„Goliath“ sorgt für weltweites Interesse

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Vertreter aus Politik und Wirtschaft geben sich derzeit bei Udo Gärtner und Robin Krack in Sannerz die Klinke in die Hand.

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Die beiden Sinntaler haben das Energiespeichersystem „Goliath“ erfunden. Dieses basiert auf dem Prinzip eines Pumpspeicherkraftwerks und kann in großen Mengen Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen, beliebig lange speichern und wieder abgeben. Es ist von Fachleuten nachgewiesen, dass das Goliath-Prinzip funktioniert. „Die Physik lügt halt nicht“, sagt Udo Gärtner.

Mittlerweile ist auch der internationale Markt hellhörig geworden. So suchte am vergangenen Samstag Faisal Abdullah Al Ali die beiden Erfinder auf. Der 54-Jährige ist Chef des Unternehmens „Empire Global Investment Management“, dessen Sitz in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) liegt. Die Firma investiert unter anderem in die Öl- und Gasbranche. Für ein hoch technisiertes Land wie die Emirate sind solche Projekte natürlich sehr interessant. Und Al Ali zeigte sich tief beeindruckt von dem System: „Ich bin überzeugt, dass es funktioniert, was Herr Gärtner und Herr Krack da erfunden haben. Energie zu speichern ist enorm wichtig. In unserem Land entsteht durch die Sonne viel Energie am Tag, aber keine in der Nacht. Deshalb wäre ein solches Speichersystem für uns enorm wichtig.“

Den Kontakt zu Al Ali hatte der ehemalige Staatssekretär Dr. Rainer Bomba über Mirko Horz, Aufsichtsratsvorsitzender bei Empire Global hergestellt. „Dass Herr Al Ali die weite Reise auf sich genommen hat, verdeutlich sein Interesse. Normalerweise kommen Projektentwickler, die Untersützung suchen, zu ihm nach Abu Dhabi.“ Horz macht deutlich, dass schon bald eine Goliath-Pilotanlage entstehen muss: „Die Zeit drängt. Der Technologievorsprung der Erfinder sollte jetzt genutzt werden. Es kann schließlich sein, dass trotz Patents jemand kommt und selbst eine Anlage baut.“ Gerade die Chinesen seien da nicht so erschrocken. Und hier in Deutschland sei es mit Investoren und Banken auch nicht gerade einfach.

Rainer Bomba unterstreicht das: „Es ist genug präsentiert und geredet worden. Jetzt muss das System realisiert werden.“ Nächster Schritt sei nun das Erstellen eines Business- und Finanzierungsplans, der anschließend in Abu Dhabi präsentiert werden soll. Und gegen Ende des Jahres könne mit dem Bau einer Pilotanlage begonnen werden. „Dann kann die Welt sehen, dass unser System funktioniert“, sagt Robin Krack: „Das wäre der Durchbruch für uns.“

Robin Krack und Udo Gärtner setzen aber nicht alles auf die Karte „Vereinigte Arabische Emirate“. „Wir wollen uns breit aufstellen“, sagt Robin Krack. Denn schließlich gibt es auch Kontakte nach Indien oder Australien. Und schon bald fahren Krack und Gärtner nach Wiesbaden ins Wirtschaftsministerium, um ihren „Goliath“ vorzustellen.

So funktioniert Goliath

Goliath basiert wie 99 Prozent der weltweiten Stromspeicher auf dem Prinzip eines Pumpspeicherkraftwerks und hat einen Wirkungsgrad von 75 bis 80 Prozent. Goliath ist dabei allerdings — im Gegensatz zu sämtlichen anderen Pumpspeicherkraftwerken — nicht auf topografische Gegebenheiten angewiesen. Goliath funktioniert wie folgt: Zu speichernder Strom wird durch eine Pumpe in die potenzielle Energie des Wassers umgewandelt. Dabei wird Wasser in die Höhe befördert und von oben in einen Zylinder gepumpt. Der hydraulische Druck des Wassers zusammen mit dessen Gewichtskraft drückt den Kolben im Zylinder entgegen seiner Auftriebskraft in das untere Wasserreservoir. Hierbei halten sich die Gewichtskraft des Wassers und die Auftriebskraft des Kolbens zu jedem Zeitpunkt die Waage, sodass jeder Ladezustand von 0 bis 100 Prozent erzielt werden kann. Dieser Speicherzustand kann durch das Gleichgewicht so lange beibehalten werden, bis wieder Bedarf an der eingespeicherten Energie besteht. In diesem Fall wird die Energie mithilfe der Turbine bedarfsgerecht in Strom umgewandelt. Dazu wird der Zugang zur Turbine freigegeben. Das in die Tiefe rauschende Wasser gibt seine Energie an der Turbine wieder in Form von Strom ab. Durch das entweichende Wasser reduziert sich die Gewichtskraft, die auf den Auftriebskolben wirkt, wodurch dieser wieder emporsteigt und dafür sorgt, dass sich das System wieder komplett entleeren kann. Dieser Prozess kann zu jedem Zeitpunkt gestoppt werden.

Foto: Mirko Horz, Udo Gärtner, Faisal Abdullah Al Ali, Rainer Bomba und Robin Krack (von links) sind sich einig: Das „Goliath-System“ funktioniert. Foto: Bensing & Reith

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