Update zur Energiewende

Unternehmen

Wird die Energiewende zu einem Dauerthema für die Wirtschaft? Gibt es neben dem Kostenrisiko auch Chancen?

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Und warum ist die intelligente Verteilung des Windkraft-Stroms über ein modernes Verteilnetz momentan interessanter als der Aufbau einer Stromspeicher-Infrastruktur? Außerdem: Wie gehen die kommunalen Versorger mit der Herausforderung Energiewende um?

Auf seiner ersten Sitzung nach der Neukonstituierung befasste sich der Industrie- und Umweltausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern mit der praktischen Umsetzung Energiewende – einem besonders wichtigen Thema für die regionale Wirtschaft. Entsprechend kontrovers, aber auch sehr sachlich und Ziel führend, verlief die intensive Diskussion. Zu den Beratungen auf dem Betriebsgelände der Wächtersbacher „HKS Dreh-Antriebe GmbH“ hatte der Ausschuss unter Leitung von Reinhard Wachter, Inhaber des Hanauer Traditionsbetriebs „Friedrich Roediger & Co.“, kompetente Fachreferenten eingeladen: Dem Beratungsorgan der IHK-Vollversammlung standen Christian Horzetzky, beim Netzbetreiber TenneT für die politische Kommunikation verantwortlich, und Steffen Maiwald, Geschäftsführer der Stadtwerke Hanau, Rede und Antwort.

Wohin mit dem vielen Windstrom?

Mit wenigen Zahlen und Beispielen machte Horzetzky dem Ausschuss bewusst, wie sehr die Systemstabilität des deutschen Stromnetzes durch die Energiewende leidet. Vor zwölf Jahren gab es im Jahresverlauf in ganz Deutschland nur zwei Eingriffe der Versorger – das Verteilnetz war sicher und stabil. Seitdem ist die Zahl der Eingriffe pro Jahr auf über 1.000 sprunghaft gestiegen, wobei es seit 2011 eine Stagnation auf sehr hohem Niveau gibt. Solche Eingriffe sind nicht billig: Die Schäden beliefen sich allein im Jahr 2014 auf etwa 250 Millionen € - die Vorhaltekosten zum Beispiel für die Reserve-Kraftwerke nicht inbegriffen. Das Problem: Unser Verteilnetz wird noch störanfälliger, wenn nicht sehr bald neue Stromleitungen den überschüssigen Windstrom aus Norddeutschland nach Hessen, Bayern und Baden-Württemberg leiten.

In seinem Vortrag „Netzausbau: Warum ist er notwendig?“ skizzierte Horzetzky, wieso bei starkem Wind im Norden Windräder abgestellt und im Süden uralte Gas- und Kohlekraftwerke angeworfen werden müssen, um das Stromnetz im Gleichgewicht zu halten. Mit einer intelligenten Verteilung des norddeutschen Windstroms, am besten mittels Gleichstromkabel, die wie eine Stromautobahn funktionieren, wäre der Engpass durch die „erheblichen Überlastungen“ gut aufzulösen. „Solange der Marktanteil der Erneuerbaren Energien nicht rasant steigt, reicht eine intelligente Verteilung des Stroms. Erst wenn es noch mehr Ökostrom gibt, werden Speichertechnologien rentabel und interessant“, warb der Lobbyist für einen möglichst zügigen Ausbau neuer Überlandleitungen, von dem auch der Main-Kinzig-Kreis betroffen wäre. Da aber angesichts der aktuellen politischen Debatten keine zeitnahe Realisierung absehbar ist, dürften vor den ersten Spatenstichen für die sowohl über- als auch unterirdisch verlaufenden Trassen noch viele Jahre verstreichen.

Die Mitglieder des Ausschusses warnten davor, die Flexibilität der betrieblichen Abläufe einzuschränken. Die Produktion könne nicht abhängig von der jeweiligen Windstärke oder Sonnenintensität erfolgen, Reservekraftwerke seien deswegen unverzichtbar. Die Politik dürfe den Aspekt der Versorgungssicherheit nicht unterschätzen, viele Industrieanlagen reagierten sensibler auf Schwankungen im Netz als die Elektrogeräte in privaten Haushalten. Mit guten Gründen entstehe derzeit ein Massenmarkt für Batterien als Speicher von überschüssigem Strom. Viele Teilnehmer befürchteten, dass auf die Industriebetriebe weitere Belastungen zukommen.

Unsicherheit als Investitionshindernis

Steffen Maiwald erläuterte im Anschluss, wie die Stadtwerke Hanau mit der Energiewende umgehen. Weil die Stadtwerke neben vielen privaten Haushalten auch viele gewerbliche Großkunden betreuen und es auf der Kostenseite so gut wie keine Optimierungsmöglichkeiten mehr gibt, stehen die deutschen Stadtwerke vor schwierigen Zeiten. Hinzu kommen die Aufgaben der Energiewende: Da die Stadt Hanau aufgrund ihrer Topografie nicht als nennenswerter Erzeuger von Ökostrom auftreten kann, bleibt als Alternative zum CO2-Einsparen fast nur eine Verbesserung des Fernwärmenetzes. Das neue Biomasse-Heizkraftwerk am ebenfalls neuen Wohngebiet „Lehrhöfer Park“ weise in eine neue Richtung. Strategisch notwendig ist für die Stadtwerke nicht zuletzt eine Entkopplung des Fernwärmenetzes von der Stromerzeugung im Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg, dessen Zukunft nicht ohne weiteres gesichert sei. Auch weil immer mehr Großkunden den Weg der Selbstoptimierung beim Stromeinkauf gehen, entstehen für den regionalen Versorger zunehmend Unsicherheiten, die kaufmännisch nicht solide zu beziffern sind. Maiwald regte die Gründung eines Energieeffizienznetzwerkes von regionalen Unternehmen an, in dem die auftretenden Probleme analysiert und in wechselseitigem Vertrauen gelöst werden könnten.

In seiner Zusammenfassung unterstrich der Ausschussvorsitzende Reinhard Wachter, dass es neben vielen Potenzialen auch Risiken gebe. Der bessere Transport der Erneuerbaren Energien könne ein Teil der Lösung sein, wenn es gelingt, die Bürger zu überzeugen. Es sei absehbar, dass mit der Energiewende ein politischer Dauerbrenner entstanden sei, der sich nur bedingt für die Stammtische eigne. Es gehe nicht zuletzt um intelligente Lösungen, wobei weder die Wirtschaft noch die Politik bislang die revolutionären Auswirkungen der Digitalisierung und der Industrie 4.0 thematisieren würden. Wachter mahnte diesbezüglich eine vernetzte Sichtweise an.

Im Anschluss stellten Marketing-Chefin Caroline Andratschke und HKS-Geschäftsführer Günther Höhn das gastgebende Unternehmen vor: Das seit 45 Jahren bestehende, Familien geführte Unternehmen stellt hydraulische und pneumatische Drehantriebe und Dreh-Hub-Kombinationen her, die auf eine große Nachfrage in nahezu allen Branchen stoßen. Von der Baumaschine über Fitnessgeräte bis hin zur Hebebühne der Restauratoren im Mailänder Dom oder zu Offshore-Plattformen: Überall, wo präzise gedreht und geschwenkt werden muss, wo exakt beschleunigt, abgebremst, positioniert und gehalten werden soll, arbeiten die Antriebe aus Wächtersbach. Der 190 Mitarbeiter beschäftigende, hochinnovative Weltmarktführer entwickelt, konstruiert und produziert in Wächtersbach und in Neukirch in der Lausitz.

Foto: HKS-Geschäftsführer Günther Höhn (Mitte rechts) führte Reinhard Wachter (Mitte links) und die anderen Mitglieder des Industrie- und Umweltausschusses durch sein organisch gewachsenes Unternehmen. Nachweis: IHK


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