„Einen neuen Dialog des Frankfurter Flughafens mit der Region über die weitere verträgliche Entwicklung des Airports für Anwohner wie auch für die Beschäftigten“, das ist die Forderung von Regionalverbandsdirektor Ludger Stüve (SPD) und der Fraport-Betriebsratsspitze nach einem gemeinsamen Gespräch.
„Wir müssen das verspielte Vertrauen zurückgewinnen und wieder neu aufbauen“, waren sich der Verbandschef und Claudia Amier, Betriebsratsvorsitzende von Fraport-Frankfurt, sowie Edgar Stejskal, Konzernbetriebsratsvorsitzender, einig.
„Wir müssen uns zum Frankfurter Flughafen als internationales Drehkreuz genauso bekennen wie zum Lärmschutz für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner“, sagte Stüve. In letzter Zeit sei die Argumentation sehr einseitig verlaufen und habe sich nahezu ausschließlich auf die Lärmproblematik bezogen. „Der Flughafen als wichtiger Standortfaktor für die hiesige Wirtschaft und die Bedeutung für die Beschäftigten sind häufig nur in Nebensätzen aufgetaucht. Die Politik ist hier gefordert, einen Ausgleich zu den unterschiedlichen Interessen zu leisten.“
Insgesamt rund 78.000 Menschen arbeiten am Frankfurter Flughafen seit Eröffnung der neuen Landebahn Nord-Ost. Mit dem Nachtflugverbot in der Zeit von 23 bis 5 Uhr seien etwa 3000 Arbeitsplätze im Lufthansa-Konzern weggefallen. „Wir setzen uns für unsere Arbeitnehmer und die Arbeitsplätze ein, wir stehen aber auch ausdrücklich zu diesem vom Mediationsverfahren erbrachten Nachtflugverbot.“ Mit dem Wegfall der Nachtschicht stehe man jetzt aber vor dem Problem, dass die Morgenschicht schon teilweise um 3 Uhr beziehungsweise um 3.30 Uhr beginnt, um den Flugbetrieb ab 5 Uhr zu gewährleisten. „Das ist nicht leicht, um zwei Uhr früh aufzustehen.“ Ein weiteres Problem sei, dass um diese Uhrzeit noch keine Busse oder Bahnen fahren. „Wie kommen die Arbeitnehmer zu uns? Nicht jeder hat ein Auto“, fragt Amier. Auch hier müsse Abhilfe geschaffen werden.
Stejskal berichtete, dass es vor allem am Flughafen noch viele gewerbliche Arbeitsplätze gebe. Allein bis zu 130 junge Leute im Jahr erhielten einen Ausbildungsplatz. „Wir qualifizieren auch für die Erlangung der Ausbildungsreife in einem neu aufgelegten Projekt.“ Hoch sei der Druck auf Lohn und die Arbeitsbedingungen. Über 30 Prozent liege die Lohnabschmelzung in den vergangenen 20 Jahren, 2.600 Leiharbeiter verdienten bei Fraport derzeit ihr Geld. „Ein Grund dafür sind die europäischen Ausschreibungen, die heute für nahezu jede Tätigkeit angewendet werden. Arbeitsplätze sollten lieber hier aus der Region besetzt werden.“ Der Betriebsrat habe aber erreicht, dass bei allen Reduzierungen eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2018 gewährleistet ist. Der Konzernbetriebsratsvorsitzende plädiert dafür, dass so schnell wie möglich technische Innovationen eingesetzt werden, um den Fluglärm zu reduzieren. Auch sollte die Luftverkehrsabgabe an den Bund nicht zur Sanierung des Haushalts eingesetzt werden, sondern für Maßnahmen hier in der Region.
37 Männer und Frauen zählt der Fraport-Betriebsrat, er vertritt rund 12.000 Beschäftigte in Frankfurt. Beim Fraport-Konzern sind rund 21.000 Menschen beschäftigt.