Bahnstrecke Gießen-Gelnhausen: Ausbaufähig oder Museum?

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„Neue Wege auf bekannten Pfaden“ – unter diesem Motto lud die IHK am 12. Oktober zu einer Erkundungsfahrt ein. Mit einem Schienenbus aus dem Jahr 1962 testete die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, ob die Bahnstrecke Gießen-Gelnhausen eher ins Museum gehört oder ausbaufähig für die Zukunft ist. An der gut zweistündigen Eisenbahnfahrt nahmen neben Mitgliedern der Vollversammlung auch Unternehmer aus dem IHK Mobilitäts- und Infrastrukturausschuss teil sowie Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung.

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Ziel war es, diese weitgehend unbeachtete Strecke und ihre unmittelbare Umgebung näher zu erkunden. Der Anlass: Gerade diese Verkehrsachse könnte in den nächsten Jahren stärker wachsen und die Bahnstrecke damit an Bedeutung gewinnen. Darauf deuten aktuelle Pendlerzahlen hin.

Vor der Erkundung der Strecke stand das Reisegefährt selbst im Fokus. Große Augen gab es in Gelnhausen am Bahnsteig, als der „Uerdinger Schienenbus“ mit der etwas sperrigen Baureihenbezeichnung VT 98 829 vorfuhr. Der purpurrote Oldtimer löste bei einigen Teilnehmern nostalgische Gefühle aus – solche Fahrzeuge waren bis vor 30 Jahren noch häufig im Einsatz. Die „Oberhessischen Eisenbahnfreunde Gießen“ machten diesen Einsatz möglich. Frank Trumpold, Vorsitzender des Vereins, führte aus, dass der Verein den ausgemusterten Schienenbus im Jahre 1995 erworben und in mühevoller Arbeit wieder instandgesetzt hatte.

Mehr Pendler, da Fachkräfte gesucht sind
Auf dem Weg ins knapp 70 km entfernte Gießen passierte die IHK-Reisegruppe von Gelnhausen kommend die Stationen Lieblos und Mittel-Gründau, ehe der Zug den Büdinger Tunnel durchquerte. Interessant: Der Tunnel wurde beim Bau 1870 bewusst weit genug für ein mögliches zweites Gleis dimensioniert. Zu einer Erweiterung kam es jedoch nicht, die Strecke ist bis heute eingleisig, nicht-elektrifiziert und erlaubt Höchstgeschwindigkeiten von maximal 85 km/h. Einen fahrplanbedingt kurzen Halt nutzte IHK-Präsident Dr. Norbert Reichhold, um die Bedeutung der Ertüchtigung von Nebenstrecken im Main-Kinzig-Kreis auszuführen. Als Kind der Region stelle er mit Bedauern fest, dass die Schieneninfrastruktur im östlichen Rhein-Main-Gebiet „vernachlässigt“ worden sei. Es sei „bezeichnend“, dass man mit der Museumseisenbahn nur unwesentlich langsamer unterwegs sei, als mit einem regulären, modernen Zug.

Reichhold hob die Bedeutung der Strecke für den Pendlerverkehr hervor: Mit 7.781 Einpendlern, Stand: 30. Juni 2020, ist die Wetterau eine der ganz wichtigen Herkunftsregion für viele Menschen, die im Main-Kinzig-Kreis arbeiten. Die Pendlerverflechtung zwischen der Wetterau und dem Landkreis nimmt zu: Die Steigerungsrate der Pendlerzahlen betrug in den vergangenen sieben Jahren 20,3 Prozent und 19,4 Prozent für die Gegenrichtung. Beide Kennzahlen belegen, dass die Beziehung zwischen beiden Landkreisen seit einigen Jahren immer enger wird. Die Stadt Frankfurt im Zentrum der Metropolregion zieht zwar nach wie vor die meisten Pendler aus dem Umland an, aber auch zwischen den eher ländlich geprägten Teilräumen um Frankfurt wächst der Pendlerverkehr rasch. Vor diesem Hintergrund gelte es, die vorhandenen Infrastrukturen „zukunftsfähig auszubauen“, so der IHK-Präsident. „Der öffentliche Nahverkehr muss sich darauf einstellen, vor allem die Bahn!“, betonte Reichhold. Die IHK werde sich gemeinschaftlich mit weiteren Akteuren für eine Modernisierung einsetzen. „Engagieren geht leichter, wenn man weiß, wovon man redet“, begründete Reichhold die Idee zur Erkundungsfahrt von Gelnhausen nach Gießen.

Interessante Lektion am Rande: Weil der Fahrdienstleiter das Gleis früher als geplant frei gab, waren die Fahrgäste eine halbe Stunde früher in Gießen. Die Bahn kann viel schneller sein als man ihr zutraut – wenn man sie nur lässt.

Foto: IHK-Präsident Dr. Norbert Reichhold erklärte im „Uerdinger Schienenbus“ aus dem Jahr 1962, warum die Eisenbahnstrecke Gelnhausen-Gießen modernisiert werden soll.

Foto: Der purpurrote Bahn-Oldtimer aus dem Jahr 1962 sorgte für große Augen im Gelnhäuser Bahnhof.

Bildnachweis: Oberhessischen Eisenbahnfreunde Gießen



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