Einsatz für Mensch und Menschenrechte

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Koordination und Beratung von Ehrenamtlichen, Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden, Unterstützung im Asylverfahren: Die Liste von Aufgaben, mit denen sich Diplom-Sozialarbeiterin Maria Seipel vom Fachdienst „Hilfen für Flüchtlinge“ des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis beschäftigt, ist lang.

Seit 2015 war sie dabei auch für die Gemeinde Freigericht als Flüchtlingsberaterin und Ehrenamtskoordinatorin tätig. Nach einem erfüllten Berufsleben geht es für die 63-Jährige aus Gelnhausen nun in den wohlverdienten Ruhestand. Zuvor jedoch wirft sie noch einmal einen Blick zurück auf ihre Arbeit und die Begegnungen mit den vielen Menschen, die sie dabei hatte.

Denn es sind die Entwicklungen von Menschen und ihren Beziehungen, die sie schon immer fasziniert hätten, wie sie zugibt. Auch als gelernte Arzthelferin sei sie dabei schon oft mit diesen Problemen und Herausforderungen konfrontiert worden. „Hier habe ich mir mehr Hintergrundwissen gewünscht“, erinnert sie sich zurück. In der Elternzeit habe sie dann die Entscheidung getroffen, auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nachzuholen und anschließend Soziale Arbeit an der Fachhochschule in Fulda studiert. Dabei ist es das Thema Menschenrechte, das ihr ganz besonders am Herzen liegt. Schon während ihrer Studienzeit hat sie sich intensiv mit den Themen Flucht und Migration beschäftigt, in ihrer Freizeit ehrenamtlich Asylsuchende betreut. Mit der ersten großen Flüchtlingswelle in den 90er Jahren wurde aus dem Ehrenamt dann ein Hauptamt in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gelnhausen. Nach dem Abflauen der Flüchtlingswelle führte ihr Weg sie als Landesbeschäftigte in die Justiz, wo sie als Bewährungshelferin mit überwiegend jugendlichen Straftätern arbeitet. Als sich 2014 jedoch abzeichnete, dass erneut eine große Anzahl von Flüchtlingen nach Deutschland kommen würde, stand für sie schnell fest, wieder in ihr altes Berufsfeld zu wechseln. Für sie war die Arbeit mit den Geflüchteten eine Herzensangelegenheit, wie sie am Ende ihres Berufslebens mit einem Lächeln zusammenfasst: „Es war nicht nur ein Job sondern eine Berufung.“ Selbst zehn Jahre nach Kriegsende geboren, habe sie noch sehr deutlich die Nachwirkungen von Krieg und Unrechtsstaat erleben können. Dafür, selbst in Frieden und Freiheit aufzuwachsen und mit Ihrer Familie in einem demokratischen Land leben zu dürfen, ist sie sehr dankbar. Seipel engagierte sich während der 80er Jahre intensiv in der Friedensbewegung, war unter anderem Sprecherin des hessischen Flüchtlingsrates und Mitglied im Friedensbeirat des Main-Kinzig-Kreises. Aber auch als professionelle Sozialarbeiterin konnte sie etwas an die Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten mussten, zurückgeben. „Ich habe große Hochachtung vor diesen Menschen, die so viel durchgemacht haben. Sie verdienen es, dass man ihnen bei der Integration in unsere Gesellschaft die nötige Hilfe zur Verfügung stellt“, betont sie. Bei ihrer Arbeit hat sie Menschen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen kennengelernt und dies als große persönliche Bereicherung empfunden. Der zunehmende Rassismus in der Gesellschaft erfüllt sie deshalb mit Sorge. Sie führt diesen auf eine Angst vor dem Fremden zurück, die nur überwunden werden könne, in dem man sich ihr stelle und sich für Unbekanntes öffne. Durch persönliche Kontakte und den menschlichen Umgang miteinander können Ängste und Vorurteile schnell abgebaut werden. „Am Ende meiner beruflichen Laufbahn habe ich die feste Überzeugung gewonnen, dass alle Menschen auf dieser Welt eigentlich nur in Frieden miteinander leben wollen“, fasst sie zusammen. Auch wenn es ihr eigentlich zu pathetisch klinge, so findet sie doch: „Die Humanität ist der Kitt, der am Ende unsere Welt zusammenhält.“

Ein schönes Beispiel für diese Menschlichkeit habe sie dabei auch in Freigericht miterleben dürfen, wie sie mit Blick auf das großartige ehrenamtliche Engagement zur Flüchtlingshilfe vor Ort feststellt. Die vielen motivierten Menschen, die sich hier einbringen, um den Geflüchteten das Ankommen in ihrer neuen Heimat etwas zu erleichtern, habe sie in ihrer Arbeit sehr getragen: „Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre diese Arbeit gar nicht leistbar gewesen“, ist sie überzeugt. Sie bezeichnet diese Haltung als großen Beitrag zum sozialen Frieden in unserem Land. Dieses schwierige Ehrenamt vor allem in den Jahren 2015 und 2016 in feste Organisationsstrukturen zu lenken, war dabei eine ihrer großen Herausforderungen. Wie gut dies gelungen ist, zeigt auch der „Preis für Solidarität“, mit dem das Projekt 2017 vom Bistum Fulda ausgezeichnet worden ist. Auch der Töpferkurs für geflüchtete Frauen, den sie als Begleitprojekt ins Laufen gerufen hat, ist ein voller Erfolg für die Entwicklung der Flüchtlingsfrauen. Gerade mit diesen sei im Laufe der Zeit eine besonders intensive Beziehung entstanden, wie Seipel verrät. Und so überrascht es wenig, dass grade hier der Abschied voneinander ein emotionaler Moment für beide Seiten war. Sie freut sich sehr, dass die Zusammenarbeit des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis mit der Gemeinde Freigericht auch nach ihrem Ruhestand ebenso wie der Töpferkurs für die geflüchteten Frauen fortgesetzt werden wird. „Die vier Jahre hier waren eine intensive Zeit, die mich noch einmal sehr erfüllt hat und an die ich mich gerne zurück erinnern werde“ Dies gelte auch für die Arbeit im Caritas-Verband, in dem sie sich sehr wohlgefühlt habe. Dabei lobte sie sowohl die intensive Teamarbeit mit den Migrationsberaterinnen und -beratern, als auch mit den verschiedenen Fachbereichen innerhalb der Caritas, mit denen sie punktuell fachlich zusammengearbeitet habe.

Auch wenn mit dem Ruhestand nun eine neue Lebensphase für die engagierte Sozialarbeiterin beginnt, wird auch diese gewiss nicht langweilig. So spielt Seipel bereits mit dem Gedanken, sich ehrenamtlich im Weltladen zu engagieren, um zur Bekämpfung von Fluchtursachen beizutragen und den fairen Handel zu unterstützen. Auch Reisen steht auf dem Plan. „Und dann habe ich Enkelkinder, die auf mich warten und sich darauf freuen, mal mehr Zeit mit der Oma zu verbringen“, fasst sie mit einem Lachen zusammen.

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