IHK-Konjunkturbericht: Deutliche Warnsignale

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Noch läuft die Konjunktur im Main-Kinzig-Kreis im Großen und Ganzen rund. Fast alle Unternehmen aus den wichtigen Branchen in Hanau und im Landkreis beschreiben ihre aktuelle Lage weiterhin als recht gut oder befriedigend – so die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern nach Auswertung ihrer Mai-Konjunkturumfrage. Zugleich warnt die IHK: Am Horizont braut sich etwas zusammen.

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Ob gerade ein mehr oder minder schweres Sommergewitter entsteht oder ob der Beginn einer Konjunktur-Eiszeit ansteht, lässt sich noch nicht ausmachen. Die Wahrscheinlichkeit spricht für das erstere. Betroffen von der einsetzenden Konjunkturdelle sind aktuell vor allem einige Industriebetriebe, vor allem Kfz-Zulieferer, aber auch viele Geldhäuser sowie der klassische Einzelhandel. Diese drei Branchen stehen ohnehin vor großen Umbrüchen – neue Formen der Mobilität und die Digitalisierung verlangen teils massive Veränderungen. Es geht in diesen Fällen nicht nur um das Konjunkturelle Auf und Ab.

Solide Lage, weniger gute Erwartungen
Noch immer stufen laut den 212 Antworten 40,1 Prozent der Unternehmen mit Sitz im Main-Kinzig-Kreis ihre Lage als „gut“ ein. „Einerseits sind das 10,2 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Andererseits ist es ein gutes Zeichen, wenn vier von zehn Unternehmen mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden sind. Die Binnennachfrage stimmt! Beruhigend ist, dass die Zahl der ‚schlecht‘-Meldungen seit Mai 2018 nicht genauso stark gestiegen ist, wie die ‚gut‘-Meldungen gesunken sind, sondern bloß um 4,1 Prozentpunkte auf nunmehr 9,4 angestiegen sind. Auch das ist im Vergleich über viele Jahre hinweg ein ordentlicher Wert“, bewertet IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde eines der zentralen Ergebnisse der Umfrage.

Im Jahresverlauf stieg vor allem die Zahl derjenigen Unternehmen, die ihre Geschäftslage als „befriedigend“ bezeichnen. Aktuell sehen es 50,5 Prozent so, im Mai 2018 hatte diese Kennzahl noch bei 44,4 Prozent gelegen. Eine Detailanalyse der großen Wirtschaftszweige zeigt, dass neben dem Großhandel und denjenigen Dienstleistern, welche für die Industrie tätig sind, auch die Hersteller von weltweit stark gefragten Investitionsgütern noch immer über eine exzellente Wirtschaftslage berichten. Auch in allen anderen Branchen liegt der Saldo von „gut“- und „schlecht“-Mitteilungen oberhalb der sehr soliden Schwelle von 30 Punkten – wenn der Einzelhandel, Teile der Industrie und die Finanzbranche ausgeklammert werden!

Wesentlich vorsichtiger fallen im Main-Kinzig-Kreis die Angaben der Unternehmen zu ihren Erwartungen für die Zukunft aus. Nur noch 18,4 Prozent aller Unternehmen hoffen auf eine wirtschaftliche Belebung, aber 19,3 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Vor einem Jahr gab es noch 23,8 Prozent Optimisten und nur 10,5 Prozent Pessimisten. „Die Zukunftserwartungen trüben sich ein. Erstmals seit Herbst 2014 gibt es mehr Pessimisten als Optimisten“, warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Anfang 2018 lag die Zahl der optimistisch in die Zukunft schauenden Unternehmer um 19,9 Prozentpunkte über der der Pessimisten, seitdem beginnt sich dieser Saldo mehr und mehr auf die Seite der Pessimisten hin zu verschieben. Vor allem die Hersteller von Vorleistungsgütern, zu denen zum Beispiel die Kfz-Zulieferer zählen, erwarten deutliche Umsatzeinbußen in den kommenden Monaten. Gleiches gilt auch für die Erzeuger von Ge- und Verbrauchsgütern. Skeptisch sind auch die Großhändler, die internationalen Handelsbeschränken beginnen zu greifen und diese schaden ihnen. Der klassische Maschinenbau hingegen erwartet vorerst einen weiteren Konjunkturschub, seine Produkte sind von den um sich greifenden Handelsbeschränkungen noch nicht betroffen. Weiterhin recht gut dürfte es auch in denjenigen Dienstleistungsbetrieben laufen, die industrienah arbeiten. Doch das ändert nichts am Gesamtbild: Unter dem Strich trüben sich die Aussichten ein.

Ein weiterer Belegt dafür ist das weitere Abfallen des IHK-Konjunkturklima-Indikators: Entsprechend den leicht verschlechterten Lagebewertungen und den verhaltenen Erwartungen sinkt er um 6,7 Punkte auf 113,8. Im Januar hatte die Kennzahl noch bei 120,5 und im Mai 2018 bei sehr hohen 128,2 Punkten gelegen. „Aktuell liegt der Indikator immer noch im positiven Bereich, also über 100. Seit Anfang 2018 kennt er aber nur noch eine Richtung: nach unten. Ich sehe im Moment keine Impulse aus der Politik und Wirtschaft, die diesen Rückgang drehen könnten“, sorgt sich der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Die Konjunktur droht, sich deutlich abzuschwächen, und die Industrie macht wie üblich den Anfang. „Das ist noch kein schwerer Absturz, aber ein sehr deutliches Signal an die Politik in Berlin, dass jetzt schnell etwas geschehen muss“, warnt Quidde und betont: „Es wäre unfair, die Bundesregierung für die Konjunktureintrübung verantwortlich zu machen. Denn daran sind eher ausländische Faktoren schuld. Aber in Berlin hat man es in der Hand, das Wachstum wieder anzukurbeln: Die deutsche Wirtschaft leidet unter hohen Energiekosten und Steuern. Hier ist die Bundesregierung gefordert!“

Vollbeschäftigung stützt die Konjunktur
Aus den Unternehmensantworten lässt sich ferner ablesen, dass das deutlich verschlechterte Wirtschaftsklima noch nicht zu nennenswerten Streichungen bei den Investitionen führt. Ganz im Gegenteil: Es soll dieses und nächstes Jahr hierzulande wieder kräftig in Maschinen und Anlagen investiert werden. Neben der fälligen Deckung des Ersatzbedarfs kommen auch die lang ersehnten Motive „Kapazitätserweiterungen“, „Rationalisierung“ und „Produktinnovationen“ wieder in Betracht. „Da alle drei Motive eng miteinander verwoben sind, ist davon auszugehen, dass sowohl die Industrie als auch weite Teilbereiche des Handels und der Dienstleistungsbranche erkannt haben, dass sie eine ausgezeichnete Zukunftschance haben, wenn sie ihre Hausaufgaben im Fach Digitalisierung gemacht haben. Stimmen die Produkte, sind sie auf dem Weltmarkt weiterhin attraktiv“, macht Quidde Mut.

Wie wirkt sich die bevor stehende Welle an digitalen Veränderungen im Produktionsprozess auf den Arbeitsmarkt aus? Die IHK-Umfrage lässt hoffen: Auch bei den Personalplänen ist vorerst kein Stopp angedacht. Die Einstellungsbereitschaft in den Unternehmen bleibt hoch, abgesehen von den Branchen Finanzwirtschaft, Einzelhandel und bei den industriellen Herstellern von Vorprodukten – das sind im MKK die Kfz-Zulieferer.

Ende April waren im Hanauer Bezirk der Agentur für Arbeit nur noch 9.353 Personen arbeitslos gemeldet, darunter 6.298 Menschen mit einer Grundsicherung über das Kommunale Center für Arbeit. Im ganzen Main-Kinzig-Kreis herrscht fast schon Vollbeschäftigung, außer in manchen Hanauer Stadtteilen. Bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent und einem ungebrochenen Fachkräftemangel ist davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit notwendige Entlassungen nicht zu einer sich verfestigenden Arbeitslosigkeit auf höherem Niveau führen.

„Digitalisierung, neue Produkte, besserer Service: Momentan werden in der Wirtschaft die Weichen für die Zukunft gestellt. Eine Konjunkturkrise muss nicht kommen, wenn die Politik in Berlin jetzt die Bürger entlastet und den Unternehmen hilft.“, mahnt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

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