Unternehmensflächen im Kreis blühen auf

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„Schon jetzt warten wir ganz besonders ungeduldig auf den nächsten Frühling“  sagt Dr. Stefan Huck, der mit seinem 7-köpfigen Team in Gelnhausen ein Planungsbüro betreibt.

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„Denn die Flächen, auf denen es bald summen und brummen wird, sind auch unsere Visitenkarte.“ Nach dem Umzug in den Firmenneubau im oberen Herzbachweg nähe Wartturm in Gelnhausen stellte sich den Umweltplanern die Frage nach der Gestaltung ihrer Außenflächen. Schnell war klar: möglichst naturnah sollte es sein. Schließlich ist das Büro in den Bereichen Umwelt- und Landschaftsplanung, regionale Ressourcensicherung und Naturschutzforschung tätig und berät Unternehmen in naturschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren.

Für den Diplom-Geographen sind Blühflächen ästhetische Gestaltungselemente, ermöglichen Naturerleben und bieten Erholungswert. Überzeugt hat ihn aber vor allem der ökologische Aspekt dieser Flächengestaltung. „Wir wollen mit unserem Projekt dafür sorgen, dass in dem vielfach ausgeräumten und biologisch monotonen urbanen Raum wieder Rückzugsorte für eine Reihe von Pflanzen und Tierarten geschaffen werden“, sagt dazu die Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. In den oft gemähten und Grünbeständen finden die Kleintiere keine Überlebensmöglichkeiten. Doch die entstehenden Blühflächen sind sommerliches Nahrungshabitat für Insekten und Vögel und durch die zurückhaltende Pflege auch ein essentielles Winterquartier für Jugendstadien vieler Insektenarten. So überwintern in den vertrockneten Stängeln Wildbienenarten, in trockenen Blättern und Laub überwintern Käfer, Spinnen und Wanzen.

Vom Büro für naturnahe Grünplanung Dernbach kam die Planung und Bauleitung für die rund 800 quadratmetergroße Unternehmensfläche – eine vom Kreis geförderte Leistung. Ralf Geyer, als zuständiger Mitarbeiter, zur Grundidee: „Ein Großteil der Flächen war im Zuge der Baumaßnahmen bereits mit Recyclingschotter aufgefüllt worden, dies erwies sich als Glücksfall für die weiter Planung.“ Denn ein magerer und durchlässiger Boden ist die ideale Voraussetzung für viele besonders attraktive und wertvolle Wildstauden. Die Idee einer rot-weiß-gelben Steppenmischpflanzung mit 30 Arten heimischer Wildpflanzen, konnte so ohne große Bodenbewegungen umgesetzt werden. Ergänzt wurden die repräsentativen Staudenbeete mit Wildrosen, heimischen Sträuchern und über 3000 Blumenzwiebel. Auf den restlichen Flächen wurde statt dem üblichen Schurrasen eine regionale Mager- und Sandrasenmischung ausgebracht.

Die zusammen mehr als 100 Arten sind so zusammengestellt, dass es von März bis Oktober blüht. Denn davon profitieren neben vielen Insekten und Vögeln auch die Menschen, die hier arbeiten. In den nächsten Tagen werden die städtischen Bereiche um den Firmenneubau und die Basketballhalle ebenfalls mit heimischen Wildstauden aufgewertet. Einhergehend mit einer radikalen Umstellung der Pflege, weg vom Mulchen, hin zu maximal zwei Mähterminen, können die Grün- und Gewerbeflächen einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten. Für die Ausführung hatte Stefan Huck das Behinderten-Werk Main Kinzig mit der Ausführung beauftragt. „Die Zusammenarbeit hat allen Beteiligten richtig viel Spaß gemacht“, bestätigt Ralf Geyer.

Als Erstkontakt des Förderprogramms „Unternehmen blühen auf“ besucht Jörg Schmitz im Auftrag des Kreises die örtlichen Unternehmen. Er hofft auf weitere Nachahmer: „Das Gebiet rund um den Wartturm hat noch viel mehr Potential – und die Hürden für Unternehmen, eine Förderung des Kreises zu erhalten, sind denkbar niedrig: ein Erstkontakttermin und eine Selbstverpflichtungserklärung zur fünfjährigen Pflege der Flächen sind die einzigen Bedingungen.“

Seit 2015 wird die Initiative Main-Kinzig blüht in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig sowie dem BUND konsequent vorangetrieben. Im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises sind Fachplanerinnen eingebunden, die Städte, Gemeinden und Unternehmen im „Wildblumendenken“ schulen. Dabei sind eine Pflegeumstellung und das Einbringen regionalen Saatguts Grundlage einer naturnahen Freiflächenplanung. Je nach Standort werden auch Staudenmischpflanzungen oder insektenfreundliche Gehölze empfohlen. Mehr über die speziell an Unternehmen gerichtete Förderung unter www.unternehmen-bluehen-auf.de.

Foto: Umweltplaner Dr. Stefan Huck (Mitte) und Team freuen sich über insektenfreundliche Bepflanzung ihrer Neubauflächen.

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