Spielbanken in der Taunus-Region: Top oder Flop?

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Wer in der Region Main-Kinzig wohnt, hat es nicht sehr weit bis zur nächsten Spielbank.

logoanzeigeIn einem Umkreis von nur 100 Kilometern rund um Hanau befinden sich beispielsweise mit Bad Homburg, Mainz und Wiesbaden gleich drei renommierte Häuser. Am nächsten liegt die seit 1841 existierende Spielbank Bad Homburg in der gleichnamigen Stadt des Hochtaunuskreises. Wie die meisten Spielbanken verspricht sie bis heute ein mondänes Flair, eine von großen Siegen und Niederlagen geprägte Atmosphäre mit knisternder Spannung. Allerdings sind die Zeiten für Spielbanken schwieriger geworden, was nicht zuletzt an Konkurrenz aus dem Internet liegt. 

Spielbank Bad Homburg – die Mutter von Monte Carlo

Gründerväter der Spielbank in Bad Homburg auf der Höhe waren die beiden Brüder François und Louis Blanc. Am 23. Mai 1841 feierte man Grundsteinlegung für das Kurhaus in Bad Homburg. Zugleich konnten Casinogäste im Ort das erste Mal in der neuen Spielbank am Roulettetisch spielen. Gut fürs Marketing war eine Innovation. Die fürs amerikanische Roulette typische Doppel-Null gab es in Bad Homburg nicht. Stattdessen gab es neben den normalen Zahlen 1, 2, 3 … nur die „0“. Und bei einem Roulette mit „0“, aber ohne „00“ sind die Gewinnchancen für Spielerinnen und Spieler größer. Das sprach sich schnell herum.

Bereits Ende 1872 war erst einmal Schluss mit der Spielbank in Bad Homburg, denn das Haus der Landgrafen von Hessen-Homburg starb aus. Das Fürstentum wurde damals preußisch und in Preußen waren der Betrieb von Spielbanken verboten. Louis Blanc erlebte das nicht mehr. Er war bereits 1850 gestorben. Und sein Bruder François Blanc? Er hatte sich 1863 eine Konzession für eine Spielbank in Monaco gesichert und mit seiner Frau Marie auch den Spielbetrieb in Monte Carlo übernommen. Fälschlicherweise wird er bisweilen auch als Gründer der dortigen Spielbank bezeichnet, was so allerdings nicht stimmt. Fakt ist jedoch, dass er einiges zu ihrem Erfolg beigetragen hat.

Erst 1949 begann auch wieder ein neues Kapitel des Spielbankbetriebs in Bad Homburg und zwar unter Hermann Heidtmann. Da die Spielbank in Monte Carlo inzwischen berühmt war, nannte man das Bad Homburger Haus fortan unter anderem die „Mutter von Monte Carlo“. Nachfolger Heidtmanns wurde 1976 Werner Wilhelm Wicker. Und als der Vertrag mit der Wicker-KG Ende 2012 auslief, wurde die François-Blanc-Spielbank-Gesellschaft GmbH zum Betreiber der Spielbank Bad Homburg. Sie startete gleich einmal eine ganze Reihe von Renovierungs- und Umbaumaßnahmen und betreibt die Spielbank bis heute.

Es ist nicht ganz einfach, aber es geht

Heute ist die Spielbank Bad Homburg ein Ort zum Glücksspiel mit dem laut eigener Angaben größten Spielangebot im Rhein-Main-Gebiet. Sie ist zusätzlich ein Ort zum Feiern in der CasinoLounge und für Genuss im hauseigenen Restaurant. Zu ihrem Spielangebot gehören neben Roulette, Black Jack und Poker viele Automatenspiele. Einige Umsatzzahlen für die Spielbank Homburg findet man im Beteiligungsbericht 2016 der Stadt Homburg. Demnach stieg der Umsatz der Spielbank zwischen 2015 und 2016 von 33,105 Millionen auf 34,761 Millionen Euro.

Das ist gut. Aber die Entwicklung der Kennzahlen war keineswegs immer positiv. „Mitte der 2000er Jahre sanken die Einnahmen der Spielbanken“, heißt es etwa in einem Artikel der Taunus Zeitung von 2016, der die Geschichte der Spielbank Homburg ab 1976 thematisiert. Als Gründe für sinkende Erträge nennt die Zeitung zum Beispiel den neuen Staatsvertrag, eingeschränkte Werbemöglichkeiten und das Gesetz zum Schutze der Nichtraucher, das ihr zuolge „allen Spielbank-Betreibern hohe Kosten verursachte“.

Hinzu kam eine wachsende Onlinekonkurrenz. Die ersten Onlinecasinos gab es zwar bereits in den 90er Jahren, aber erst nach dem Jahrtausendwechsel kam die Onlinebranche so richtig in Fahrt. Das zeigt etwa die Studie „Die Digitalisierung des Glücksspiels“ vom Handelsblatt Research Institute aus dem Oktober 2017. Laut Studie lag der Anteil des Onlinesektors an den Bruttospielerträgen am globalen Glücksspielmarkt 2006 bei 5,7 Prozent und 2016 bereits bei 10,6 Prozent. Onlinecasinos hatten 2016 einen Anteil von 25 Prozent an den Bruttospielerträgen des globalen Online-Glücksspielmarktes, so die Studie weiter.

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All das machte sich in den Umsatzzahlen bemerkbar. Zwar zeigen einige in letzter Zeit wieder einen Aufwärtstrend: Das Umsatzniveau war dennoch vor etwa zehn Jahren deutlich höher. So verzeichnete der Deutsche Spielbankenverband für die Spielbanken im Land zwischen 2007 und 2017 einen Umsatzrückgang von 923 Millionen Euro um 34 Prozent auf 607 Millionen Euro. Die Zahl der Besucher sank im selben Zeitraum von 8,9 Millionen um 38 Prozent auf 5,5 Millionen. Keine Frage: Die Zeiten für Spielbanken sind nicht unbedingt besser geworden.

Onlinecasino oder Spielbank?

Alte und neue Online-Casinos machen Spielbanken wie der in Bad Homburg Konkurrenz, weil sie eine Reihe von Vorteilen besitzen, die Spielbanken Spielerinnen und Spielern nicht bieten können. Praktisch jeder glücksspielinteressierte Erwachsene kann sich heute zu Hause bequem vor einen PC setzen, muss dabei keine Kleidungsvorschriften beachten und genießt das Spiel in einem Onlinecasino. Alternativ loggt er sich unterwegs mit dem Smartphone ein, um beispielsweise während der Wartezeit beim Arzt oder auf der Zugfahrt zu spielen. Das Spielangebot ist groß und oft locken die Onlinecasinos mit attraktiven Boni.

All das bieten Spielbanken nicht. Haben sie da noch die Chance auf eine Zukunft? Die Antwort lautet „ja“, denn sie geben wiederum Spielerinnen und Spielern etwas, was Onlinecasinos nicht oder nicht im selben Maße geben können: eine ganz besondere Atmosphäre, Flair und manchmal ein Hauch von großer Welt. Bisweilen ist es ja gerade schön, sich erst einmal zurecht machen zu müssen, weil in der Spielbank eine Kleiderordnung herrscht. So bittet die Spielbank Bad Homburg ausdrücklich um „angemessene Garderobe (keine Freizeitkleidung, Sandalen oder Sportschuhe)“ und nennt Sakko sowie Hemd oder Shirt mit Kragen obligatorisch.

Durch solche Regeln wird man ein Teil der mondän wirkenden Welt, die durchaus ihren eigenen Reiz hat. Die Zeit am Roulette- oder Black-Jack-Tisch lässt sich zudem einbinden in einen Abend mit Spaß am Spiel, Genuss im Restaurant und einen Absacker an der Bar. Der Abend wird so zum Gesamtevent. Und wenn man anfängt, so etwas zu genießen, dann ergänzen sich die Vorzüge von Spielbank und Onlinecasino plötzlich sehr gut. Viel Spaß kann nämlich beides machen, solange man die Regeln eines verantwortungsbewussten Spiels dabei berücksichtigt. Vielleicht sollte man sich ja beides bisweilen gönnen?

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