inszeniert hat..."

...Ziggy Stardust!
Sven Ratzke: "Genau. Ich hatte eigentlich mit Brecht & Weill und solchen Sachen angefangen, also bereits Musiktheater gemacht. Später gab ich die transsexuelle Punkdiva in „Hedwig and the angry inch“ und Bowie ist mir immer näher gekommen. 2013 habe ich gedacht, ich muss jetzt mal seine Lieder singen. Wir haben die persönliche Erlaubnis dazu von ihm: „Go ahead“, meinte er. Daraus entstand die Show „Starman“, das war ein theatralischer Trip in Bowies Universum der 1970er-Jahre. Bowie ist 2016 während unserer Tour gestorben, die wurde dann weltweit als Trostprogramm erlebt. Zehn Jahre lang hätten wir das wohl noch machen können, aber ich wollte aufhören und habe eine neue Show mit seinen Songs entwickelt. Mit denen komme ich auch nach Steinau, lediglich mit dem Pianisten Christian Pabst. Doch der zaubert auf dem Flügel das, was sonst eine ganze Band macht. Die Show ist ruhiger, einige Texte sind mit meiner Trauer nach dem Tod von Bowie angereichert. Aber das wird kein sentimentales Konzert..."

...also nicht nur Balladen?
Sven Ratzke: "Nee. Die Leute müssen nicht zwei Stunden lang da sitzen und sich traurige Lieder anhören, es gibt auch die verrückten Ratzke-Erzählungen. Ich bin ja der Entertainer und meine Aufgabe ist es, das Publikum mitzunehmen in meine wechselnde Welt von Realität und Fantasie. Ich entführe sie mit meinen skurrilen Geschichten zwischen den Liedern. Christian und ich machen dabei eine gute musikalische Mischung, auch mit rockigeren und unbekannteren Stücken. Ich habe querbeet ausgewählt, welche von Bowies Liedern mich berührt und fasziniert haben: Das ist meine ganz persönliche Auswahl."

Du agierst weltweit auf großen Tribünen, warum gehst Du auf kleine Bühnen wie in Steinau? Weil Du Geld brauchst...
Sven Ratzke (lacht): "...ich tue gar nichts für Geld, wenn mich was nicht interessiert, dann mache ich das nicht! Deshalb war mein Weg in den letzten zwanzig Jahren vielleicht etwas steiniger, weil ich mich gegen den Kommerz entschieden habe. Ich arbeite auch manchmal umsonst, wenn Menschen meine Hilfe benötigen und ich sie mag. Auf kleinen Bühnen bin ich gerne, weil ich den Leuten dann näher bin, man riecht einander und spürt sich: außerdem kann ich mich nicht verstecken. Das habe ich richtig vermisst, als wir eine Zeitlang nur auf großen Bühnen waren. Als ich danach wieder in kleineren Sälen war, habe ich richtig Lampenfieber bekommen. Also was Tim Fischer, Georgette Dee oder ich machen, das kommt aus dem englischen Cabaret, also aus den kleinen Nachtclubs, wo man mit Musik oder Worten seine Geschichten erzählt. Man kreiert auf engem Raum gemeinsam etwas mit dem Publikum, man erlebt bestimmte einmalige Momente. Darum kann ich wohl auch nie aufhören auf der Bühne zu sein: ich kann mich nur so ausdrücken. Das ist mein Leben!"

Warum heißen das Video und die Show „Where are we now?“
Sven Ratzke: "Der Song wirft Fragen auf, dauernd ist man in Bewegung oder denkt an morgen. Nun hält man mal still, schaut zurück und kann sich persönlich fragen, wo befinde ich mich jetzt gerade. Aber das Stück ist auch politisch gemeint, man kann fragen, was ist mit der Welt los? Bowie hat Lebensfragen aufgeworfen."

Foto-Quelle: Hanneke Wetzer

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