Evonik: Persönliche Dokumentation einer Familiengeschichte

Charles Abelmann, Dokumentarfilmer aus den USA, teilte seine Familiengeschichte mit den Gästen im Industriepark. Foto: Evonik Industries

Unternehmen

Die Erinnerungsarbeit wird zunehmend schwieriger: Zeitzeugen sterben, ihre Stimmen verstummen. Umso wertvoller sind Momente, die Geschichte lebendig machen. Einen solchen Moment erlebten Kolleginnen und Kollegen und zahlreiche Gäste kürzlich im Industriepark Wolfgang. Dr. Charles Abelmann, amerikanischer Dokumentarfilmer und Sohn sowie Enkel von Zeitzeugen, präsentierte seinen Film „Shifting Paths“ („Sich verändernde Pfade“) – eine sehr persönliche Dokumentation über die dramatische Geschichte seiner jüdischen Familie.

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Charles Abelmann, Dokumentarfilmer aus den USA, teilte seine Familiengeschichte mit den Gästen im Industriepark. Fotos: Evonik Industries

In rund 40 Minuten folgt Abelmann den Spuren seines Vaters Walter und vor allem seines Großvaters Arthur Abelmann. Dieser gründete 1920 in Bad Homburg eine Fabrik, die unter anderem das von ihm erfundene und bis heute bekannte Arzneimittel „Kamillosan“ produzierte. Der Erfolg führte 1927 zur Verlagerung nach Frankfurt. Doch die Nationalsozialisten zerstörten alles: Am 1. April 1933 wurden die Produkte des „jüdischen Unternehmens“ von der Erstattungsliste der Krankenkassen gestrichen. Über Nacht brach die Welt der Familie zusammen. Die Abelmanns flohen in die Schweiz und kehrten nie zurück.

Um sein Lebenswerk zu retten, verkaufte Arthur Abelmann die Firma an die Degussa – ein Vorgängerunternehmen von Evonik. Der Firmengründer überwand den Verlust seines Unternehmens nicht. Nach der Flucht in die Schweiz starb er nur ein Jahr später – 1934 - an einem Infekt.

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Mehr als 100 Teilnehmende sahen seinen Film. Viele stellten Fragen und kamen im Anschluss mit Abelmann ins Gespräch.

Charles Abelmann erzählt diese Geschichte anhand von Briefen, Tagebüchern und Archivmaterial. Er besucht die Stationen des Lebens seiner Vorfahren und zeigt bisher unbekannte Filmausschnitte. Sein Ziel: Wunden heilen, die vor über 90 Jahren geschlagen wurden. „Das Konzernarchiv von Evonik hat Charles Abelmann mit zahlreichen Dokumenten, Fotos und vielen Hintergrund-Informationen unterstützt“, sagt dessen Leiterin, Dr. Andrea Hohmeyer. „Es war eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit und wir sind stolz, dass er den Film bei uns gezeigt hat.“

„Erinnerung ist kein Rückblick – sie ist ein Auftrag“, betonte Standortleiterin Kerstin Oberhaus in ihrer Begrüßung. „Wir lernen aus der Vergangenheit, übernehmen Verantwortung und zeigen Haltung.“ Neben zahlreichen Kolleginnen und Kollegen nahmen auch über 50 Schülerinnen und Schüler der Hohen Landesschule teil. Im Anschluss diskutierte Abelmann offen mit den Gästen, die auch Feedback-Kärtchen beschrieben. „Lernt aus der Vergangenheit! Demokratie ist wertvoll – schützt sie! Bleibt menschlich!“ stand dort zu lesen. Und auch: „Vielen Dank, dass Sie Ihre Familiengeschichte mit uns geteilt haben!“  

Die Veranstaltung war mehr als ein Blick zurück – sie war ein Moment der Reflexion und ein Beitrag zu einer Unternehmenskultur, die auf Respekt, Offenheit und historischer Verantwortung beruht.


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