Der Innenhof des Klinikums Hanau hat jetzt einen Namen – sogar einen ganz offiziellen.
Der Innenhof des Klinikums Hanau hat jetzt einen Namen – sogar einen ganz offiziellen.


Der neue „Emma-Knebel-Platz“ erinnert an diese besondere und engagierte Hanauer Hebamme, würdigt ihre Lebensleistung und hält die Erinnerung an sie wach. Die Namensgebung beschloss das Hanauer Stadtparlament vor wenigen Tagen einstimmig auf Vorschlag der Hanauer SPD-Fraktion nach einer Idee des Hanauer Damen Serviceclubs von Zonta International und viel Unterstützung durch Hanauer Persönlichkeiten.
„Der neue Name macht aber nicht nur auf die Hebamme Emma Knebel aufmerksam“, betont der Ärztliche Direktor des Klinikums Hanau, Dr. med. André Michel: „Er rückt auch den ganzen Berufsstand in das Zentrum der Aufmerksamkeit und gibt unseren Hebammen die Wertschätzung, die sie sich täglich durch ihre wichtige und engagierte Arbeit verdienen.“
Mit der Errichtung des Neubaus des Klinikums Hanau ist zugleich ein neugestalteter Innenhof entstanden. Dort gibt es einen so genannten „Storchenparkplatz“ direkt am Haupteingang. Dieser Kurzzeitparkplatz ist exklusiv für Schwangere und ihre Angehörigen gedacht für den Fall, dass es schnell gehen muss. „Was lag da näher, als diesen Ort nach Emma Knebel zu benennen?“, über diese Idee und die Solidarität der Stadtverordneten freut sich der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Privatdozent Dr. med. Thomas Müller im Namen des ganzen Teams.
Emma Knebel ist eine Hanauer Institution. Berichtet wird das Bild der freiberuflichen Hebamme, die auf dem Moped zu jeder Tages- und Nachtzeit für die schwangeren Frauen unterwegs war. Emma Knebel wurde 1896 geboren und starb im Dezember des Jahres 1988, mit 92 Jahren, in Hanau. Im Stadtparlament begründete Cornelia Gasche für die SPD-Fraktion die Namensgebung: Man habe schon des Längeren nach einem entsprechenden Ort gesucht, um diese außergewöhnliche Frau zu ehren. Der Platz vor dem Neubau des Klinikums eigne sich nun dafür in besonderer Weise. Die Würdigung von Emma Knebel sei zugleich auch für alle jene Frauen zu sehen, die sich um Schwangere gekümmert haben, als medizinischer Beistand bei Geburten noch keine Selbstverständlichkeit gewesen sei.
Emma Knebel, die Hebamme aus der Kleiböhmerstrasse, half im Laufe ihres langen Berufslebens mehr als 8000 Hanauern auf die Welt. Einer hiervon war, im April 1960, der heutige Hanauer Ehrenbürger Rudi Völler. Auch kümmerte sie sich um schwangere Frauen, die kein Geld hatten, sie zu bezahlen. Denn eine allgemeine Krankenversicherung war zu diesen Zeiten noch nicht üblich. Emma Knebel nahm 1928 als 13. freie Hebamme in Hanau ihre Tätigkeit auf, von 1961 an war sie im Klinikum Hanau fest angestellt, in den Ruhestand ging sie erst mit 73 Jahren.
Im Mutter-Kind-Zentrum (MKZ) des Klinikums Hanau wird in diesen Tagen die 1000. Geburt und demnächst sogar eine Drillingsgeburt erwartet, berichtet die Leitende Hebamme des Klinikums Hanau, Tatjana Nicin, und freut sich über die wieder stark gestiegene Akzeptanz: „Im Kreißsaal stehen unseren schwangeren Frauen insgesamt 17 Hebammen zur Seite, das Personal wurde deutlich aufgestockt.“ Das MKZ bietet allen werdenden Eltern eine Geburt in Sicherheit und Geborgenheit. Auch ist es speziell für Risikogeburten wie z. B. bei Schwangerschaftsdiabetes, Mehrlingen oder Frühgeburtlichkeit qualifiziert. Es verfügt als einzige Klinik im Main-Kinzig-Kreis über die höchste deutsche Versorgungsstufe (Level 1) und bietet den einzigen Hanauer Kreißsaal mit bei Geburt anwesendem Kinderarzt.
Neben der medizinischen Spitzenqualität bietet das Mutter-Kind-Zentrum auch einen hohen Komfort für Schwangere. So wurde kürzlich erst der Kreißsaal renoviert und bietet ein attraktives „Wohlfühl-Ambiente“.
Die wichtigste Neuerung in diesem Jahr war die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung. So erhalten Frauen, die kurz vor der Geburt stehen, eine geschützte und ruhige Atmosphäre, abseits der normalen Geschäftigkeit der Ambulanz. In die nun eigenständige, geburtshilfliche Ambulanz kommen dagegen in erster Linie Frauen zur Geburtsanmeldung, zu Kontrolluntersuchungen sowie zu Beratungs- und Informationsgesprächen. Auch sie haben jetzt einen eigenen Bereich, in dem sie nicht mit den Abläufen des Kreißsaals konfrontiert werden. Außerdem wurde die pränatale (vorgeburtliche) Sprechstunde ausgebaut: In unmittelbarer Nähe des Kreißsaales. Mit zusätzlichem Personal und verkürzten Wartezeiten wurde die Servicequalität weiter verbessert.
An der Entwicklung des MutterKind-Zentrums Hanau hätte sicherlich auch Emma Knebel ihre Freude gehabt. Wer mehr über sie und andere bemerkenswerte Hanauer Frauen wissen möchte: Das Buch von Ilse Werder „Hanau weiblich“, erschienen im Hanauer CoCon-Verlag, gibt Auskunft.
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de