In der Spessart-Klinik Bad Orb sind die 120 Plätze permanent mit Patienten belegt, die sich hier zur gesundheitlichen Rehabilitation befinden.
In der Spessart-Klinik Bad Orb sind die 120 Plätze permanent mit Patienten belegt, die sich hier zur gesundheitlichen Rehabilitation befinden.


Egal, ob es sich um Erwachsene oder Jugendliche handelt: Hallenbad und Sporthalle sind ein beliebter Anlaufpunkt; nicht allein für die medizinische Therapie, sondern als wichtiger Treffpunkt für Freizeitsport und soziale Kontakte. Besonders geschätzt wird von allen Gästen die Wohlfühl-Temperatur: Im großen Hallenbad wird das Wasser auf 290 C und im kleineren Therapiebecken sogar auf 320 C erwärmt. Was die Gäste erfreut, das präsentiert sich der Klinikleitung als schwergewichtiger Kostenblock. Mit dem neuen gasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) können die Techniker jedoch den Brennstoff Gas doppelt ausnutzen: Rund um die Uhr wird Wärme produziert und gleichzeitig erzeugt das Aggregat Strom, der im Klinikbetrieb ebenfalls ständig benötigt wird.
Neben dem Schwimmbad und der Sporthalle benötigt die Spessart-Klinik das ganze Jahr über auch beträchtliche Mengen Wärme – zum Beispiel für Warmwasser der Patientengebäude und während der kalten Jahreszeit für die Raumheizung im Gesamtkomplex. In der Vergangenheit stand die Energieversorgung im Wesentlichen auf zwei Säulen. Wärme wurde über Gaskessel erzeugt und Strom über das lokale Netz bezogen. Auf der Grundlage einer zukunftsweisenden Energieexpertise der Stadtwerke Gelnhausen wurde deutlich, dass sich die Verbrauchssituation der Klinik in idealer Weise anbietet, für Wärme und Strom ein BHKW zu installieren. Damit wird die Primärenergie Gas wesentlich besser ausgenutzt. Mit einem Wirkungsgrad von rund 95 Prozent werden Kosten eingespart und zusätzlich ein Beitrag zur Schonung der Umwelt geleistet. Darauf basierend haben die Stadtwerke das Aggregat „schlüsselfertig“ installiert und der Klinik auf Pachtbasis zur Verfügung gestellt.
Nach rund zwei Monaten Dauerbetrieb haben Geschäftsführer Karl Spindler zusammen mit dem Technischen Leiter Roland Lay und Projektmanager Thorsten Herr eine rundum positive Bilanz gezogen. Bereits nach wenigen Wochen hat sich bestätigt, die Wärmeversorgung läuft einwandfrei und die Stromrechnung für den Zukauf aus dem lokalen Netz ist deutlich rückläufig. In Zahlen ausgedrückt ergibt sich folgendes Bild:
- Im BHKW werden 130 kWh thermische Wärme erzeugt.
- Dabei fallen gleichzeitig 110 kWh Strom an.
Der Einsatz von Gas als Primärenergie steigt zwar um 10 Prozent leicht an, aber die für den Klinikbetrieb nutzbare Energie steigt um nahezu 50 Prozent an, ein betriebswirtschaftlich sehr bedeutsames Ergebnis. Auf der Zeitachse rechnet sich die Spessartklinik weitere Kostenvorteile aus. Während die Strompreise weiter steigen werden, bleiben die Aufwendungen für die selbst erzeugte thermische und elektrische Energie nahezu konstant.
Für die Technik und Betriebswirtschaft zählt ein weiterer wichtiger Aspekt. Das Konzept wurde von den Stadtwerken in Absprache mit der Spessart-Klinik nicht nur komplett projektiert und gebaut. Die Experten der Stadtwerke sorgen ebenfalls für die Wartung, sowie für Generalrevision nach 60.000 Betriebsstunden, so dass es in Bad Orb keinen zusätzlichen Personalbedarf gibt. Erforderlich ist lediglich eine tägliche Sichtkontrolle. Ansonsten können die Leistungsdaten des BHKW auf dem zentralen Leitstand der Gebäudetechnik ausgewertet werden.
In der Praxis bedeutet dies für die Spessart-Klinik: Hier werden modernste Verfahren eingesetzt, die wirtschaftlich eine Entlastung bringen und zugleich auf dem neuesten Stand der Technik die Dienstleistungsqualität der Spessartklinik steigern helfen. Beeindruckt hat das Klinikmanagement nicht allein der geringe Platzbedarf des BHKW, sondern auch die Tatsache, dass die Betriebszeiten der Anlage bereits nach wenigen Wochen die projektierten Daten deutlich übertroffen haben und mehr Strom erzeugt wurde, als geplant.
Ebenfalls positiv überrascht zeigt sich die Klinikleitung von den Geräuschemissionen sowie eventuell störenden Schwingungen des BHKW-Motors. Die komplette Kapselung von Antrieb und Generator erlaubt heute einen extrem leisen Betrieb, und durch frei schwingende Aufhängung fast vibrationsfrei. Der Geräuschpegel liegt sogar noch unter dem der gasbefeuerten Kesselanlage, die bei extremen Außentemperaturen die Wärmeproduktion unterstützt.
Die Investitionskosten für das BHKW beziffern die Stadtwerke Gelnhausen auf rund 180.000 Euro. Bei der Kalkulation gehen Stadtwerke und Spessart-Klinik von einer Laufzeit von zehn Jahren aus. Für den Betreiber besteht damit eine gute Chance, die Kosten für das BHKW zu einem beträchtlichen Teil aus Einsparungen bei dem Strompreis zu finanzieren.
Foto: Geringe Abmessungen und gute Leistungen des neuen BHKW beeindrucken Geschäftsleitung und Technik der Spessart-Klinik Bad Orb. Das Foto zeigt Geschäftsführer Karl Spindler (links), den Technischen Leiter Roland Lay (Mitte) sowie Projektmanager Thorsten Herr.
Foto: Das Hallenbad in der Spessart-Klinik benötigt das ganz Jahr über viel Wärmeenergie.
Foto: Mit 320 C zählt das Therapiebecken zu den bedeutenden Energieverbrauchern der Spessart-Klinik.
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