Die wirtschaftliche Lage im Main-Kinzig-Kreis ist schlecht. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich erneut eingetrübt – mit weiteren Rückgängen bei Beschäftigung und anhaltender Investitionszurückhaltung. Besonders kritisch sehen viele Betriebe die ausufernde Bürokratie und die Rahmenbedingungen in Deutschland. Ein Unternehmer bringt es auf den Punkt: „Die Bundesregierung ist zu zögerlich in der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen.“
Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage zeigen, dass sich die wirtschaftliche Stimmung in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis weiter eingetrübt hat. Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der aktuellen Geschäftslage liegt bei -12,5 und fällt damit nochmals schlechter aus als in der Januar-Umfrage 2026 (-11,9). Bereits seit der Frühjahrsumfrage 2025 ist ein kontinuierlicher Rückgang dieses Wertes zu beobachten.
Besonders auffällig ist der erneut gestiegene Anteil der Unternehmen, die ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht bewerten. Dieser liegt inzwischen bei 32 Prozent. Gleichzeitig bezeichnet nur noch knapp ein Fünftel der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut. Ein derart niedriges Stimmungsniveau wurde in den vergangenen mehr als 20 Jahren lediglich während der Weltfinanzkrise 2009 sowie auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie im Jahr 2020 erreicht.

Optimismus schwindet – Unternehmen blicken zunehmend skeptisch in die Zukunft
Die Geschäftserwartungen der Unternehmen bestätigen die anhaltend pessimistische Stimmung in der regionalen Wirtschaft. Der Saldo aus positiven und negativen Zukunftserwartungen ist erneut leicht gesunken und liegt nun bei -13,5. Besonders deutlich zeigt sich die Eintrübung beim Anteil der Unternehmen mit optimistischem Ausblick: Dieser ist gegenüber der vorherigen Umfrage von 17,9 Prozent auf nur noch 12,7 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig blickt inzwischen gut ein Viertel der Unternehmen (26,2 Prozent) pessimistisch auf die kommenden Monate.
Der IHK-Klimaindikator, der Lageeinschätzung und Erwartungen zusammenführt, liegt aktuell bei 87,0 Punkten. Gegenüber der jüngsten Umfrage entspricht dies einem erneuten Rückgang, wenn auch diesmal um nur 0,5 Punkte. Damit sinkt der Indikator noch tiefer unter die 100 Punkte, die für eine ausgeglichene wirtschaftliche Stimmung stehen.

Einzelhandel gewinnt deutlich an Zuversicht
Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt ein insgesamt schwaches, aber differenziertes Bild. Besonders der Einzelhandel hat sich gegenüber der jüngsten Umfrage deutlich verbessert. Der Saldo zur aktuellen Geschäftslage liegt mit 7,1 erstmals wieder im positiven Bereich, nachdem er in der vorherigen Erhebung noch bei -21,5 lag. Inzwischen bewerten 35,7 Prozent der Einzelhandelsunternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als gut. In der vorangegangenen Umfrage lag dieser Anteil lediglich bei 7,1 Prozent.
Auch die Geschäftserwartungen haben sich spürbar aufgehellt. Zwar bleibt der Erwartungssaldo mit -7,7 weiterhin im negativen Bereich, gegenüber dem vorherigen Wert von -35,8 stellt dies jedoch eine deutliche Verbesserung dar. Insgesamt steigt der Klimaindex des Einzelhandels damit deutlich von 71,1 auf 99,4 Punkte.
Weniger erfreulich entwickelt sich die Lage in der Industrie, dem lange Zeit wichtigsten Wirtschaftszweig für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis. Zwar hat sich der Saldo der aktuellen Geschäftslage gegenüber der jüngsten Umfrage deutlich von -19,2 auf -11,6 verbessert, insgesamt bleibt die Stimmung jedoch deutlich angespannt.
Nahezu ein Drittel der Industrieunternehmen (30,2 Prozent) bewertet die derzeitige Geschäftslage als schlecht. Demgegenüber beurteilen lediglich 18,6 Prozent ihre aktuelle Situation als gut.
Auch die Zukunftserwartungen der Industrie-Unternehmen haben sich eingetrübt. Während der Saldo zu Jahresbeginn mit +3,9 noch im positiven Bereich lag, ist er inzwischen auf -4,8 gesunken. Nur 11,9 Prozent der Unternehmen blicken optimistisch auf die kommenden Monate, während 16,7 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen.
Jetzt auch Exportaussichten negativ
Die anhaltende Unsicherheit spiegelt sich zunehmend in den Exporterwartungen der Unternehmen wider. In der Industrie rechnen nur noch 16,7 Prozent der Unternehmen mit steigenden Exporten in den kommenden Monaten. Demgegenüber erwarten 26,7 Prozent einen Rückgang ihres Auslandsgeschäfts. Der Saldo aus positiven und negativen Exporterwartungen fällt damit auf -10,0 Punkte, nachdem er in der vorherigen Umfrage noch bei +2,5 lag.
Die schwächeren Exportaussichten beschränken sich jedoch nicht allein auf die Industrie. Über alle befragten Unternehmen hinweg gehen lediglich 17,1 Prozent von steigenden Exporten aus, während 28,6 Prozent mit rückläufigen Auslandsumsätzen rechnen. Der gesamtwirtschaftliche Saldo sinkt damit auf -11,5 Punkte und erreicht den niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren.
Auch die Zahlen des Hessisches Statistisches Landesamt bestätigen: Die Exportquote im Main-Kinzig-Kreis liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Das Exportgeschäft hat seinen Schwung verloren. Die Unternehmen agieren zurückhaltend auf den internationalen Märkten.

Arbeitslosigkeit wird weiter zunehmen
Die Entwicklung wirkt sich zudem weiterhin auf die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen aus. In der aktuellen Konjunkturumfrage geben fast 30 Prozent der Unternehmen an, eher Personal abbauen als neue Mitarbeiter einstellen zu wollen. Der Beschäftigungssaldo liegt bei -18,9 und hat sich damit im Vergleich zur jüngsten Umfrage leicht verbessert (zuvor -19,9).
Auch deshalb waren im April 2026 im MKK 16.061 Personen arbeitslos gemeldet +2.246 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr (Arbeitslosenquote: 6,7 Prozent). Gleichzeitig sank die Zahl der gemeldeten offenen Stellen auf 2.095. In Hanau waren im April 2026 6.137 Personen arbeitslos gemeldet, was einem Anstieg von 953 Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr entspricht und einer Arbeitslosenquote von 10,9 Prozent.
Noch weniger Investitionen erwartet
Die Investitionsneigung der Unternehmen ist weiterhin sehr schwach. Der Saldo aus geplanten Mehr- und Minderinvestitionen liegt bei -10,2 (zuvor -13,3) und ist damit weiterhin negativ. Bereits seit zwölf Umfragen in Folge, also seit drei Jahren, verzeichnet der Wert ein durchgehend negatives Niveau - so lange wie nie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
Politische Rahmenbedingungen und hohe Energiepreise als wesentliche Risiken
Ein wesentlicher Grund für die angespannte Stimmung und die wahrgenommenen Risiken sind aus Sicht der Unternehmen die ungünstigen Standortbedingungen in Deutschland. 70,9 Prozent bewerten diese als größte Belastung (siehe Grafik). Seit Jahren wird insbesondere die ausufernde Bürokratie sowie die hohe Abgabenlast kritisiert. Ein Unternehmer beklagt, „dass über Bürokratieabbau gesprochen wird, aber nichts Handwerkliches unternommen wird, um die erwürgende Bürokratie abzubauen. Es wird im Gegenteil immer mehr Auflagen geben, die die Effektivität hemmt.“ Oder ein anderer Unternehmer zu den Risiken: „Inflation, Energiepreise, generelle Unsicherheit und immer mehr Regulation.“
Zusätzlich verschärft die geopolitische Lage die Situation weiter. Die durch den Irankrieg und gestiegenen Energiepreise werden mit 69,3 Prozent entsprechend als zweitgrößtes Risiko eingestuft. Bei den Kraftstoffpreisen zeigt die jüngst durchgeführte Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) aus Aschaffenburg, Gießen-Friedberg, Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Limburg und Offenbach den enormen Handlungsbedarf: Die monatlichen Mehrkosten infolge der stark gestiegenen Kraftstoffpreise fallen sehr unterschiedlich aus - sie reichen von keinen zusätzlichen Belastungen bis hin zu 400.000 Euro pro Monat. Besonders deutlich wird jedoch die grundsätzliche Unzufriedenheit der Unternehmen z. B. aus diesem Zitat: „Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen durch die Politik und EU, aber auch die geopolitische Lage negativ auswirkend auf fast alle Märkte. Der Stillstand am Standort Deutschland sorgt zusätzlich dafür, dass Kunden abwandern oder schließen.“ Nach den politischen Rahmenbedingungen und den Energiepreisen werden die Arbeitskosten von 59,1 Prozent der Unternehmen als ein großes Risiko genannt. Es folgen die Inlandsnachfrage (58,3 Prozent) der Fachkräftemangel (48,8 Prozent).
Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde fasst zusammen: „Der Stellenabbau wird weitergehen. Schon heute ist die Industrie in Hanau und dem MKK nicht mehr die Branche mit den meisten Arbeitsplätzen. Das sind jetzt der öffentliche Dienst und verwandte Dienstleistungsberufe. Unsere Wirtschaftsstruktur wandelt sich dramatisch, und die Unternehmen sehen kein Aufbruchssignal, um zu investieren. In der Weltfinanzkrise 2008/09 gab es zwei Umfragen hintereinander eine negative Investitionsabsicht, in der Pandemie 2020/21 drei. Jetzt dagegen erleben wir die zwölfte Umfrage, in der die Unternehmen künftig weniger als mehr investieren wollen. Ohne schnelle und umfassende Reformen wird die Bundesregierung die Stimmung nicht mehr drehen. Die Wirtschaft beginnt zu resignieren.“

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