Hoffnungsschimmer am Konjunktur-Horizont

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Die Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis machen das Beste aus der misslichen Lage, in die das Coronavirus sie und die ganze Weltwirtschaft gerissen hat. Noch ist die Krise virulent, und es überwiegen die negativen Lagebewertungen und skeptischen Blicke. Das belegt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Erkennbar ist aber auch, dass die Situation mittlerweile in einigen Branchen und manchen Unternehmen entspannter wahrgenommen wird als noch im Mai. Das ist ein Hoffnungsschimmer.

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Nur 19,1 Prozent aller Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis bewerten ihre derzeitige Lage als „gut“. Das sind 4,3 Prozentpunkte mehr als in der Maiumfrage der IHK. Vor einem Jahr, als zwar noch niemand von Corona sprach, aber schon aus anderen Gründen die Angst vor einer Rezession umging, waren es mit 37,7 Prozent fast doppelt so viele „gut“-Einschätzungen. „Diese maßvolle Besserung seit dem Frühjahr ist erfreulich, zeigt aber auch, dass wir vom Vorkrisenniveau noch weit entfernt sind. Erst wenn die „schlecht“-Antworten mit betrachtet werden, wird die Erholung deutlich“, analysiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde. Aktuell skizzieren 28,6 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als schlecht, im Mai waren es 43,1 Prozent – eine Verbesserung um immerhin 14,5 Prozentpunkte. Für Quidde liegt damit „das Allerschlimmste der Corona-Krise bereits hinter uns – wenn denn die Bekämpfung der Folgen der Pandemie weiterhin konsequent, intelligent und mit Augenmaß erfolgt.“

Noch deutlich konturierter zeigt sich die konjunkturelle Erholung bei den Unternehmensangaben zu den Erwartungen. Den 20,7 Prozent Optimisten stehen derzeit 27,8 Prozent Pessimisten gegenüber – ein negativer Überhang, der in normalem Zeit wenig Gutes verheißen würde. Entscheidend ist auch in diesem Fall der Vergleich mit dem Frühsommer. Damals gab es nur 9,2 Optimisten, aber 53,2 Prozent Pessimisten. „Die Unternehmen glauben an den Aufschwung! Die Lage hat sich im Sommer auf sehr niedrigem Niveau zunächst stabilisiert, aber seitdem geht es zumindest in einigen Branchen schneller als erhofft wieder raus aus dem konjunkturellen Tief. Noch stockt der Prozess ab und an, aber der Trend zeigt nach oben“, kommentiert Quidde.

Werden die 199 Antworten der Unternehmen zur aktuellen und erwarteten Wirtschaftslage gewichtet, ergibt sich ein IHK-Konjunkturindikatorwert von 91,7. Die zentrale Kennziffer errechnet sich aus den Antworten, welche die Unternehmen aus allen wichtigen Branchen und Teilregionen im Main-Kinzig-Kreis im September und Oktober der IHK gegeben haben. 100 Punkte wären ein ausgeglichener Wert, noch also liegt die Wirtschaft dahinter zurück.

Manche Branchen stärker betroffen

Das weltweit grassierende Cornonavirus, genauer: die Folgen der Pandemie und ihrer Bekämpfung, belasten fast alle Unternehmen enorm. Besonders betroffen sind nicht nur die Branchen Gastronomie und Hotellerie, die fast ausnahmslos über schlecht gehende Geschäfte berichten und entsprechend vorsichtig in die Zukunft blicken. Auch im Verkehrsgewerbe ist das Bild durchwachsen – wer fährt heute noch Taxi? Ganz besonders skeptisch schauen die Banken in die Zukunft: Angesichts einer in vielen Teilen Europas stärker von der Pandemie betroffenen Wirtschaft wird die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter niedrig halten und damit das Geschäft der Banken erschweren. Außerdem erfordert die immer stärkere Digitalisierung vom Kreditgewerbe massive Strukturanpassungen.

Diesen Krisenverlierern stehen mittelfristig auch Gewinner gegenüber: Im Gegensatz zu vielen unternehmensnah arbeitenden Servicefirmen, die noch in der Auftragsflaute stecken, schöpfen die personenbezogen Dienstleister wieder Mut. Relativ gut gestalten sich die konjunkturellen Lagebeschreibungen und Erwartungen auch im Einzelhandel – sofern er seine Hausaufgaben in Sachen Digitalisierung und Onlineshopping rechtzeitig erlegt hat. Recht gut schlägt sich weiterhin das Baugewerbe – es schiebt ein großes Auftragspolster vor sich her. In der vielgestaltigen Industrie sieht es unter dem Strich auch schon wieder etwas besser aus: Der Optimismus wächst teilweise kräftig – vor allem bei den der Konjunkturentwicklung üblicherweise voraus laufenden Herstellern von Vorleistungsgütern.

Mit etwas Glück könnte sich in den kommenden Monaten die internationale Nachfrage wieder ein Stück weit erholen. Für die Wirtschaft im Main-Kinzig-Kreis mit einer Exportquote von deutlich über 60 Prozent wäre dies eine sehr gute Nachricht. „Noch ist es aber zu früh, um Entwarnung zu geben. Die Krise ist noch nicht vorbei! Dazu sind die Angaben der Unternehmen zu geplanten Investitionen und Neueinstellungen viel zu vorsichtig formuliert. Viele Unternehmen warten ab und halten vorerst ihr Pulver trocken“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Quidde. Noch sei nicht sicher, dass sich die Wirtschaft 2021 von der Krise erholen kann. Quidde verweist auf die Antworten zu einer Sonderfrage der IHK: Demnach befürchtet die Mehrheit der Unternehmen aus allen Branchen dieses Jahr drastische Umsatzeinbußen von zehn bis 25 Prozent, die in rund 13 Prozent der Angaben sogar bis an die 50-Prozent-Schwelle reichen. Im Gastgewerbe geht über ein Drittel der Unternehmen von einem unter dem Strich verlorenen Jahr aus. Interessant: 6,8 Prozent der Unternehmen gehen von einer durch das Coronavirus ausgelösten Umsatzsteigerung aus.

Wie brutal das Coronavirus und gleichzeitig der Strukturwandel insbesondere bei den Automobilzulieferern die hiesige Unternehmen trifft, zeigt nicht zuletzt der Arbeitsmarkt: Zum ersten Mal seit der Weltwirtschaftskrise 2008 und 2009 wurden Ende September wieder über 13.000 Arbeitslose im Landkreis gezählt. Mit 13.672 waren es dieses Jahr sogar mehr als im September 2009 (13.134). Die Corona-Krise beeinflusst den Arbeitsmarkt massiv. Das zeigt sich nicht zuletzt auch an der Bewertung der Konjunkturrisiken: Der noch vor einem Jahr grassierende Fachkräftemangel hat im Jahresverlauf zunächst an Bedeutung verloren, wird aber jetzt wieder wichtiger. Zugleich konkretisieren sich in einigen Unternehmen die notwendigen Umstrukturierungen, welche ihrerseits Arbeitnehmer freisetzen werden. Quidde dazu: „Wir erleben mehrere Entwicklungen gleichzeitig: Die Corona-Krise, den Strukturwandel in der Automobilindustrie, der verstärkte Online-Handel und übrigens immer noch die höheren Energiepreise aufgrund der Energiewende. Angesichts dieser Belastungen halten sich die meisten Unternehmen sehr gut. Für die mutigen von ihnen gibt sogar der Arbeitsmarkt Impulse. Denn es gibt endlich wieder gute Fachkräfte auf dem Markt, die eine neue Stelle suchen. Wer jetzt dynamisch wachsen kann und will, findet dafür die Mitarbeiter. Das macht mir Hoffnung, dass wir uns im kommenden Jahr noch etwas mehr als in diesem aus der schweren Krise herauswinden können.“

Wie sehr nicht nur die Medien und die Verbraucher, sondern auch die Unternehmen das Themenfeld Klimaschutz mittlerweile im Fokus haben, zeigen die Angaben zu einer weiteren Sonderfrage, welche die IHK gestellt hat: Immerhin die Hälfte aller Unternehmen stimmt dieser Aussage zu: „Der Klimawandel stellt ein unternehmerisches Risiko dar“. Weitere 11,6 Prozent bejahen dies sogar „voll und ganz“. Lediglich 7,9 Prozent verneinen diese Aussage und 30,5 Prozent wollen sie nur eingeschränkt gelten lassen. „Die Unternehmen erkennen die Herausforderungen der Zeit. Sie werden die richtigen Wege in die Zukunft finden und gehen“, schließt Quidde.

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