Und wer pflegt morgen? Auf der Suche nach Personal

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Dass die Sicherstellung der Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen in Anbetracht einer stark alternden Gesellschaft an sich schon eine große Herausforderung darstellt, zeigt nach Auffassung des Geschäftsführers der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises, Dieter Bien (der auch Vorsitzender des Bundesverbandes kommunaler Senioren- und Behinderteneinrichtungen - kurz BKSB - ist), auch, dass die gesamte Branche vor einem Paradigmenwechsel steht.

Dabei liegt der Fokus primär auf den Auswirkungen des demographischen Wandels, insbesondere der gravierenden Verschiebung der Altersstruktur sowie dem damit verbundenen Anstieg der Anzahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland. Der Anteil älterer Menschen nimmt kontinuierlich zu. In zahlreichen ostdeutschen Kreisen ist bereits heute mehr als jeder vierte Einwohner älter als 65 Jahre. Die Lebenserwartung hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts mehr als verdoppelt. Insgesamt liegt der Anteil der über 60-jährigen bereits heute bei 31 % und wird bis 2050 auf über 40 % ansteigen. Dementsprechend wird sich auch die Anzahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland von heute ca. 2,9 Mio. auf ca. 4,5 Mio. Pflegebedürftige im Jahr 2050 erhöhen. Diese Entwicklung, die gleichzeitig die Altenpflege als eine boomende Branche identifiziert, macht jedoch auch deutlich, welcher immense Personalbedarf in Zukunft auf die Pflege und Betreuung zukommen wird.

Der Zukunftssicherheit der Arbeitsplätze im Bereich der Altenpflege, stehen jedoch noch immer mehrere Faktoren gegenüber, die der Attraktivität dieser Arbeitsplätze entgegenwirken. „Vor lauter Kontroll- und Sparzwängen wurde in Deutschland versäumt, die Berufe in Pflege und Betreuung sowie deren Image, ja, die komplette Branche zukunftsorientiert auszurichten.“, erklärt Bien und fügt hinzu: „Selbst heute, wo viele der Probleme bekannt sind, werden vielfach nur immer neue Lösungsansätze diskutiert, anstatt aktiv Zukunft zu gestalten.“ Und wenn auf partei-, sozial- oder verbandspolitischer Ebene einmal Maßnahmen beschlossen werden, gehen diese dem einen zu weit und dem anderen nicht weit genug – oder bleiben im Dschungel der Selbstverwaltung auf der Strecke.

Ein Thema das in diesem Zusammenhang immer wieder diskutiert wird, ist der Einsatz ausländischer Pflegekräfte. In einer globalisierten Arbeitswelt ist Migration eine zunehmende Selbstverständlichkeit. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese nur durch eine kultursensible Integration erfolgreich sein kann und nicht zu einer fachlichen Ausblutung der Herkunftsländer führen darf. Zahlreiche Institutionen in der Altenpflege haben bisher noch keine gezielten Aktionen zur Anwerbung ausländischer Kräfte eingeleitet. Gleichwohl beobachten sie entsprechende Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt, die in vielen Fällen häufig jedoch nur mit erheblichem finanziellen Aufwand und äußerst geringen Erfolgsquoten verbunden sind. Darüber hinaus zeigen sich gerade in der Langzeitpflege (Altenpflege) oft erhebliche Barrieren in Sprache, Kultur und den unterschiedlichsten Qualifikationsniveaus.

„Konkret werden wir uns in den kommenden Monaten explizit damit beschäftigen, junge Menschen aus dem Ausland für die Ausbildung zu gewinnen und dabei Aspekte wie kulturelle Nähe und Sprachförderung zu priorisieren. Wir werden dabei aber auch die jungen Menschen selbst sowie die ausländischen Arbeitsmärkte und deren Eigenbedarfe für die Pflege im Auge behalten,“ erläutert Bien die Strategie des kommunalen Unternehmens um dem zunehmenden Personalmangel entgegen zu wirken. Die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises betreiben aktuell 12 Pflegeeinrichtungen – sowohl im städtischen, wie auch im ländlichen Raum – mit über 1.000 Mitarbeitern und über 1.000 Pflegeplätzen und betreuten Wohnungen. Darüber hinaus unterhält das Unternehmen noch ein Ausbildungsinstitut mit fast 300 Auszubildenden und weit über 1.000 Teilnehmer an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Der Fokus der Personalakquise wird aber auch künftig auf dem örtlichen und regionalen Arbeitsmarkt liegen. Dazu müssen sich die Pflegeeinrichtungen als Arbeitgeber attraktiver machen sowie gesundheits- und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen schaffen. Noch mehr gefordert sind allerdings die Politik sowie die Verbände der Selbstverwaltung. „Es ist unlängst bekannt,“ macht der Geschäftsführer abschließend deutlich, „dass in der Altenpflege deutlich mehr Personal, ein veränderter Personalmix, eine insgesamt bessere Bezahlung, eine andere Refinanzierungsform, ein besseres Image und eine gesamtgesellschaftliche Anerkennung der Aufgabe benötigt wird“. Dafür adäquate Lösungen zu finden ist aktuell ein Schwerpunktthema der Branche. Diese dann auch zu finanzieren, erscheint gegenwärtig allerdings kaum zu bewältigen, denn letztlich werden Milliarden benötigt um mehr Personal zu finanzieren und gleichfalls besser zu bezahlen sowie die stark zunehmende Zahl der betroffenen Menschen (Pflegebedürftige und Angehörige) finanziell zu entlasten.

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