Cookie-Hinweise - Sind sie eine Plage, ein Segen, oder beides?

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Sie scheinen immer dann aufzupoppen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann, verdecken genau das, was man eigentlich sehen möchte und bringen gefühlt keinen Mehrwert: Cookie-Hinweise.

Einer repräsentativen Studie von YouGov zufolge sind 63% der Deutschen genervt von den Bannern, die praktisch jedes Mal irgendwo auf dem Bildschirm entscheiden, wenn man eine neue Internetseite aufruft. Doch wir werden uns wohl noch einige Zeit mit ihnen arrangieren müssen. Zwar versucht der Gesetzgeber Alternativen für Cookie-Hinweise den Weg zu ebnen, doch fehlt es bisher noch an geeigneten Konzepten für diese Alternativen. Der Interessenkonflikt zwischen jenen, die Webseiten betreiben, und denen, die sie besuchen ist verzwickt.

Doch eins nach dem anderen, was sind Cookies und warum weist jede Webseite auf sie hin? 

Technisch ist eine Webseite ein Computerprogramm, das permanent auf einem Server, der mit dem Internet verbunden ist, läuft. Mit Internetbrowsern wie Googles Chrome oder Microsofts Edge können diese Webseiten aufgerufen werden. Dabei sendet der Internetbrowser eine Anfrage und das Webseiten-Programm antwortet, indem es die angefragten Informationen an den Internetbrowser schickt. Aus diesem Anfrage-Antwort-Spiel besteht praktisch das gesamte Internet. Fast jeder Klick in einem Browser führt zu einer Anfrage, deren Antwort dann angezeigt wird. So weit, so simpel. 

Das Spiel wird jedoch komplizierter, wenn mehr Spielerinnen und Spieler daran teilnehmen. Beliebte Webseiten können tausende Anfragen pro Minute erhalten. Da wird es zur Herausforderung die einzelnen Anfragen auseinander zu halten und den angefragten Inhalt jeweils an die Partei zu schicken, die auch die entsprechende Anfrage gestellt hat.   

Webseiten-Programme verwenden verschieden Methoden dieses Identifizierungsproblem zu Lösen. Eine dieser Methoden ist das Setzen von Cookies. Dabei schickt die Webseite dem Internetbrowser nicht nur eine Antwort auf dessen Anfrage, sondern auch eine kleine, einzigartige Datei. Ähnlich wie beim Nummernschild am Auto kann die Webseite jetzt alle Anfragen, die sie erreichen, anhand des individuellen Cookies, den sie dem anfragestellenden Internetbrowser geschickt hat, unterscheiden. Cookies dienen also dazu Ordnung in das Chaos der digitalen Signale im Internet zu bringen.  

Wo liegt das Problem? 

Cookies mögen auf den ersten Blick sehr unscheinbar und harmlos wirken, doch können sie große Macht in die Hände derjenigen legen, die mit ihnen umzugehen wissen. Wer jeden Tag tausenden Besuchern auf seiner Webseite auf Klick und Tipp folgt, wird schnell gewisse Muster feststellen: So ist es denkbar, dass Menschen, die Weihnachtsbaumschmuck im Warenkorb haben, empfänglicher für Lichterkettenwerbung sind oder, dass Menschen, die nach Kinderhosen suchen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an Kindersocken interessiert sind.  

Die Einblicke, die das Onlineverhalten in die persönliche Lebenswelt der Menschen, die eine Webseite besuchen, bietet, sind jedoch nicht auf diese Oberflächlichen Zusammenhänge begrenzt. Wer genauer hinguckt und auch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Geschwindigkeit der Tastatureingaben misst, kann Rückschlüsse auf Stimmung und sogar psychische Verfasstheit seiner Besucherinnen und Besucher schließen - wohlgemerkt ohne, dass die betreffende Person mitbekommt, dass sie gerade durchleuchtet wird.  

Gegenmittel: Cookie-Hinweis 

Cookies sind also einerseits ein technisch notwendiger Grundbaustein des Internets und können andererseits hochinvasive Brenngläser, die die Privatsphäre der Internutzerinnen und -nutzer erodieren, sein. Um diesen Zwiespalt gangbar zu machen hat die Europäische Union 2018 ihre Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, verabschiedet - ein Gesetz, das Betreiberinnen und Betreiber von Webseiten dazu verpflichtet zunächst die Einwilligung der Menschen, die auf ihre Webseite zugreifen, einzuholen, bevor ihre Webseite Cookies auf deren Geräten platzieren darf. Die Cookie-Hinweise, die laut der eingangs erwähnten Umfrage so viele Deutsche nerven, sind die Umsetzung genau dieser gesetzlichen Anforderung. 

Die Cookie-Hinweise müssen Besucherinnen und Besucher von Webseiten vor die freie und informierte Wahl stellen, ob sie mit dem Setzen von Cookies auf ihrem Endgerät einverstanden sind. Solange keine Einverständniserklärung abgegeben wurde, darf die Webseite keine Cookies setzen. Ausnahmen von dieser Regelung sind lediglich Cookies, ohne die die Webseite ihre Funktion nicht erfüllen könnte.  

Die übrigen, nicht notwendigen, Cookies werden oft in unterschiedliche Kategorien, wie Marketing- und Statistik-Cookies zusammengefasst, sodass nicht die Zustimmung für jedes einzelne Cookie abgefragt werden muss. Dieser Schritt macht den Umgang mit Cookies sicherlich etwas einfacher, wirklich komfortabel ist der Status quo aber für die Wenigsten. Und so wird derzeit an Konzepten geforscht, die in Zukunft den Interessenskonflikt zwischen Werbetreibenden und Privatpersonen mit regeln. Bislang ist jedoch keine bessere Lösung gefunden worden und so bleibt bis auf weiteres nur der Cookie Hinweis beim Besuch einer Webseite.